Feier zur Stabübergabe am Finanzamt

Ehrung der Amtsleiter

Von wegen, Frauen reden immer viel: Die ehemalige Amtsleiterin Brigitte Kasch fasste sich von allen - ansonsten männlichen - Rednern am kürzesten. Auf dem Bild freut sie sich über Blumen von Dr. Roland Jüptner, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Steuern. Foto: Stefanie Camin2015/10/Unbenannt.jpg

HERSBRUCK – Die kurzfristige Absage von Finanzminister Söder für den Festakt zur Verabschiedung von Brigitte Kasch als Amtsvorsteherin des Finanzamtes Hersbruck und der Einführung ihres Nachfolgers Wolfgang Löwe hat eingeschlagen wie eine Bombe. Die Anwesenden hat das jedoch nicht abgehalten, gemeinsam – minus eins – einen schönen Nachmittag zu verbringen. Die Redner überschütteten sowohl Kasch als auch Löwe mit Lob.

Nur wenige Stunden vor der Feierstunde kam die Meldung, dass Söder es nicht schaffe – ein organisatorisches Desaster für die Verantwortlichen. Kurzfristig sprang Dr. Roland Jüptner, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Steuern, stattdessen ein. Die Begrüßung übernahm Regierungsdirektor Bernd Lindner, der das Finanzamt kommissarisch für ein Jahr geleitet hatte.

Auf die ausgeschriebene Stelle für die Amtsleitung hatten sich neben Löwe andere Kandidaten beworben. Löwe setzte sich gegen die Mitbewerber durch, doch einer der Konkurrenten fand, dass er selber für diese Position geeigneter sei. Er klagte gegen die Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht und ging über mehrere Instanzen. Das dauerte. So kam es, dass Kasch im Juli 2014 in Ruhestand ging und kein Nachfolger das Amt übernehmen durfte. „Laut dem Bayerischen Beamtengesetz darf die Position nicht besetzt werden, solange eine Klage anhängig ist“, erklärt Lindner. Nachdem die Klage des anderen Bewerbers abgewiesen worden war, konnte Löwe schließlich im Juni 2015 als Leiter des Finanzamtes Hersbruck anfangen.

Jüptner verglich das Zahlen der Steuern mit der Straßenverkehrsordnung: Der ehrliche Steuerzahler erhalte den Service und sehe so keine Veranlassung, noch schnell bei Gelb über die Ampel zu fahren. Den unehrlichen Steuerzahler, der bei Dunkelgelb oder Rot über die Ampel fährt, erwarte das Fahrverbot beziehungsweise die Strenge des Gesetzes.

Für Jüptner ist es keine Frage, dass die elektronische Steuererklärung Elster die Abgabe der Einkommensteuererklärung vereinfache, indem sie Daten aus dem Vorjahr übernimmt. Auch die Zusammenarbeit mit Steuerberatern solle unbürokratischer und besser aufeinander abgestimmt werden. Moderner und kundenfreundlicher wolle die Steuerverwaltung werden, erklärte Jüptner: „Nicht alles, was wir technisch schon könnten, können wir auch dürfen. Weil viele gesetzliche Regelungen noch aus dem ‚Papier-Steinzeitalter‘ stammen.“

Bürgermeister Robert Ilg teilte dem Publikum seine These mit: „Ich glaube, es gibt einige Menschen, die gerne ihre Steuern zahlen, weil sie erkennen, was damit passiert.“ Gerührt zeigte sich die Leitende Regierungsdirektorin im Ruhestand, Brigitte Kasch, über die Feierlichkeiten zu ihren Ehren: „Ich bin aufgeregter als zu meiner ganzen Dienstzeit.“ Sie verglich die Amtsleitertätigkeit mit Hochleistungssport: „Es ist ein breiter und recht langer Spagat zwischen den Anforderungen der Politik respektive den Weisungen der Dienstvorgesetzten und den Wünschen der Bürger, die möglichst schnell ihren Steuerbescheid wollen, um so bald wie möglich ihr Geld zu erhalten.“ Ihrem Nachfolger wünschte sie mit diesen Geschenken alles Gute: eine Tüte Licht („die Tüte ‚Gute Laune‘ ist ausgegangen“) und die kleine Figur eines Laternenmanns, der die anderen mit seinem Licht anführt.

Leitender Regierungsdirektor Wolfgang Löwe zog nach 100 Tagen Amtszeit ein erstes Resümee und freute sich über seine „engagierte und tüchtige Mannschaft“. Er versprach, sich den Herausforderungen zu stellen, die beispielsweise aufgrund der angespannten Personalsituation auf ihn und seine 136 Mitarbeiter warten. Nach den Vorgaben der Bayerischen Verwaltungsreform waren die Strukturen verschlankt und vakante Stellen nicht neu besetzt worden. Dank diverser Altersabgänge fehlen nun Mitarbeiter – wobei sich für Hersbruck 29 Anwärter in der Ausbildung zum Steuersekretär beziehungsweise Steuerinspektor befinden

Mit „Money, Money, Money“ von ABBA hatte sich der PPG-Kammerchor unter Leitung von Birgit Rösch das richtige Lied für den Einstieg ausgesucht. Den Song „The Lion sleeps tonight“ – ergänzt um „in the City, the Slow City“ von The Tokens beendete einer der Sänger mit einem Löwengebrüll. Größten Respekt erhielt Paul Wilfahrt für seine Interpretation von „Aber bitte mit Sahne”, der Bürgermeister Ilg kurzerhand das Mikro zum Mitsingen vor die Nase hielt. Den Abschluss machte das Streichquartett mit einem Ragtime.

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