Kontrolle der Hersbrucker Polizei

Drahtesel unter die Lupe genommen

Linas Fahrrad war okay, wie Stephanie Erbrich von der Hersbrucker Polizei bestätigte (beide Mitte). Mit von der Partie waren die 5 c der Johannes-Scharrer-Realschule mit Lehrerin Jennifer Steger, Wolfgang Kneißl, Frank Kirschner und Sybille Seiffert. | Foto: J. Ruppert2016/10/7498920.jpeg

HERSBRUCK – „Ein echt cooles Teil, aber da können wir gleich alles auf der Mängelliste ankreuzen“, sagte Polizeibeamter Frank Kirschner bei einem Blick auf Daniels Stunt-Fahrrad. Es bestand aus einem tarnfarbenen Rahmen, Reifen, Pedalen, Kette mit Tretlager, Lenker und einer Bremse. Mit diesem Drahtesel war der Fünftklässler in die Hersbrucker Realschule gekommen.

Der Check von Daniels Gefährt war Teil einer Aktion zur Verkehrssicherheit der heimischen Ordnungshüter. „Mit der dunklen Jahreszeit steigen die Gefahren für Radfahrer“, sagte Hersbrucks Polizeichef Wolfgang Kneißl. So bildete die Erkennbarkeit einen Schwerpunkt bei der Überprüfung. Die Zahl der Zusammenstöße mit Rädern bezeichnete Wolfgang Kneißl als „unauffällig“. Dabei soll es aber auch bleiben.

„Zielgruppe“ waren die Kinder der fünften und sechsten Jahrgangsstufe. Rektor Herbert Hieke von der Johannes-Scharrer-Realschule (JSR) zeigte sich sofort aufgeschlossen. Schließlich ging es nicht darum, Verwarnungsgelder zu erheben. Vielmehr sollten die Mädchen und Jungen freundschaftlich, aber auch eben mit dem berühmten erhobenen Zeigefinger auf Probleme bei ihren Tretrössern hingewiesen werden.

Die erste Gruppe von „Fünfties“ brachte Herbert Hieke selbst zum Fahrradkeller der JSR. Wer mit dem Drahtesel gekommen war, durfte das nun vorstellen. Beim ersten Rad stellte Polizistin Stephanie Erbrich gleich das fehlende Licht fest.

„Es passiert nichts, du bekommst bloß einen Prüfzettel“, beruhigte sie. Bis dahin wirkten die Kleinen eher schüchtern, doch das brach das Eis. Als es dann am Ende der Kontrolle hieß „Zurück zu Mathe!“, ertönte ein vielstimmiges, jedoch erfolgloses „Nein!“

Statt Frontalunterricht machte Sybille Seiffert von der Polizei eine Verkehrsschule mit Fragen. Sie ließ ihre Schützlinge erklären, welche Beleuchtung ein Rad braucht, warum die Lichter verschiedene Farben haben und welche zusätzlichen Reflektoren nützlich sind. Bei der Kontrolle kam manch schnell behebbarer Schlendrian zur Sprache. So hatte Samuel seine Aufstecklampe zu Hause gelassen. Raphael hatte alles an Bord, doch seine Batterie war leer. Bei anderen funktionierte die Klingel nicht oder die Bremsen zogen spät. Entgegen der Meinung mancher Schüler sind Schutzbleche übrigens keine Pflicht. Frank Kirschner gab den Tipp, bei Dunkelheit erkennbare Kleidung und einen hellen Helm zu tragen.

Trotz der Gefahr von Diebstählen waren nicht alle Räder abgeschlossen. Auch auf diesen Punkt ging Frank Kirschner ein. Falls möglich, sollte ein Fahrrad an ein Verkehrszeichen, an Gitterstäbe oder an den Drahtesel des Kumpels gekettet werden. Am Paul-Pfinzing-Gymnasium hat die Überprüfung ebenfalls stattgefunden. Wolfgang Kneißl möchte mit seinen Beamten nun noch die Mittelschule besuchen.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert