Corona-Krise

Einnahme-Verluste in Millionenhöhe für Hersbruck

Der Schein trügt: Trotz der Corona-Krise kreist der Pleitegeier noch nicht um das Hersbrucker Rathaus (das Bild stammt von einem Faschingszug). | Foto: J. Ruppert2020/06/redwebIMG-8165.jpg

HERSBRUCK – „Ohne zu dramatisieren“ haben Bürgermeister Robert Ilg und Kämmerer Hubert Seidler dem Stadtrat den Stand der Dinge bei den Finanzen genannt. Insgesamt belaufen sich Hersbrucks Einnahmelücken wegen Corona auf geschätzte 3,7 Millionen Euro. Vor allem dank des in Berlin beschlossenen Konjunkturpaketes wird es gelingen, das Jahr 2020 „mit einem blauen Auge“ zu überstehen, ist sich der Rathauschef sicher.

Schon ohne die Pandemie hat das Landratsamt Hersbrucks Verschuldung als kritisch gesehen und bei der Genehmigung des Etats im Falle eines Nachtragshaushalts Auflagen angekündigt. Eine Prognose geht nun aber von deutlich geringeren Steuereinnahmen aus. Hubert Seidler legte den Stadträten eine „Momentaufnahme“ vor. Zu viele Entwicklungen sind noch nicht abgeschlossen. Exaktere Zahlen gibt es bei einer Zwischenschätzung im September.

Mit dem größten Einbruch rechnet der Kämmerer bei der Gewerbesteuer: minus 2,3 Millionen unter dem Ansatz auf der Habenseite. Auch die Zuflüsse aus der Einkommensteuer und dem Einkommensteuerersatz werden geringer sein als angenommen – nach derzeitigem Stand rund 800 000 Euro. Weitere Minderungen erwartet Hubert Seidler bei Umsatzsteuer und Grunderwerbsteuer. Insgesamt summieren sich die Ausfälle auf 3,3 Millionen Euro mit einer Tendenz zu einer weiteren Erhöhung.

Doch auch die Einnahmenseite bereitet Kopfzerbrechen. Eintrittsgebühren im Hirtenmuseum, Ausleihe in der Stadtbücherei, Parkgebühren, Pacht für die Michelsberggaststätte, Pachten für die Festplätze, Gewinnausschüttung der Sparkasse und anderes spülen voraussichtlich 350 000 Euro weniger als sonst in den Stadtsäckel, berichtete Hubert Seidler den Mandatsträgern.

Weniger Personalkosten

Mehr als nur ein Silberstreif am Horizont ist die Zusage des Bundes, dass die krisenbedingten Gewerbesteuerausfälle weitgehend ersetzt werden sollen. Die Gebühren für die Kindertagesstätten von April bis Juni deckt komplett der Freistaat ab. Außerdem hat der Kämmerer Einsparungen beim Unterhalt von geschlossenen Einrichtungen und Erstattung von Personalkosten aufgrund von Kurzarbeit in seinem Bericht zur Lage berücksichtigt.

Trotz der Entwicklung möchte der Kämmerer derzeit auf einen Nachtragshaushalt oder eine Haushaltssperre verzichten. Alle Fachbereiche prüfen die Verschiebung von Maßnahmen.

Dazu kommen Mehreinnahmen bei der Städtebauförderung, die Rückzahlung eines Darlehens durch die Stadtbau Hersbruck, Zurückstellung einer geplanten Sondertilgung und ein Angreifen der Rücklage. Im Mai hat Hersbruck erneut eine Stabilisierungshilfe beim Freistaat beantragt.

Hubert Seidler sieht die finanziellen Spielräume Hersbrucks „erheblich eingeengt“ und ist sich sicher, dass die Verschuldung der Stadt zum Jahresende nicht wie erhofft auf 15,7 Millionen Euro sinkt. Den Stadträten schrieb er ins Stammbuch, erst das Notwendige zu erfüllen, wobei die Pflichtaufgaben absoluten Vorrang haben. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die städtischen Finanzen werden auch in den Folgejahren noch spürbar sein, blickte der „Herr der Zahlen“ in die Zukunft.

Eine „Kraftaufgabe“

Ebenso wie Robert Ilg zeigte sich Götz Reichel beeindruckt von der Unterstützung in Form des Konjunkturprogramms seitens des Staates. Es stehe eine Kraftaufgabe bevor, sagte der CSU-Sprecher. Seine Fraktion werde aber den Weg, der nötig sei, mitgehen. Auf Vorschlag von Martin Schaffer erhalten alle Stadträte alle neuen Erkenntnisse zum Haushalt.

Wie berichtet, ist Armin Steinbauer von den Aktiven zum neuen Kommandanten der Hersbrucker Feuerwehr gewählt worden. Seinen bisherigen Posten als Stellvertreter hat Maximilian Fabinger übernommen. Der Stadtrat bestätigte das Votum. „Viel Kraft, Zuversicht und Freude bei der Ausübung des Ehrenamtes“, wünschte Robert Ilg unter dem Applaus des Gremiums und dankte auch dem bisherigen Kommandanten Uwe Holzinger für dessen „fantastische Arbeit“.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren