Historisches

Das ist die Geschichte des Geburtshauses von Johannes Scharrer

So sieht das Geburtshaus von Johannes Scharrer am Unteren Markt 18 heute aus. | Foto: A. Geng2021/11/P1030511.jpg

HERSBRUCK – Es ist ein Schmuckstück geworden, das geschichtsträchtige neu renovierte Haus in Hersbruck am Unteren Markt 18, in dem auch Johannes Scharrer, der wohl bedeutendste und berühmteste Sohn Hersbrucks, geboren ist.

Die Gedenktafel sagt aus, dass er hier am 30. Mai 1785 als Sohn eines Metzgers das Licht der Welt erblickte. Nach dem Besuch der hiesigen Lateinschule ging er bei einem Nürnberger Kaufmann in die Lehre und wurde schon als 33-Jähriger in den Nürnberger Stadtrat berufen. Dort konnte er mit seiner Tatkraft vieles durchsetzen. Als Leiter des Schulwesens schuf er ab 1820 auch neue Schulhäuser, brachte das Nürnberger Bildungswesen auf die erste Stufe und galt als Reformer der Nürnberger Schulverhältnisse.

Nachdem er 1822 für sechs Jahre zum zweiten Bürgermeister von Nürnberg gewählt worden war, sorgte er für die Errichtung einer Technischen Lehranstalt, dem späteren „Ohm-Polytechnikum“. Dort war er von 1830 bis 1839 Direktor. Er gründete eine Schule für die Töchter höherer Stände, verbesserte die Trinkwasserversorgung, war Gründer der städtischen Sparkasse in Nürnberg und arbeitete an den Plänen für ein Krankenhaus und ein Theater.

Initiator des Adlers

Auch das Albrecht-Dürer-Denkmal und der Kauf des Dürer-Hauses zählen zu seinen Verdiensten. Das Wichtigste aber: Er war der Initiator und ab 1836 auch der Direktor der Ludwigseisenbahn A.G., die als erste deutsche Eisenbahn mit dem „Adler“, der Lokomotive aus England, ab 1835 zwischen Nürnberg und Fürth verkehrte.

An der Hauswand zur Stadt-Apotheke hin erinnert eine kleine Steintafel mit gekreuzten Schlachterbeilen und der Jahreszahl 1683 an Michael Neidhardt. Er und auch sein Sohn Caspar waren Metzger. Caspar Neidhard war der berühmt-berüchtigte Scharfrichter von Passau, der als Erfinder der „Passauer Kunst“ galt.

Er war zweifellos ein heller Kopf, der sich den Aberglauben der damaligen Zeit zunutze machte und kleine Zettel verkaufte, die angeblich nach ihrem Verzehr hieb- und stichfest machten.

Der Mann des Todes

Im Passauer Stadtarchiv und im „Scharfrichterhaus“, einem Kabarett-Theater, in dem Hape Kerkelings Karriere begann, wird Caspar Neidhard als gebürtiger Hersbrucker erwähnt. Im Wanderführer von Theodor Elbinger steht: „Es ist ungewiss ob er (1595 oder 1596) dahier oder zu Reichenschwand geboren ist.“ Die Neidhards waren aus Reichenschwand gekommen.

Der Scharfrichter war der Henker, der in Nürnberg auch Nachrichter genannt wurde, weil er nach der Urteilsverkündung die sogenannten Leibstrafen bis zur Todesstrafe vollzog. Die letzte Hinrichtung in Hersbruck war am 9. Mai 1741, aber noch im Jahre 1806 musste eine Alfelderin in der Freien Reichsstadt Nürnberg bei der letzten Nürnberger Hinrichtung zusehen.

Der Henker wohnte, solange er in Hersbruck gebraucht wurde, um der Urteilsverkündung beizuwohnen und bis zu dessen Vollstreckung im obersten Stock des Fraisturms (Mauerweg 7). Darunter wohnte der Amtsknecht, der die Gefangenen in den Zellen im Erdgeschoss und Verlies zu bewachen hatte. Westlich vom rechten Bahnhof, wo heute noch die Güterhalle steht, fanden die Hinrichtungen statt; in etwa dort standen der Galgen und der Rabenstein. Deshalb heißt die Anhöhe dort nördlich der Bahnlinie heute noch Galling.

Aller guten Dinge

Das Haus Unterer Markt 18 gilt aber auch als Geburtsort der „Hersbrucker Bürgerbräu“, denn hier hatte die Familie Deinlein ihre Brauerei. Sie verlegte sie aber dahin, wo sich später das Städtische Wannenbad, die Berufsschule, das Verkehrsbüro und das Arbeitsamt befanden. Deinlein schloss sich um 1920 mit den letzten Hersbrucker Kommunbrauern zur Bürgerbräu Hersbruck-Deinlein und Co.eGmbH zusammen, und die hatte dann ihr Brauhaus am Lohweg.

Albert Geng

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