PPG-Hausmeister geht in Rente

Adieu, Herr Wolf

So erinnern sich die meisten an Werner Wolf: in blauer Jacke hinter dem Tresen des Pausenverkaufs. Seit einigen Jahren schon steht dort eine Verkäuferin der Bäckerei Wacker. „Es wurde zu stressig“, sagt Wolf. | Foto: M. Wildner2017/02/DSC_1117.jpg

HERSBRUCK – „Mit Herrn Wolf geht ein großes Stück PPG in den Ruhestand“, sagt Schulleiter Klaus Neunhoeffer. 18 Jahre lang war Werner Wolf Hausmeister am Paul-Pfinzing-Gymnasium in Hersbruck, 18 Jahre lang war er eine „gute Seele“ der Schule, die auch vielen ehemaligen Schülern in positiver Erinnerung bleiben wird. Grund genug, zurückzublicken.

Blaue Jacke, unauffällige Brille und Jeans: So sieht das wohlbekannte Hausmeisteroutfit von Werner Wolf aus. Das einzige, was vor allem zur jetzigen Jahreszeit aus dem Rahmen fällt, ist sein braun gebranntes Gesicht. „Wir waren den kompletten Januar auf Gran Canaria“, erklärt er stolz. Seine Frau und er hatten sich ihren Urlaub aufgehoben und das erste Mal für ein paar Wochen auf der Insel „überwintert“. „Mein Nachfolger konnte dadurch gleich mal in den Beruf reinschnuppern.“

Dass der Hausmeisterjob kein leichter ist, wird schnell klar: Wolf ist morgens als erster in der Schule und sperrt abends die Türen zu. „Jeden Tag von 6.30 bis 17.30 Uhr, auch freitags. Stunden zählen darf man dabei nicht“, sagt der gelernte Landschaftsgärtner. Sogar, wenn er am Wochenende zum Einkaufen in die Stadt fuhr, hätte er immer schnell einen Kontrollblick ins Schulhaus geworfen. Trotzdem: Sein Äußeres verrät wenig über die vielen Arbeitsjahre. Und darüber ist Wolf auch froh: „Es ist schön, einigermaßen fit in Rente zu gehen.“

So ganz glauben kann der Henfenfelder dennoch nicht, dass die Zeit am Gymnasium für ihn am kommenden Dienstag vorbei sein soll. Dann hat er seinen letzten Arbeitstag. Wie ein Urlaub komme es ihm noch vor. Denn in seinen 18 Dienstjahren hat er so einiges erlebt: Ein nächtlicher Einsatz wegen eines angeblichen Einbruchs, der sich als Kurzschluss der Brandmeldeanlage entpuppte. Und das Unwetter 2004, das unter anderem den kompletten Lehrerparkplatz überschwemmte. Wolf half dem THW bei den nächtlichen Abpumparbeiten, damit am nächsten Tag alles wieder seinen gewohnten Gang gehen konnte.

Da zu sein, wenn irgendwo etwas kaputt ging, immer einen guten Draht zu den zuständigen Handwerkern zu haben — das machte seine Arbeit aus. Auch, wenn so manche Reparatur auf die Rechnung der Schüler ging — sei es ein geworfener Schuh, der eine Lampe im Schulgang von der Decke holte, oder der regelmäßige Ersatz von Klassenzimmeruhren — Wolf erledigte alles mit einer fast beneidenswerten Gelassenheit.

„Ich habe gelernt, dass sich vieles im Sand verläuft, wenn man einfach ruhig bleibt. Über kleine Streiche habe ich gerne mal hinweggeschaut. Ich war ja auch mal jung“, gibt der 63-Jährige lächelnd zu.
Diese Wesenszüge waren es auch, die ihn bei den Schülern beliebt machten. Die zeigten ihre Wertschätzung mit einem besonderen Abschiedsgeschenk, das sie dem eingefleischten Clubfan bei einer gemeinsamen Feier in der vergangenen Woche überreichten: ein Originaltrikot des 1. FCN mit seinem Namen und der Nummer Eins auf dem Rücken.

Seine Leidenschaft für Fußball teilte Wolf auch mit Schulleiter Klaus Neunhoeffer: „Ich werde unsere wöchentlichen Fußballanalysen vermissen. Das waren nicht nur Plaudereien, das waren Fachgespräche“, erklärt Neunhoeffer eindringlich. Für den Schulleiter ist Wolf ein „Menschenkenner“ und jemand, „der sich voll auf das schulische Leben eingelassen hat“.

Passionierter Saunagänger
Als „loyal, kompetent und fair“ beschreibt er ihn. Wolf habe auf den ersten Blick gewusst, ob ein Fremder oder ein Schulangehöriger durch das Gebäude lief, und immer eine klare Linie verfolgt. „Er hatte Autorität, ohne autoritär zu sein“, so Neunhoeffer.
Eine klare Linie verfolgt der gebürtige Wallsdorfer auch privat: „Ich fahre jedes Wochenende in die Therme nach Hersbruck und gehe in die Sauna. Dass ich dazu künftig öfter Zeit habe, freut mich schon jetzt“, erzählt er.
Was er ansonsten mit der vielen freien Zeit anstellen will, weiß er noch nicht genau. Öfter etwas mit der Enkelin zu unternehmen und ein paar liegen gebliebene Sachen aufzuarbeiten, stehen auf jeden Fall auf seiner Liste.
Vielleicht ist dann ja auch öfter mal eine Reise nach Gran Canaria drin.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner