Kirchensittenbach gegen Projekte in Hersbruck und Reichenschwand

Angst ums Wasser: Nein zu Windrädern

Die Oberkrumbacher fürchten durch Windräder auf der Albhochfläche um ihr intaktes Landschaftsbild und um ihre Trinkwasserversorgung. Archivfoto: E. Bodendörfer2013/12/5_2_1_2_20131204_NEIN.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Heftiger Gegenwind zu den von der Gemeinde Reichenschwand und der Stadt Hersbruck geplanten Windrädern weht mittlerweile aus dem Kirchensittenbacher Rathaus. Der Gemeinderat hat in seiner Stellungnahme zur 18. Änderung des Regionalplans Industrieregion Mittelfranken den Vorhaben auf der Jurafläche bei Großviehberg und/oder oberhalb von Leuzenberg eine klare Absage erteilt.

So voll war der Sitzungssaal des Rathauses schon lange nicht mehr. Das Windkraftprojekt trifft mittlerweile auch den Puls der Bürger. Viele Oberkrumbacher wollten dabei sein und wissen, was denn nun auf den Höhen unweit des Hansgörgls Sache ist. Bürgermeister Peter Stief ließ noch einmal Revue passieren, was sich seit dem Sommer 2012 getan hat, nachdem Reichenschwand und Hersbruck Anträge auf Windkraftanlagen nahe der Gemarkungsgrenzen zu Oberkrumbach und Kleedorf beim Planungsverband eingereicht hatten. Im Dezember 2012 beschloss der Kirchensittenbacher Gemeinderat, dass solche Anlagen einen Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohnbebauung haben müssen. Problem ist: So eine Regelung gilt nur für die eigene Gemeinde.

Bürgermeister Stief suchte immer wieder die Gespräche mit der Regierung und mit anderen Bürgermeistern, um nach einer verträglicheren Lösung zu suchen. Verträglich deshalb, weil der Kirchensittenbacher Rathaus-Chef und auch die Mehrzahl der Gemeinderäte der Auffassung sind, dass durch einzelne Windräder auf der markanten Albhochfläche das Landschaftsbild stark geschädigt wird. Außerdem gibt es große Bedenken aus Naturschutzgründen. Brutgebiete für den Uhu werden dazu immer wieder genannt. Die Flächen für die Windräder befinden sich zudem inmitten des Naturparks Veldensteiner Forst.

Experte warnt

Ein weiteres Problem erläuterte der Geoökologe Reinhard Wesinger vom Planungsbüro Geoteam aus Bayreuth, das seit zwei Jahrzehnten die Trinkwasserquelle oberhalb von Oberkrumbach betreut. Wie er ausführte, lägen zwei der von der Gemeinde Reichenschwand anvisierten Standorte für Windkraftanlagen in der Schutzzone 2 des Wasserschutzgebiets für die Wasserversorgung Kersbach, Oberkrumbach und Reichenschwand. Ein dritter Standort liegt zwar außerhalb des Schutzgebietes aber unweit des Lindelberger Tiefbrunnens, aus dem die Stadt Hersbruck Wasser bezieht.

Nicht zu verantworten

Bohrungen von mehr als einem Meter seien in der Schutzzone 2 nicht zulässig. Windkraftanlagen gründeten allerdings bis zu 20 Meter tief. Dadurch könne die Deckschicht verletzt und verunreinigt werden. Im vorhandenen Karstgebiet sei das sehr problematisch zu bewerten, weil das Wasser sich in dem löchrigen Untergrund seinen Weg suche. Wesinger führte weiter an, dass das Trinkwasser durch wassergefährdende Stoffe wie Generatoröl leicht verunreinigt werden könnte. „Es kann nicht verantwortet werden, in einem Schutzgebiet so ein Großbauwerk zu planen“, sagte der Geoökologe. „Windenergie ist nichts Schlechtes, aber nicht in einem so sensiblen Bereich.“

In der anschließenden Diskussion wurden Stimmen laut, die in eine ähnliche Richtung gehen. „Wir leben in einer einzigartigen Naturlandschaft. Die Windkraftanlagen werden von überall zu sehen sein“, sagte Helmut Knodt (CSU). Lisbeth Stiegler (CSU) wunderte sich: „Wenn es sich um ein Wasserschutzgebiet handelt, dann ist doch die gesetzliche Lage klar, oder?“

Stief machte nochmal deutlich, dass wohl kaum einer gegen Windkraft sei, aber er wandte sich ausdrücklich gegen eine Verspargelung der Landschaft. Es gebe genügend Flächen, wo man Windräder konzentrieren könne und vor allem, wo auch genügend Wind bläst.

Die Messungen bei Oberkrumbach hätten ergeben, dass in einer Höhe von 140 Metern im Schnitt eine Windgeschwindigkeit von 5 Meter/Sekunde herrsche. In Norddeutschland seien es 10 Meter/Sekunde.

Der Kirchensittenbacher Gemeinderat sprach sich schließlich gegen die von Hersbruck und Reichenschwand beantragten Vorrangflächen für Windkraftanlagen aus. Bürgermeister Stief wies die anwesenden Zuhörer noch darauf hin, dass jeder Bürger bis 31. Januar 2014 seine Stellungnahme zur 18. Änderung des Regionalplans abgeben könne. Regine Hahn-Schuller (Wählergemeinschaft) forderte am Rande der Diskussion einen faireren Umgang der beteiligten Gemeinden miteinander.

N-Land Elke Bodendörfer
Elke Bodendörfer