Abend im Raum der Stille

Buddhismuslehrer Wilfried Reuter sprach über Zuversicht

Begrüßte sein Publikum mit der Geste des Grußes, des Gebets und der Verehrung: der buddhistische Lehrer Wilfried Reuter. | Foto: U. Scharrer2018/12/Wilfried.jpg

HERSBRUCK – Karl Jaspers, der heilige Paulus, Albert Camus, Seneca, Rilke, Anselm Grün, Saint-Exupéry und ausgerechnet Charlie Chaplin: Die Quellen der Weisheit , aus denen der buddhistische Lehrer Wilfried Reuter im Raum der Stille schöpfte, liegen erstaunlich weit auseinander und tragen während Reuters Vortrag doch alle zu einem Anliegen bei: mit dem „Selbst“ in Berührung zu kommen und aus dem unerschütterlichen Wesenskern Widerstandskraft zu gewinnen, um die Ängste und negativen Kräfte des Lebens überwinden zu lernen.

Wie ein vielseitig agierende Mediziner, der er ist, sieht Reuter auf den ersten Blick nicht aus: kein weißer Kittel, sondern dottergelbe und tomatenrote Kleidung, kein Stethoskop, sondern bunte Perlenarmbänder, keine weißen Turnschuhe sondern schwere Wanderstiefel.

Doch Dr. Wilfried Reuter aus Berlin hat auch schon lange eine zweite Berufung neben dem ärztlichen Wirken gefunden: Er lehrt Buddhismus und leitet buddhistische Zentren in Berlin-Mitte und anderswo. Im Raum der Stille sprach er schlicht, nahbar, sorgfältig formulierend und ohne Scheu vor nachdenklichen Pausen über Angst, Vertrauen und vor allem Zuversicht.

Für das Team des Raums der Stille ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen: Den Lehrer, den sie so oft schon in Berlin in seinem Lotos-Vihara-Meditationszentrum nahe des Alexanderplatzes besucht haben, in Hersbruck sprechen zu hören. Die ausgedehnten Vortragsreisen Wilfried Reuters und die verkehrsgünstige Lage Hersbrucks machten diesen Wunsch wahr und die Zahl der Interessierten war so groß, dass Stuhl- und Platzangebot trotz des Umzugs in die Kiss-Räume zu knapp zu werden drohten.

Ruhe kehrte ein, als der auf dem Bauernhof seiner Eltern in Nordhessen aufgewachsene Reuter seinen Platz einnahm. Auf seinem inneren Weg in die Spiritualität, ausgelöst von den brennenden Fragen, die Todesfälle in der engen Familie auslösten, bewegte er sich zum Christentum und den Sufis und fand schließlich Heimat und Ruhe in der buddhistischen Tradition und Lehre des Theravada.

Kurze Meditation
Über Wege, mit den Ängsten und Bedrohungen unseres Lebens umzugehen, referierte Reuter nicht nur, sondern führte die etwa 60 Anwesenden in eine kurze Meditation, um Körper und Atem bewusst wahrzunehmen. In größere Nähe zu dem eigenen Ich zu kommen sei Ziel der Meditation und ein erster Schritt auf dem Weg zu hoffnungsvollem Denken und einem höheren Level an Zufriedenheit.

„Wir schauen zunächst dem Guten ins Auge, bevor wir uns den Schwierigkeiten im Leben zuwenden,“ betonte Reuter und empfahl, das eigene Leben einmal wie eine Erfolgsgeschichte niederzuschreiben und sich Fragen zu stellen wie „Für wen ist es wichtig, dass ich auf der Welt bin? Was ist gut in meinem Leben? Wo erfahre ich Wertschätzung?“

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet, so lebe ich heute jeden Tag und nenne es „Bewusstheit“!“, war nur einer der vielen Sätze aus der selbst verfassten Rede zum 70. Geburtstag von Charlie Chaplin, die sich wie ein roter Faden durch Reuters Vortrag zog.

Nach seinem Vortrag antwortete er auf Fragen von Anwesenden, die sich schwer tun, sich selbst zu lieben oder mit plötzlich aufflammenden Wutausbrüchen zu kämpfen haben. Mit Empathie, unterschwelligem Witz und zunehmender Lockerheit und lebendigen Beispielen aus dem eigenen Erfahrungsschatz bot er nachvollziehbare Techniken an und zeigte großes Verständnis für die Mühen, mit dem Leben klar zu kommen.

Als letzte und authentischste Quelle der Weisheit ließ der Referent seinen Enkel zu Wort kommen: auf Wilfried Reuters Ansinnen, Geduld zu üben, weil es fürs Leben wichtig sei, antwortete der lakonisch: „Ist gut, Opa, wir fangen gleich morgen damit an!“

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer