Spannender Abend am PPG Hersbruck

Faszination Naturwissenschaften

Florentine Edeltraud Bach und Christoph Hofmockel erforschten die Geometrie auf der Kugel. | Foto: Andrea Pitsch2017/01/7808539.jpeg

HERSBRUCK – Bierflaschen, wie von Geisterhand verrückt herumsausende Roboterautos, Putzmittel und ein großer Traktorreifen – was hat das alles in der Schule zu suchen? Ganz einfach: Beim naturwissenschaftlichen Abend am Paul-Pfinzing-Gymnasium gehören diese Dinge einfach dazu, um die „Mint“-Abschlussarbeiten der Schüler erst richtig begreifbar zu machen.

Bei „Mint“ handelt es sich um die Abkürzung und Zusammenfassung der Fächer Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die am Hersbrucker Gymnasium einen besonderen Stellenwert haben. Ziel dieser Kooperation ist es, Schule und Wirtschaft zusammenzubringen, für eine Qualitätssicherung im naturwissenschaftlichen Bereich zu sorgen und Förderangebote für die Schüler zu schaffen – zum Beispiel Camps für Teilchenphysik und Meeresbiologie, von denen die beiden sicher durchs Programm führenden Moderatorinnen Jasmin Campagna und Elisabeth Walter schwärmten.

Bevor die zwei jungen Damen zum Einsatz kamen, hatten die vielen Besucher Zeit, sich vorab an den zahlreichen Ständen in Mensa und Aula über das zu informieren, was sie am Abend erwarten würde. Zudem präsentierten die Astro-AG „Neues aus dem All“, die „ProPhys“ ihre Projekte und die Roboter-AG, was Legosteine alles können. Und an den Tischen zum Thema Matheolympiade konnten Eltern und Gäste selbst die Rechenfähigkeiten testen. Auch die Gymnasiasten nutzten die Zeit noch, um ihren Vortrag um letzte Notizen zu ergänzen oder Mitschülern als Testpersonen ihre Arbeiten vorzustellen.

Um das Publikum langsam an die teils komplexen Sachverhalte heranzuführen, berichtete Sophie Hoffmann über die Lernvideos der Klasse 8a. „Oft versteht man ja Sachen im Unterricht nicht gleich und schaut dann daheim irgendein Video“, sagte sie. Warum nicht gleich selbst eines erstellen? Daher erarbeitete die Klasse in Kleingruppen verschiedene Mathe-Lern-Filmchen für die Mitschüler.

Was es mit „Geocaching“ auf sich hat, erklärten Teilnehmer des P-Seminars Informatik in einem witzigen Anspiel. Diese „digitale Schnitzeljagd“ nahm auch das Verständnisproblem zwischen den Generationen gekonnt aufs Korn. Die Chemie-Gruppe hatte sich mit „500 Jahren Reinheitsgebot“ befasst. Die Jungs und Mädchen fanden nicht nur heraus, was in den Gerstensaft hinein darf, sondern brauten ein eigenes Bier, das beim Sommerfest rasch ausverkauft war.

Richtig ackern mussten die Biologen der Q12, denn sie konzipierten und errichteten im Schulgarten ein Klassenzimmer. Ein 30 Quadratmeter großen Boden, bedeckt mit Hackschnitzeln, eine Tafel an der Gartenhütte, Hocker aus Reifen und Planen sowie ein Sonnensegel als Decke bilden den neuen Outdoor-Lernraum, der im Frühjahr eröffnet werden soll.

Fabienne Muschiol erklärte Fehlbelastungen beim Joggen.
Fabienne Muschiol erklärte Fehlbelastungen beim Joggen. | Foto: A. Pitsch2017/01/7808499.jpeg

 

Wesentlich wissenschaftlicher und teils abstrakter wurde es bei den W-Seminaren. Doch Moment, was hat denn da Kunst verloren? Das wusste David Bertl in flüssiger Vortragsweise kurz, knackig und stringent aufzulösen: Er hatte in Kooperation mit dem „FabLab“ Nürnberger Land einen Stuhl aus Wellpappe gebaut. Dazu musste er eine Vektorgrafik der Bauteile erstellen, damit der Laser-Cutter die Koordinaten beim Ausschneiden exakt abfahren konnte. Das Resultat konnte sich sehen lassen.

Florentine Edeltraud Bach versuchte in die Welt der fünf platonischen Körper, Vielecke mit gleichen Seiten und Kanten, zu entführen. Interessant ist, dass sich solche Formen bei Erregern oder Kristallen wiederfinden. Sie selbst zerbrach sich den Kopf über das Umkugeln der Objekte, wofür sie Formeln und ein Koordinatensystem benötigte. Um Kristalle drehte sich alles bei ihrem Kollegen aus dem Mathe-W-Seminar „Geometrie auf der Kugel“, Christoph Hofmockel. Ihn faszinierten unter anderem die kristalline Struktur, Homogenität und Symmetrie, an Hand deren sich die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Kristalle ablesen lassen.

Wie wirkt Topspin?
Wie Sport und Physik zusammenpassen, machte die Physik-Gruppe deutlich. Oscar Dannhäuser stellte sich dabei die Frage, in welcher Situation man welche Schlagart beim Tennis anwenden sollte. Es ging ihm um die Auswirkungen der Rotationsenergie des Balls bei Slice und Topspin. Die unterschiedlichen Eigenschaften von Tischtennisbällen aus Plastik und Zelluloid untersuchte Tobias Felme. Stefanie Witzgall testete die Wirkung der Kraft beim Trampolinspringen auf Körper und Knie.

Als Karateka nahm sich Andreas Steinbinder Angriffstechniken vor, verbunden mit der Frage, welche die größte Kraft, Energie und den größten Impuls hat. Über Video-Analysen, Verformungen von Testobjekten und Formeln kam er zum Schluss, dass ein Fußtritt stärker als ein Faustschlag ist. Reibung, Beschleunigung und Gewicht spielen beim Sprint-Start eine Rolle. An Optimierungsmöglichkeiten forschte Tim Golchert.

Wie viel Gewicht man wohl bei Liegestützen bewegt? „Es ist immer das ganze Körpergewicht“, hatte Jonas Schicker herausgefunden. Fabienne Muschiol brachte das Thema „Natural Running“, ein Laufstil, der sich am Barfußlaufen orientiert, sowie Fehlbelastungen und deren Auswirkungen zur Sprache.

Ins Reich der Ökosysteme in und am Wasser entführten die Damen des Bio-Seminars. Paula Zimmermann hatte per Fotos und Interviews die menschlichen Einflüsse auf die Pegnitz dokumentiert. Am gleichen Fluss nahm Anne Hartmann Proben zur Gewässergütebestimmung. Was Düngemittel und Phosphate mit Entstehen und Vorkommen von Cyanobakterien – im Volksmund fälschlicherweise Blaualgen genannt – zu tun haben, weiß Anna Sophia Maul.

Dem pflanzlichen wie tierischen Plankton war Jessica Pop im Baggersee auf der Spur. Sie analysierte dazu viele Proben dieser Wasser-Organismen, die nicht aktiv gegen die Strömung schwimmen können. Ebenfalls eine Bestandaufnahme nahm Maria Weigl vor: Sie erforschte am Igelsee bei Hartenstein, welche Pflanzen gerne nebeneinander wachsen. Das mündete in einer pflanzensoziologischen Kartografierung.

Nah am Leben
In einem lustigen, prägnanten und souveränen Vortrag beschrieb Janina Engelhard ihren Modellversuch mit fünf Wasserbecken, Wasserflöhen und Schnecken sowie Haushaltschemikalien. Sie wollte wissen, welche Auswirkungen Essigreiniger, Schmierseife und Klar- und Weichspüler auf die Mikroorganismen haben. Wenn das nicht das beste Beispiel dafür ist, wie nah Wissenschaft und Schule am Leben dran sind.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch