Gerichtsverfahren gegen Einbrecher-Trio

Diebe mitten im Beutezug ertappt

NÜRNBERGER LAND – Drei Männer räumten im Oktober 2011 eine Lagerhalle eines Kfz-Händlers in Schwarzenbruck aus, als der Inhaber auf die Einbrecher aufmerksam wurde. Das Trio musste sich nun wegen schweren Diebstahls vor dem Hersbrucker Jugendschöffengericht verantworten.

Auf der Anklagebank wirken die drei Verwandten unschuldig und schüchtern. Der jüngste von ihnen, er ist 21 Jahre, macht große Augen, als er mit seinem Rechtsanwalt spricht, manchmal lächeln sie verstohlen. Der Eindruck lässt kaum vermuten, welche kriminelle Energie sie entwickelten.

Im Oktober 2011 stieg der 21-Jährige mit seinem heute 39-jährigen Onkel durch ein Fenster in die Industriehalle ein, in der Autos abgestellt waren. Räder mit Alu-Felgen und Autoscheinwerfer: Die zwei wussten genau, worauf sie es abgesehen hatten. Sie montierten die gewünschten Teile ab und ließen das Diebesgut im Wert von 2.200 Euro mitgehen – beim ersten Mal unentdeckt.

Drei Wochen später – der Hersbrucker Richter Waldemar Müller geht davon aus, dass diesmal auch der dritte Angeklagte mit dabei war – trafen sich die Männer aus Forchheim erneut mit zwei Wagen vor der Halle. Diesmal spazierte aber nachts gegen 23 Uhr der Eigentümer mit seinem Cousin am Grundstück vorbei – die Einbrecherbande, die gerade insgesamt 1500 Euro teure Navis und Scheinwerfer abtransportierte, flog auf. „Ich habe gehört, dass da jemand in meinem Gebäude ist“, sagt der Kfz-Händler im Zeugenstand. Er fasste unmittelbar am Tatort den 39-jährigen Mann, der aufgrund einer Gehbehinderung nicht schnell flüchten konnte. Den 21-Jährigen entdeckte die Polizei bei ihrem Einsatz in der Nacht nicht. Er hatte sich zu gut in der Halle versteckt. DNA-Spuren entlarvten ihn jedoch später als Täter. Seinen 34-jährigen Stiefvater nahmen die Beamten nach einem Hinweis des Cousins des Kfz-Händlers an einer Tankstelle in der Nähe der Lagerhalle fest. „Er verhielt sich auffällig und trug einen Kapuzenpulli tief ins Gesicht gezogen“, sagt der Cousin aus. Dem 34-Jährigen gehörte das zweite Auto am Tatort.

Der 21-Jährige und der 39-Jährige gestanden die Taten. Richter Müller verurteilte den Jüngsten zu 10 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung, seinen Onkel zu einem Jahr Bewährungsstrafe. Beide bestritten, dass der dritte Angeklagte bei den Einbrüchen dabei war.

Richter Müller sprach den 34-jährigen Lkw-Fahrer dennoch für schuldig. „Es gibt viele Indizien, dass er als Täter beteiligt war“, so Müller in seiner Urteilsbegründung. Drei Familienmitglieder aus Forcheim hätten sich über 50 Kilometer entfernt am selben Ort getroffen. „Das spricht für einen gemeinsamen Tatplan.“ Er verurteilte ihn zu einem Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Denn: Der 34-Jährige war bis vor kurzem wegen einer Messerstecherei in Haft und derzeit nur auf Bewährung auf freiem Fuß. „Von ihm ist offensichtlich keine Besserung zu erwarten“, so Richter Müller. Der Rechtsanwalt des 34-Jährigen legte Berufung gegen das Urteil ein. Das Landgericht Nürnberg-Fürth wird über den Fall neu verhandeln.

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