Altstadtfestverein erarbeitet neues Modell

Frischer Anstrich für das „Aushängeschild“

Zahlreiche Besucher, gute Laune und tolle Musik – so ist die Idealvorstellung des Altstadtfestes. Ein neues Konzept soll die Teilnahme für Wirte wieder attraktiver machen – und mehr Leute anlocken. Foto: HZ Archiv2015/01/5_2_1_2_20150123_FEST.jpg

HERSBRUCK – Rufe nach Veränderung und Kritik am Programm, Angebot und Ablauf prägten das Klima nach dem insgesamt schlecht aufgenommenen Altstadtfest 2014 – bei Bürgern und Wirten (HZ berichtete). Der Altstadtfestverein nahm sich dieser Dinge an. Analyse, Rückblick und die Vorstellung eines neuen Modells prägten die Jahreshauptversammlung im Stadthaus.

„Wir müssen alle gemeinsam vernünftig darüber reden, was wir in diesem Jahr verbessern können“, sagt Vorsitzender Jürgen Wild. Leserbriefschreiber kritisierten im letzten Jahr vor allem „jede Menge freistehende Flächen und Straßen“ sowie ein „gewisses Maß an Langeweile und Bestürzung“ hinsichtlich der Angebote. Sinkende Besucherzahlen – durch die Sturmwarnung am Samstag auch wetterbedingt – und hohe Kosten hatten auch bei den Wirten nicht für gute Stimmung gesorgt.

Ein neues Modell

„Die Kosten sind ein Problem“, weiß Roland Winkler, zweiter Vorsitzender des Altstadtfestvereins und selbst teilnehmender Wirt. „Deswegen haben wir ein neues Modell erarbeitet, damit der Preis für die Plätze günstiger wird.“ Bisher hätte es Pauschalen nach Größe und Anzahl der Quadratmeter gegeben. Kleinere Teilnehmer hätten Musikbeiträge an die großen Bühnen zahlen müssen. „Der Musikbeitrag wird jetzt nach einem Mitgliederentscheid abgeschafft. Auch die Platzgebühren werden gesenkt. So wird es für alle wieder attraktiver.“ Es gebe auch Verhandlungen mit der Stadt, wo diese den Verein unterstützen könne.

„Das Altstadtfest ist eine Traditionsveranstaltung“, sagt Christof Rothkegel vom Bürgerbüro. „Uns ist es wichtig, dass es sie auch weiterhin gibt. Deshalb muss es für die Teilnehmer günstiger und einfacher werden.“ Die Stadt hätte einen gewissen Spielraum bei den von ihr erhobenen Gebühren. „Die Verhandlungen laufen aber noch. Entscheiden muss letztendlich ohnehin der Stadtrat.“

Eine Einteilung der Stadt in verschiedene Kostenzonen dagegen, wie es in der JHV von Seiten der Wirte vorgeschlagen wurde, hält Winkler für nicht umsetzbar: „Wer legt denn fest, wo mehr Leute unterwegs sind und wo weniger? Wo mehr Umsatz gemacht wird, als anderswo? Das Risiko ist doch für den Wirt am Oberen oder Unteren Markt das gleiche wie für den am Spitaltor oder am Schloss.“

Michael Groß, Geschäftsführer der Caritas im Nürnberger Land, sieht das anders. Bisher war seine Organisation mit einer Bühne am Amtsgericht vertreten. Wegen der wenigen Besucher und hohen Kosten überlegt er, in diesem Jahr nicht dabei zu sein: „Wir, als sozialer Verband, der in der Pflege tätig ist, stehen nicht da, um Geld zu verdienen. Aber mehrere tausend Euro Verlust sind zu viel. Wir können uns das nicht leisten.“

„Es ist doch ganz normal, dass an manchen Punkten mehr los ist als an anderen“, sagt Jürgen Wild. „darauf hat man aber keinen Einfluss. Tatsache ist, wenn viele Leute kommen, ist auch Bewegung da und davon profitiert jeder.“ Vor allem für die wenig belebte Prager Straße müsse man sich ein Konzept überlegen. „Eine Möglichkeit wäre, die Citta slow-Bewegung einzubeziehen und Warenstände aufzubauen. Hier sind wir aber alle gefragt, Ideen zu sammeln.“

Auch ein allgemeines Rahmenprogramm steht zur Debatte, um das Altstadtfest attraktiver zu gestalten. So sei die offizielle Eröffnung am Freitag zu früh. „Um 18 Uhr ist keiner da, weil viele noch in der Arbeit sind“, sagt Wild. „Die Eröffnung auf 20 Uhr zu verschieben, macht viel mehr Sinn.“ Auch die Verlegung des traditionellen Gottesdienstes auf Samstag oder die Wiedereinführung des Familientages würden zur Vielfalt des Angebots beitragen.

Viele Bürger hatten sich im vergangenen Jahr auch über die hohe Lautstärke und Einseitigkeit des musikalischen Programms beschwert. „Das soll Rockmusik keinesfalls ausschließen. Nur es geht eben so oder so. Echte Stimmung und Stadtfeste, an die man Jahre später gerne denkt…, das geht anders“, resümierte ein Leserbrief über das letztjährige Fest.

„Die Bühnenbetreiber versuchen, die bestmöglichen Bands zu bekommen“, sagt Roland Winkler. „Aber Rockmusik ist nunmal etwas lauter. Das Problem haben aber nicht nur wir, sondern jedes große Fest. Viele Anwohner feiern ja auch selbst mit.“

Jürgen Wild: „Das Altstadtfest ist das Aushängeschild von Hersbruck. Wir – die Gastronomen – dürfen nicht immer nur schlecht darüber sprechen, sondern müssen uns gemeinsam Mittel und Wege überlegen, wie wir es verbessern können. Wir müssen auch mehr Wirte dazu bringen mitzumachen. Das neue Modell wäre ein richtiger Schritt in diese Richtung, weil es alle entlastet.“

N-Land Dominik Heinz
Dominik Heinz