Termin in Hersbruck

Am 14. Juni ist Weltblutspendetag

Ob Sommer oder Winter: Blutspenden werden immer benötigt. Angst davor muss niemand haben, sagt Dieter Popp, Gebietsreferent des Blutspendedienstes des BRK. | Foto: Stefan Heigl/BRK2020/06/Blutspende-Arm.jpg

HERSBRUCK – Am heutigen Sonntag ist Weltblutspendetag. Er soll Menschen weltweit zur Blutspende motivieren. Angst vor dem Pieks braucht niemand zu haben, weiß Gebietsreferent des Blutspendedienstes (BSD), Dieter Popp.

Wie hoch ist der Bedarf an Blutspenden derzeit?
Dieter Popp: Der Bedarf ist im Sommer so hoch wie im Winter – wir brauchen rund 2000 Blutkonserven pro Tag in Bayern. Das meiste Blut wird für Krebspatienten und -therapien benötigt und die gibt es leider zu jeder Jahreszeit.

Was ist die seltenste Blutgruppe?
Die seltensten sind die negativen Blutgruppen, wie AB und 0 mit dem Rhesusfaktor negativ. Letztere sind eigentlich am gefragtesten, denn das Blut mit 0 Faktor negativ ist eine Universalgruppe, die auch Empfänger mit anderen Gruppen erhalten können. Zudem haben nur rund 15 Prozent der Spender 0 negativ. Letztendlich brauchen wir aber alle Blutgruppen und -spenden.

Hat sich das Spendeverhalten durch die Corona-Krise verändert?
Ja, aber zum Positiven: Im April und Mai ist die Spendebereitschaft gestiegen. Teilweise hatten wir 20 Prozent mehr Spender, Spitzenreiter waren sogar 40 Prozent. Aber das brauchen wir auch: Wegen den Abstandsregelungen ist unser Blutmobil nicht mehr im Einsatz und wir mussten viele Termine streichen wegen mangelnder Räumlichkeiten. Dadurch fehlen uns erheblich viele Spenden. Jetzt „normalisiert“ sich die Beteiligung allmählich wieder, wobei wir trotzdem relativ viele Erstspender haben. Es hat sich gezeigt, dass die Menschen in der Krise zusammenrücken und aufeinander zugehen. Die Solidarität und Hilfsbereitschaft ist gestiegen – und darauf sind wir bei der Blutspende angewiesen.

Zurück zu den Erstspendern: Warum sind die so wichtig?
Wir haben viele Ältere, die schon über 120 Mal gespendet haben. Müssen die plötzlich bestimmte Medikamente nehmen, dürfen sie nicht mehr spenden. Blut, das zum Beispiel beeinflusst ist von Bluthochdruckmitteln, kann bei Neugeborenen Herzfehler auslösen. Deshalb achten wir genau auf die Medikation der Spender. Damit haben wir aber auch eine Ausscheidungsquote von fünf bis zehn Prozent. Deshalb brauchen wir ständig Erstspender.

Wie läuft denn so eine Spende ab?
Vor der Blutentnahme sollte sich der Spender fragen: Fühle ich mich gesund? Habe ich Grippesymptome? Wenn ja, dann wird das leider nichts mit der Spende heute… Wer sich gesund fühlt, sollte an diesem Tag viel trinken und auch etwas essen, aber nichts zu fettes. Zur Entnahme bitte unbedingt ein amtliches Dokument, also Personalausweis, Führerschein oder Reisepass mitbringen. Vor Ort registriert sich der Spender, beantwortet einen medizinischen Fragebogen, wird auf Fieber untersucht und der Eisenwert wird bestimmt. Ist der zu niedrig, darf man auch nicht spenden. Ein Arzt misst nochmals Fieber und Blutdruck, bevor es zur Spende geht. Anschließend gibt’s eine kleine Brotzeit, wobei die derzeit eher „to go“ ist. Trotzdem dürfen sich die Leute nach der Blutspende kurz hinsetzen, bevor sie gehen. Das ist auch uns lieber, so haben wir alle im Blick, nicht dass doch noch jemand recht weiß um die Nase wird. Zum Spenden muss man übrigens mindestens 18 Jahre alt sein, maximal jedoch 73.

Hat sich durch Corona eigentlich am Spendevorgang etwas geändert?
Wir haben schon seit März einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen: Abstandsmarkierungen in den Räumen, das doppelte Fiebermessen, eine Belehrung zu den neuen Schutzmaßnahmen und Desinfektionsmittel an vielen Ecken. Außerdem versuchen wir, in jedem Veranstaltungsgebäude eine Einbahnstraße einzurichten, so dass es keinen Gegenverkehr gibt. Das erhöht natürlich den Raumbedarf enorm. Hier geht ein großer Dank an die Stadt Hersbruck, die uns bei den Events immer unterstützen.

Was raten Sie allen, die Angst vor der Nadel haben?
Diese Angst verstehe ich nur zu gut, ich hatte sie selbst jahrelang . Aber Letztenendes ist es nicht mehr als ein kurzer Pieks. Der Schrecken vor der Nadel kommt oft daher, dass wir alle schon mal bei Ärzten waren, die Blutabnahme nicht so häufig durchführen. Dann wird es oft schmerzhaft und zurück bleibt ein blauer Fleck. Aber unser Personal „sticht“ viele 100 Male in der Woche – das ist routiniert. Ich habe selbst schon über 100 Mal gespendet, da gab es noch nie Komplikationen. Die können das!

Wenn die Spendebereitschaft gestiegen ist, warum brauchen Sie dann weiter Nachschub?
Weil zum einen nur ein gewisser Teil des Blutes verwendbar ist oder viele durch die Einnahme von Medikamenten gar nicht mehr spenden dürfen. Bereitschaft ist das eine, die Blutqualität das andere. Zudem ist heuer das Blutmobil weggefallen. Umfragen haben ergeben, dass 97 Prozent der Befragten Blutspenden wichtig finden, in Bayern aber nur sechs Prozent zum Spenden gehen. Dabei haben wir ständigen Bedarf an Konserven. Deshalb: Habt keine Angst vor dem Pieks und geht zur Blutspende!

Der nächste Blutspendetermin in Hersbruck ist am Freitag, 26. Juni im Kinderkompetenz-Zentrum in der Happurger Straße 9 von 16 bis 20.30 Uhr.

 

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