Unfallstatistik 2019

Etwas weniger Unfälle im Hersbrucker Land

Dieser Unfall im November 2019 auf der B14 zwischen Hersbruck und Happurg war einer von 924 Fällen. | Foto: W. Sembritzki2020/03/UnfallB14.jpeg

HERSBRUCK – „Die landläufige Meinung ist ja, dass das Tempo Unfallursache Nummer eins ist“, sagt Bernhard Distler. Doch der Chef der Hersbrucker Polizei räumt damit bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik für 2019 auf.

Denn überhöhte Geschwindigkeit liegt in der Auswertung der Beamten nur auf Rang drei mit insgesamt 59 Fällen. Wesentlich gravierender mit 180 Vorfällen sind folgenreiche Fehler beim Abbiegen. „Hier haperte es meist an der Abstimmung zwischen Auto und Fußgänger“, weiß Helmut Hartmann. „Viele dürfte überraschen, dass der mangelnde Sicherheitsabstand am häufigsten zu Unfällen (242) führt“, ergänzt Klaus Bald.

Doch insgesamt verzeichnete die Polizei Hersbruck einen leichten Rückgang bei den Verkehrsunfällen: Die Zahl sank von 950 im Jahr 2018 auf 924. Auch wurden mit 139 Menschen weniger verletzt als im Vorjahr (157). Erfreulich ist für Distler, dass niemand getötet wurde und kein Unfall unter Drogeneinfluss zu verzeichnen ist. Allerdings liegen die Zusammenstöße aufgrund von Alkohol weiter „im Mittel“: „Von den 15 Stück (2018: 13) ist jeder einzelne zu viel“, betont Distler.

Weniger Schwerverletzte

Als positiv bezeichnete Distler zudem die Entwicklung bei den Schwerverletzten: Nach einem leichten Anstieg im vergangenen Jahr sank die Zahl um 21 Prozent auf 34 (2018: 43). Laut Distler liegen die Zahlen seit einigen Jahren im „normalen Schwankungsbereich“. Klar trügen die immer sicherer werdenden Fahrzeuge zu dieser Reduzierung bei. Hartmann merkte an, dass jeder, der bei einem Unfall ins Krankenhaus eingeliefert werde, in die Statistik schon als schwerverletzt eingeht.

Keine Verletzten gab es bei den zahlreichen Wildunfällen. Hier mahnen die Polizisten in den Morgen- wie Abendstunden zu erhöhter Aufmerksamkeit. Zwar nahmen die Kollisionen mit den Tieren um 5,2 Prozent ab, jedoch bewegt sich die Zahl mit 275 weiterhin auf einem hohen Niveau. „Das wirkt sich natürlich auf die Gesamtmenge der Unfälle aus“, macht Hartmann klar.

Flucht nach Parkrempler

Wie die Wildunfälle seien auch die Unfallfluchten ein Dauerthema, so Distler. Hierbei handle es sich meistens um Parkrempler und keine größeren Vorkommnisse. 128 Mal entfernte sich 2019 ein Fahrer unerlaubt vom Ort des Geschehens, das entspricht einem Minus von 9,2 Prozent.

45 Mal ermittelten die Beamten den Verursacher – auch dank aufmerksamer Zeugen: „Wir sind auf Mitteilungen angewiesen. Keiner sollte denken ‚der wird sich schon melden‘ oder ähnliches“, sagt Distler. Er weist eindrücklich daraufhin, dass ein Zettel an der Windschutzscheibe nicht ausreiche. Der könne von Wind und Wetter zerstört werden: „Es besteht die gesetzliche Pflicht, auf den anderen Fahrzeughalter zu warten.“

Beim Blick auf die jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren stellt Hartmann einen positiven Effekt des begleiteten Fahrens fest: „Das erste Jahr beim Fahren prägt einen.“ Die jungen Leute waren daher nur 32 Mal schuld an Kollisionen (2018: 38) und bestätigten den Abwärtstrend.

Mehr Unfälle durch Senioren

In die andere Richtung gehe es dagegen bei den Personen ab 65 Jahren. „Das zeigt die Veralterung unserer Gesellschaft“, analysiert Distler. Seit 2010 steigt die Kurve stetig an, auch wenn sie im Vergleich zu 2018 diesmal leicht abfällt (von 64 auf 55). Als Gründe nennt Bald enge Parkplätze und dass immer mehr Senioren aufs E-Bike steigen und damit – vor allem alleinbeteiligte – Unfälle verursachen würden.

Radexperte Hartmann spricht von 44 Zwischenfällen mit dem Drahtesel, wobei 36 Menschen verletzt wurden. Mit Pedelecs habe es sechs Kollisionen gegeben – mit zwei Schwerverletzten. „Ein paar Sachen wären mit einem normalen Rad nicht passiert“, denkt Hartmann. Denn ein E-Bike fährt auch erstmal ohne Treten weiter. Bergab bekomme es aufgrund seines Gewichts noch mehr Tempo und viele Ältere würden sich schlicht überschätzen. „Das hat einfach eine andere Energie“, so Hartmann, der dazu aufrief, unbedingt einen Helm zu tragen. Bald relativiert die Statistik etwas: „Im Vergleich zur Stadt sind das keine gravierenden Zahlen.“

Runter vom Gehweg

Ein Problem, das man aber wieder hier noch dort in den Griff kriegen werde, mutmaßt Hartmann, seien erwachsene Radler am Gehweg – „oft auch noch in verkehrter Richtung unterwegs“. Das sei für Fußgänger und bei Ausfahrten gefährlich. Dabei könnten die Pedaleure locker auf der Straße fahren: „Zusammenstöße mit Autos haben wir nur an Knotenpunkten und nicht im Längsverkehr“, erklärt Hartmann.

Sehr sicher sei übrigens auch der Schulweg. „Aber die Anlieferung der Kinder birgt Gefahren“, erläutert Hartmann: 2019 sei ein Elternauto am Lehrerparkplatz in der Happurger Straße einem Kind über den Fuß gefahren; ein anderes Mal rauschte ein Radler in die achtlos geöffnete Beifahrertür. „Nur am Schulweg kann man etwas über den Verkehr und soziales Verhalten lernen“, appelliert Hartmann.

Positivbeispiel Motorrad

Deutlich gesunken seien die Motorradunfälle – „vielleicht auch wegen der neuen Motorradeinsatzgruppe“, überlegt Distler. Diese werde auch 2020 wieder zum Einsatz kommen. Ein Vorteil für den Dienstbezirk sei, fügt Bald hinzu, dass es hier keine Rennstrecken gebe. Überhaupt mussten die Beamten bei 365 Geschwindigkeitsmessungen „nur“ 1655 Verwarnungen, 272 Anzeigen und zehn Fahrverbote aussprechen. Daher resümiert Bald: „Gerast wird bei uns also nicht.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch