Feuer-Folgen werden bleiben

Der Dachboden des historischen Gebäudes in dr Hersbrucker Altstadt ist fast völlig zerstört. Wahrscheinlich muss das Haus abgerissen werden. Foto: Katja Bub2010/02/kb2.jpg

HERSBRUCK (kb) — Der Brand in der Hersbrucker Altstadt ist zwar fürs erste gelöscht, an den Folgen des Feuers aber haben viele noch lange zu knabbern. Zwei Familien verloren über Nacht ihr Zuhause, der historische Gänsturm hat einiges abbekommen und auch das dort untergebrachte Archiv der Hersbrucker Altstadtfreunde ist in Mitleidenschaft gezogen.

Es riecht noch immer kräftig verbrannt, als am frühen Nachmittag ein Feuerwehrmann den Gänsturm hinaufsteigt und in jedem Raum nach dem Rechten sieht. Der Boden ist verdreckt, in der Decke klafft ein riesiges Loch, manche Balken sind verkohlt. Prospekte der Hersbrucker Altstadtfreunde liegen verstreut herum. Der Verein hatte in dem historischen Turm, der Eigentum der Stadt ist, sein Archiv untergebracht.

Wertvolle Ansichtskarten, verschiedene Fotos und Hersbrucker Zeitungsausgaben von über 30 Jahren haben sie hier aufbewahrt, erklärt Philip Sydenham von den Altstadtfreunden. Dass die Dokumente nicht den Flammen zum Opfer fielen, ist letztendlich den Feuerwehrleuten zu verdanken. Die schleppten die Schriftstücke beherzt in eilends von der Metzgerei Hartmann herbeigeholten Wurstkörben nach draußen und fuhren diese mit dem neuen Feuerwehr-Transporter in den Bauhof. „So viel ich auf den ersten Blick sehen kann, sind die Unterlagen zwar etwas zerknittert, aber größtenteils in einem guten Zustand. Den Feuerwehrleuten sei Dank“, sagt Sydenham erleichtert, als er dort die gestapelten Kartons unter die Lupe nimmt.

Während Karlheinz Wölfel von der Stadt derzeit davon ausgeht, dass der Gänsturm wieder hergerichtet werden kann – ein Gutachter wird in den nächsten Tagen erwartet – , stehen die Chancen für das benachbarte Haus, in dem der Brand gestern früh ausbrach, schlecht. Das Gebäude ist einsturzgefährdet. Die beiden türkischen Familien, die in dem Haus wohnten, sind bei Freunden und Verwandten untergekommen.

"Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut", sagt Wölfel. Alle zehn Personen konnten sich gestern noch vor Eintreffen der Rettungskräfte ins Freie retten und blieben unversehrt. Die Stadt habe ihnen nun Hilfe angeboten, sie will den Familien bei der Suche nach einer neuen Unterkunft unter die Arme greifen.

Während Passanten gestern im Eisenhüttlein immer wieder stehen bleiben und nach oben zu dem völlig verkohlten Dachstuhl blicken, lassen auch die Feuerwehrleute das Gebäude nicht aus den Augen. Immerhin besteht die Gefahr, dass Glutnester wieder aufflackern und sich erneut ein Feuer entwickelt. Doch noch bleibt alles ruhig. Auch der Feuerwehrmann kehrt gelassen aus dem Gänsturm zurück. Zeit für eine kleine Stärkung. Die Leberkäsweckla beim Metzger um die Ecke sind an diesem Tag gefragt wie nie.

N-Land Katja Bub
Katja Bub (Hersbrucker Zeitung)