Landkreis stellt Antrag

Kreisräte wollen FOS für das Nürnberger Land

Zurzeit laufen noch die Arbeiten am ersten Bauabschnitt der neuen Montessori-FOS am Haberloh in Lauf. Bereits im Herbst sollen die Schüler dort einziehen. Währenddessen hat der Landkreis ganz eigene Pläne für eine staatliche Fachoberschule im Landkreis. Foto: Chemnitz2012/07/47182_montefoslaufbauarbeiten_New_1342539064.jpg

NÜRNBERGER LAND — Gibt es bald eine staatliche Fachoberschule im Nürnberger Land? Einen entsprechenden Antrag auf eine Schule mit den Fachrichtungen Technik, Wirtschaft und Soziales wird die Landkreisverwaltung in den nächsten Tagen an das bayerische Kultusministerium schicken. Doch über die Frage, wo diese Schule am Ende stehen soll – in Lauf, Hersbruck oder gar in beiden Städten – wurde lange diskutiert.

In einem Punkt waren sich Kreisräte, Landkreisverwaltung und Landrat in der jüngsten Sitzung des Kreis- und Schulausschusses einig: Eine staatliche FOS wäre eine sinnvolle und logische Ergänzung der Schullandschaft und eine Bereicherung für das Nürnberger Land. Die Hoffnung: Eine FOS könnte ein Anreiz für Unternehmen und junge Familien sein, in den Landkreis zu ziehen und gut ausgebildete Jugendliche hier halten.

Bedarf ist vorhanden. Derzeit besuchen 547 heimische Schüler Fachoberschulen außerhalb des Nürnberger Landes; die meisten in Nürnberg, Neumarkt oder Amberg. Hinzu kommen 75 Schüler der 2009 gegründeten Montessori-FOS in Lauf. In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der Fachoberschüler kontinuierlich gestiegen, von 408 im Schuljahr 2005/2006 auf aktuell rund 620. Fast die Hälfte aller Realschul-Absolventen aus dem Landkreis geht nach dem Abschluss auf eine weiterführende Schule, um das Abitur zu machen.

Und so würde sich eine eigene FOS auch finanziell lohnen. Denn für die Schüler, die zwar im Nürnberger Land wohnen, aber eine auswärtige Schule besuchen, muss der Landkreis jedes Jahr Gastschulbeiträge bezahlen. Im aktuellen Schuljahr sind dies alleine für die Fachoberschüler fast 340 000 Euro.

Doch die Entscheidung über eine neue FOS trifft nicht der Landkreis, sondern das bayerische Kultusministerium. Dabei steht das Nürnberger Land im Wettbewerb mit zahlreichen weiteren Antragstellern – die womöglich bessere Karten haben. Das befürchten zumindest Landkreisverwaltung und Landrat. Kroder glaubt, dass es schwer werden könnte, eine Genehmigung für eine FOS mit zwei Standorten zu bekommen. Diese Variante wird aber von der Mehrheit der Kreisräte favorisiert.

Daran änderten auch die Einlassungen des stellvertretenden Schulleiters der Berufsschule Nürnberger Land, Sandro Brütting, nichts, der dem Gremium seine fachliche Meinung vortrug und sich klar für einen einzigen Standort aussprach. Lehrer müssten ansonsten pendeln, Klassen könnten in allgemeinbildenden Fächern, wie Deutsch, nicht gekoppelt werden und ein richtiges Schulleben käme so auch nicht zustande. Lauf sei zudem geeigneter als Hersbruck, weil es an der Berufsfachschule bereits hervorragende Vorraussetzungen für einen technischen FOS-Zweig und einige Klassenräume gebe.

Strukturpolitisches Denken

Diese Einwände seien vielleicht berechtigt, doch der Kreistag müsse auch strukturpolitisch denken, wandten mehrere Kreisräte ein. Hans-Joachim Dobbert (Grüne) formulierte es leicht überspitzt: „Wir müssen auch die Landkreisteile, die wirtschaftlich etwas abgehängt sind, wie den Osten, mitnehmen.“

Auch SPD-Fraktionssprecher Thomas Beyer präferiert Hersbruck. Zwar habe Lauf im Bereich Technik viele Vorzüge, doch diese Fachrichtung hätten im aktuellen Schuljahr nur 111 Schüler gewählt. Die meisten (200) entschieden sich für den Wirtschafts-, 162 für den sozialen Zweig. Diese Fachrichtungen könne man genauso gut in Hersbruck ansiedeln.

Das hörte Kreisrat und Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg gern. Er hatte zu Beginn der Debatte Werbung für seine Stadt gemacht. „Lauf ist bereits gesegnet mit Monte, Wirtschafts- und Berufsschule. Der Süden ist mit der Fachakademie für Soziales in Altdorf bedacht. Der östliche Landkreis mit Hersbruck und 13 weiteren Kommunen kann sich hier durchaus vorne anstellen, auch wenn es vielleicht einiger Anstrengung bedarf.“

Klaus Hähnlein (FWG) und Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping schlossen sich Ilg an. Man wolle mit Hersbruck „solidarisch“ sein, meinte Bisping und plädierte für die Schulachse Lauf-Hersbruck. Eine möglichen Lösung für die Raumfrage in Hersbruck brachte Beyer ins Gespräch: Die oberen beiden Stockwerke im alten Finanzamt an der Amberger Straße seien noch frei.

Die Vorschläge von Bernd Eckstein, die Standortfrage im Antrag noch offen zu lassen, oder diese gar dem Kultusministerium zu überlassen (Konrad Rupprecht), fand keine Mehrheit. „Das Ministerium wird uns die Standortfrage nicht abnehmen“, so Kroder.

Auch den Einwand Brüttings, durch die Einführung eines sozialen Zweigs könne eine zu große Konkurrenz mit der privaten Montessori-FOS entstehen, wiesen die meisten Kreisräte zurück. Die Monte-FOS bietet neben der Fachrichtung Wirtschaft auch die Bereiche Soziales und ab dem kommenden Schuljahr Gestaltung an. Es seien genug Schüler für beide Einrichtungen vorhanden, hieß es im Gremium.

Sollte der Antrag genehmigt werden, könnten die ersten Fachoberschüler schon im Schuljahr 2013/2014 in vorhandenen Räumen in Lauf und Hersbruck unterrichtet werden. Wird ein Neubau nötig, könnte der Schulbetrieb frühestens im Schuljahr 2016/2017 anlaufen. Die Kosten würden – vergleichbar mit der Fachakademie in Altdorf – wohl bei sechs bis sieben Millionen Euro liegen.

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