Hersbrucker beim Stadtradeln

Drahteseldompteure auf der Spur der Schnecke

Die „Schneggerla" vor den Citta Slow-Schnecken: Bürgermeister Anselstetter, Dr. Heinz Eyrich, Dr. Ulrike Eyrich, Fritz Pflaum, Dr. Heirich Lauterbach, Helga Lauterbach, Helmut Geyer, Claudia Geyer und Angelika Pflaum (v. links). Foto: privat2012/08/5_2_1_2_20120813_RADLER.jpg

HERSBRUCK / WIRSBERG – „Drahtesel trifft Schnecke oder wie man den CO 2 Ausstoß entschleunigt“: Unter diesem Motto machten sich vier Hersbrucker Ehepaare auf, um per Rad und Bahn die nächstgelegene Citta Slow Wirsberg zu besuchen – ein Erfahrungsbericht:

Um sieben Uhr am rechten Hersbrucker Bahnhof ging s los, und zwar mit dem Pendolino bis zur Festspielstadt Bayreuth. Hier wurde gleich das Bergfahren geübt, denn erstes Ziel war der „Grüne Hügel“. Bei einem kurzen Kreisen war auch ein Blick hinter die Kulissen möglich.

Dann ging s auf große Fahrt nach Wirsberg! Dort wurde das Stadtradel-Team „Die Schneggerla“ von Bürgermeister Anselstetter herzlichst begrüßt. Die Citta Slow Wirsberg besteht aus mehreren kleinen Ortsteilen und ist eigentlich eine „Villagio Slow“, denn Wirsberg mit seinen etwa 2000 Einwohnern ist ein idyllisch gelegenes Dörfchen mit einer wunderschönen, denkmalgeschützten Steinbogenbrücke, einem schön bepflanzten Dorfplatz mit Dorfbrunnen und schönen alten Häusern und dem aus Rundfunk und Fernsehen bekannten Sternekoch, Alexander Herrmann, unter dessen Federführung Wirsberg auch 2007 zur Citta Slow gekürt wurde. Wie unsere Heimatstadt hat Wirsberg eine hügelige Landschaft mit herrlichen Wanderzielen.

Neben „slow food“ basiert der Citta Slow-Gedanke in Wirsberg auf drei weiteren Themenfeldern. Erstens kurze Wege: In allen Ortsteilen gibt es Dorfläden mit heimischen Produkten und die Wirsberger haben für ihre Gemeindeverwaltung im Ort gekämpft. Zweitens saubere Luft durch erneuerbare Energien: Dazu werden nach dem zehn Jahre alten ersten Bürger-Windrad gerade zwei weitere Gemeinschafts-Windanlagen gebaut.

Als drittes Thema haben sie noch die Seniorenfreundlichkeit: So hat sich der Gemeinderat einen „seniorenfreundlichen“ Fahrplan überlegt, auf dem die Daten übersichtlicher und größer geschrieben sind. Und im Rahmen der Nachbarschaftshilfe und eines senioren-politischen Gesamtkonzepts werden Ältere unterstützt, damit sie länger in der gewohnten Umgebung leben können.

Demografische Entwicklungen, wie eine anteilsmäßige Erhöhung der Senioren, betrifft Wirsberg wesentlich stärker als die Citta Slow Hersbruck. Die Anbindung der öffentlichen Verkehrmittel ist zwar ähnlich gut, eine Fahrt in die nächstgelegene größere Stadt Bayreuth ist stündlich möglich, doch ist hier die Landflucht stärker spürbar.

Citta Slow ist in Wirsberg unübersehbar durch das Kinder-Kunstwerk aus Schnecken auf dem Kirchplatz, das in einer Ferienprogramm-Aktion entstand. Schon seit 1983 ist Wirsberg Hochzeitsdorf. Hier kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit, auch an Sonn-und Feiertagen, getraut werden. Bürgermeister Anselstetter, der die Trauungen hält, möchte nun auch gerne das „Deutsche Hochzeitmuseum“ in einem alten Bürgerhaus am Dorfplatz verwirklichen.

Nach einer interessanten Führung durch die Stadt- und Politikgeschichte Wirsbergs und gestärkt durch ein zweites Frühstück mit dem Bürgermeister machten sich die „Schneggerla“ auf, um nun Fahrradkilometer fürs Stadtradeln zu sammeln.

Zurück in Bayreuth wurden zuerst die Festspielgäste in ihren prächtigen Garderoben bestaunt, Prominente konnten aber leider nicht entdeckt werden! Weiter ging s Richtung Altstadt. Unter der fachkundigen Führung des gebürtigen Bayreuthers Dr. Heiner Lauterbach bewunderten wir die Blütenpracht im Bayreuther Schlossgarten vorbei am Opernhaus, dem Regierungsitz von Oberfranken, dem alten Gymnasium und der neuen Wasserrinne in der Fußgängerzone. Da trennte das Radelteam vom ersten Etappenziel Waischenfeld noch rund 40 Kilometer, das glücklich und erschöpft um 19 Uhr erreicht wurde.

Über Behringersmühle an der Wisent entlang, begleitet von Kanufahrern und der Museumsdampflok, traten die Drahteseldompteure in ihre Pedale. Sie fuhren über Ebermannsstadt, über Berg und Tal durch die Fränkische Schweiz durchs Schnaittachtal zurück in die wunderschöne Hersbrucker Schweiz und dessen Herzstück.

Am Ende standen Zahlen: 180 Kilometer mal acht bedeutet 207,36 Kilogramm gesparten CO2-Ausstoß. Ein sportliches Radler-Wochenende mit netten Gesprächen, neuen Eindrücken und Ideen, viel frischer Luft und herrlichen Landschaften ruft nach einer Wiederholung!

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