Initiative von Kiss

Bunt und barrierefrei: Erste Legorampe in Hersbruck

Bei der Premiere auf der Legorampe gab Doris Wetzel Jana Hürland etwas Hilfestellung. Brigitte Bakalov (Zweite v. links) und Ursula Pfeiffer beobachten das Geschehen gespannt. | Foto: A. Pitsch2021/10/IMG-9056.jpg

HERSBRUCK – Kaum lagen die beiden bunten Klötze vor der Stufe zum Eingang der Hersbrucker Zeitung, ernteten sie neugierige Blicke: Die beiden Teile bilden eine mobile Legorampe, die unter anderem Rollstuhlfahrern den Weg ins Geschäft öffnet.

Die Idee dazu hatte Brigitte Bakalov von Kiss, der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, schon 2019: „Wir wollten für den Tag der Barrierefreiheit im Mai 2020 eine große Aktion veranstalten und mit vielen Menschen viele solcher Rampen bauen.“ Corona machte den Plan zunichte. Aber wenigstens eine Rampe sollte es werden – „als Hinweis, wie viele Barrieren es noch gibt und was mit wenig schon erreicht werden kann“.

Im Arbeitskreis „Hersbruck inklusiv“ fand Bakalov mit Georg Götz, Jana Hürland und Doris Wetzel fleißige Mitbauer. „Wir kannten das Konzept schon, aber wir konnten uns nicht vorstellen, dass das wirklich hält“, sagten sie. In sechs bis acht Stunden bastelten sie pro Rampe etwa 1000 Lego-Bausteine zusammen. „Das war eine Fummelarbeit“, erzählte Hürland. Denn damit die Auffahrhilfe auch stabil ist, müssen die Teile versetzt angeordnet und miteinander verklebt werden. „Da haben wir dann gemerkt, dass eine große Rampe zu schwer wird und es zwei kleine sein müssen“, ergänzte Bakalov.

Gehweg zu schmal

Nur wo sollte das Bauwerk stehen? Bei HZ-Verlegerin Ursula Pfeiffer stieß Bakalov auf offene Ohren. Pfeiffer freute sich so über die mobile Rampe, dass sie Kiss eine Spende von 300 Euro inklusive Heimatgutscheinen für die drei Erbauer zukommen ließ. „Ich hätte gerne einen barrierefreien Zugang zu unserem Servicecenter, aber der konnte auf dem schmalen Gehweg nicht genehmigt werden.“

Umso schöner findet es Pfeiffer, dass die Mitarbeiter im Servicecenter nun die Möglichkeit haben, jedem Rollstuhlfahrer oder Personen mit Rollator und Kinderwagen die Rampe hinauszulegen, wenn er oder sie hinein möchte. „Ich hoffe, das inspiriert andere Geschäfte und Dienstleister, die Stufen vor ihren Häusern haben, hier mitzumachen, damit Hersbruck rollstuhlgerechter wird.“

Kaum übers Pflaster

Denn wie Hürland schilderte, kann sie sich vor allem wegen des Kopfsteinpflasters und solcher Stufen in der Stadt kaum alleine bewegen. Auch im Bereich behindertengerechte Wohnungen sei noch viel zu verbessern, weiß Hürland: Sie und ihr Lebenspartner suchen bereits seit viereinhalb Jahren nach einer barrierefreien Wohnung. „Wer eine solche zu vermieten hat, kann sich gerne bei uns in der Hersbrucker Zeitung melden“, sagte Pfeiffer.

„Wir fühlen uns nicht behindert, wir werden behindert“, fügte Wetzel an. Die bunte Rampe, die bei Bedarf vor die Tür gestellt wird, soll für einen offenen Blick auf Barrieren werben, hofft Bakalov. Wer auch so eine Rampe bauen möchte, kann sich bei Kiss für weitere Infos melden.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren