3. Treffen von „Hersbruck inklusiv“

Auf dem Weg zum Wir

Jeder Teilnehmer vergab Punkte für die Ideen, die ihm am wichtigsten erschienen. | Foto: M. Wildner2017/04/8003587.jpeg

HERSBRUCK – „Es ist ein gutes Beispiel für mehr Miteinander und weniger Nebeneinander“, kommentierte ein Mitstreiter der Initiative „Hersbruck inklusiv“ das von der Caritas Nürnberger Land ins Leben gerufene Projekt. In einem dritten Treffen reflektierten die Teilnehmer die bereits festgelegten Ideen und sammelten neue Punkte, die mit auf die To-Do-Liste gesetzt wurden.

Michael Groß, Geschäftsführer des Caritasverbandes Nürnberger Land, bedauerte, dass von den rund 70 eingeladenen Teilnehmern nur ein kleiner Teil erscheinen konnte. Er versicherte aber, dass die Informationen weitergegeben werden, um alle auf dem Laufenden zu halten.

Die Initiative „Hersbruck inklusiv“ will behinderten und sozial schwachen Menschen vor allem Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und sie so vollständig in die Gesellschaft integrieren. Betroffene sollen in der Stadt dahin gehend gefördert werden, dass sie selbst ihre Lebenssituation verbessern können. Denn nur das schaffe Motivation und Zufriedenheit. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten alle sozialen und öffentlichen Einrichtungen Hand in Hand arbeiten. Deshalb beteiligen sich neben der Caritas unter anderem auch Vertreter des Sebastian Fackelmann Hauses, der Lebenshilfe, des Don-Bosco-Hauses, des ASB, des „Haus Weiher“, des Vereins zur Inklusion behinderter Menschen und der Stadtverwaltung an der Initiative. „Sozialraumorientierung“ heißt der Fachbegriff für eine solche Zusammenarbeit aller Institutionen in einem bestimmten Gebiet.

„Aus vielen Individualisten soll so nach und nach ein Wir entstehen“, beschreibt Brigitte Bakalov von der Kontaktstelle Kiss das gemeinsame Ziel. Für die Umsetzung sammelten die Teilnehmer bereits bei ihrem vergangenen Treffen viele unterschiedliche Ideen, die sie anschließend nach Wichtigkeit sortierten. Neben einem inklusiven Wohnprojekt und Aktionen zur Bewusstseinsschärfung war ein zentraler und kostenloser Treffpunkt für alle ebenso wichtig. „Hier bietet sich bestimmt eines der leer stehenden Gebäude auf dem Marktplatz in Hersbruck an“, so Bakalov.

Fehlende Mobilität
Auch an diesem Nachmittag hatten die Teilnehmer weitere Vorschläge mitgebracht. Vor allem Betroffene berichteten aus eigener Erfahrung, was in der Stadt noch benötigt wird oder verbesserungsfähig ist. Eine Erleichterung bei der Mobilität kam hierbei immer wieder zur Sprache.
Dabei ginge es nicht nur darum, unkompliziert von A nach B zu gelangen. Vor allem depressive oder psychisch schwache Menschen könnten sich oft nicht aus eigener Kraft aufraffen, ihre Wohnung zu verlassen, um zum Beispiel einen zentralen Treffpunkt aufzusuchen. Jemand, der sie mitnimmt und den ersten Schritt mit ihnen geht, wäre eine große Hilfe.

Ein weiterer viel diskutierter Punkt war außerdem die Kommunikation sowohl zwischen Bürgern und Betroffenen als auch unter den Behörden. „Für viele Betroffene ist das Behördensystem oft zu undurchsichtig. Es ist nicht klar, an wen man sich für welche Hilfsangebote wenden kann. Hier sollten wir ansetzen, um die strenge Zuordnung aufzulösen, damit man nicht von einer Stelle zur nächsten geschickt wird“, fasste Bakalov die Gedanken zusammen. Eine zentrale Sammelstelle für alle Informationen, zum Beispiel in Form einer Internetseite, könnte Abhilfe schaffen.

Nach dem Brainstorming und der erneuten Punktevergabe für die vorgebrachten Ideen wurde zu jedem Ziel eine Arbeitsgruppe gebildet. Vorrangig organisierten die Teilnehmer Termine für weitere Treffen. Zusätzlich soll es eine Steuerungsgruppe geben, die den Prozess voranbringt, deutschlandweite Kontakte zu ähnlichen Projekten nutzt und so Expertenwissen mit einstreut. „Auch eine Exkursion in eine sogenannte Projektkommune der Aktion Mensch, die dieselben Ziele verfolgt, könnte es geben“, erklärte Groß.

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