Kunstmuseum Hersbruck stellt Aquarelle aus

Ganz meisterlich

Dicht an dicht drängten sich die Besucher im Kunstmuseum Hersbruck bei der Eröffnung der Vernissage „Meisterliche Aquarelle“. | Foto: U. Scharrer2017/05/Aquarelle-Vernissage-4.jpg

HERSBRUCK – Zarte Silhouetten wie farbige Scherenschnitte, dreiste Farbspritzer, quirlige Tupfer, sich überlappende, durchscheinende Farbschichten, ausgefuchste Kompositionen – das alles sind Beispiele für die vielseitigen Qualitäten der „Meisterlichen Aquarelle“, die bis 9. September im Kunstmuseum Hersbruck zu sehen sind. In Anwesenheit einiger „Meisterinnen und Meister“ wurde die Ausstellung eröffnet.

Die Eigenheiten der Aquarellmalerei fordern für gelungene Arbeiten wirkliches Können: Korrekturen können kaum vorgenommen werden und die Durchsichtigkeit der Farben macht alle Arbeitsschritte offensichtlich. Doch Museumsleiter Uli Olpp mochte weder auf technische Finessen noch auf die Lebensläufe und künstlerischen Karrieren der acht ausgestellten Aquarellisten eingehen, von denen vier bei der Vernissage anwesend waren. Er stellte stattdessen die Frage nach der Motivation jeglichen künstlerischen Schaffens: „Warum malt der Maler überhaupt?“

Schützenhilfe bekam Olpp von den Schriften des inzwischen als Aquarellmeister der klassischen Moderne geltenden Paul Cézanne, der einiges über seinen Antrieb niedergeschrieben hat. „Ich sehe. In Flecken. Dem Genie läge es ob, diesen Aufstieg in einen Augenblick des Gleichgewichts zu bannen und doch dabei seinen Schwung fühlen zu lassen“, zitiert Olpp den Erneuerer Cézanne. „Es gilt“, so übertrug Olpp die Notizen in eigene Worte, „ein Zipfelchen von der erhabenen Ordnung der Dinge selbst zu erhaschen.“

Verschiedene Methoden
Die ausgestellten Aquarellisten wenden, an diesen Forderungen gemessen, ganz unterschiedliche Methoden an: Die Arbeiten von Fritz Griebel erforschen die Kontraste zwischen zerfließenden Zufallspfaden und kontrollierter Strichführung. Die Reiseimpressionen des etwas jüngeren Kurt Kolbe erscheinen etwas konventioneller, stellen aber in hell und dunkel interessante Rhythmen in der Landschaft her.

Oskar Koller hat die Intensität seiner Farben und den Wagemut seiner Formen zu großer Meisterschaft getrieben und ist mit drei menschlichen Rückenansichten vertreten. Christoph Gerling spielt virtuos mit den Farbüberlappungen in seinen scheinbar lapidar hingetüpfelten Ballettstudien und hat auch noch Beispiele für das Übertragen der Wasserfarbenmalerei auf Keramik mitgebracht. Hans Hesselbachs Silhouetten von Ortschaften scheinen wie aus handgefärbtem Papier ausgeschnitten, sind aber mit sicherer Hand und teils feinem, teils dickem Pinsel gemalt. Jutta Schwarz nimmt mit kühnen Kompositionen und temperamentvollem Strich für sich ein, noch flatterhafter wirkt die Linie in Ruth Wittmanns zarten Abbildern ihrer Alltagswelt. Um so stringenter dampft Cornelia Effner die menschliche oder tierische Gestalt auf das Wesentliche ihres Umrisses ein, den sie nur mit einem Hauch Farbe füllt.

So divers die Bilder an den Wänden, so anspruchsvoll auch die Musik, die Stefan Frank am Saxofon zwischen die Reden und Danksagungen streut. Ob Debussy, „Improvisation 1“ von Jean-Marie Londeix oder ein „Agnus Dei“, das dicht an dicht stehende Publikum wurde auch musikalisch herausgefordert.

Die Ausstellung läuft bis 9. September, geöffnet von Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 14 bis 16 Uhr.

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