Therapeut begeistert mit Vortrag

Acht Wege raus aus der Krise

Ausdauersport hilft dabei, sein seelisches Gleichgewicht wiederzufinden. Foto: Warren Goldswain, Fotolia. com2013/05/5_2_1_2_20130528_KRISE.jpg

HERSBRUCK — Psychische Probleme haben viele, aber nicht jeder will gleich Medikamente nehmen oder eine Therapie machen. „Mir geht s gut – auch ohne Tabletten und Psychotherapie?“ hieß deshalb der Vortrag von Dr. Georg Hünig, zu dem der Raum der Stille in Hersbruck und Kiss Nürnberger Land gemeinsam eingeladen hatten.

Auf amüsante und unterhaltsame Art und Weise zeigte der Arzt und Psychotherapeut Dr. Georg Hünig seinen Zuhörern, wie sie Depressionen, Stress- und Angstzuständen ein Schnippchen schlagen können, ohne dabei gleich in die Medikamentenkiste greifen zu müssen. Doch dazu war es unumgänglich, dem Publikum erst einmal gewisse Abläufe im menschlichen Körper zu erklären und so gab Hünig im Eilverfahren einen kleinen medizinischen Grundkurs.

Jeder Mensch besitzt ein Denkhirn, das für rationale Überlegungen zuständig ist, und ein Fühlhirn, das sich den Emotionen widmet. Arbeiten beide gut zusammen, ist alles im Lot. Gewinnt aber das Denkhirn die Oberhand und unterdrückt der Mensch seine Gefühle, seien psychische Probleme vorprogrammiert. Ebenso ist es, wenn das Fühlhirn den Aufstand probt. Dann überfällt den Menschen beispielsweise eine Panik attacke oder er hat mitten in wichtigen Prüfungen einen Black-out.

Und genau diese mangelnde Kooperation zwischen Denk- und Fühlhirn mache die Menschen krank, betonte Therapeut Hünig, und nicht Gefühle wie Trauer oder dergleichen. Acht praktische Möglichkeiten, ihre Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen, gab Hünig den Anwesenden schließlich mit auf den Weg.

Mit Meditation, Yoga, Qi Gong oder anderen Entspannungstechniken lassen sich zum Beispiel Herzschlag und Atmung wieder in Balance bringen. Blutdruck und Stressbelastung sinken, die Zufriedenheit steigt. Und für alle, die im Herbst und Winter ihren Durchhänger haben und frühmorgens kaum noch aus den Federn kommen: ein gedimmter Lichtwecker kann da Wunder wirken. Das Gerät beginnt nämlich 15 bis 90 Minuten vor der Aufstehzeit langsam zu leuchten und wird dann immer heller. Der Körper schraubt durch diese Simulation eines Sonnenaufgangs die Produktion des Schlafhormons Melatonin herunter, das Aufwachen ist entspannter.

Doch Hünig empfahl noch weit mehr: Omega-3-Fettsäuren zum Beispiel. Die sind gut für die Zellen, bremsen Entzündungen, wirken herzbeschützend und erschweren das Entstehen von Krebszellen. Und Ausdauersport. Denn hat ein Mensch Angst, stellt ihm sein Körper jede Menge Energie zur Verfügung – etwa, um fliehen zu können. Mit Ausdauersport lässt sich diese überschüssige Energie wieder abbauen. „Jede Depressions-Selbsthilfegruppe sollte sich am Trimm-dich-Pfad treffen und joggen“, erklärte Hünig.

Ebenfalls erfolgsversprechend im Kampf gegen Depression und Angst seien Akupunktur und EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Letzteres ist ein Verfahren, das in der Trauma-Therapie eingesetzt wird und bei dem mittels Augenbewegungen beide Gehirnhälften stimuliert werden. Und wer hätte das gedacht: Auch der Darm spielt eine Rolle, wenn es um das seelische Gleichgewicht des Menschen geht.

Anschaulich beschrieb Hünig, welche Auswirkungen es hat, wenn Leute, die keinen Milchzucker vertragen, dennoch Milchprodukte zu sich nehmen. Sie leiden an Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Ihre Darmflora wird schlechter, Entzündungsreaktionen treten auf. Der Darm kann Vitamin B12 und Eisen nicht mehr aufnehmen. Außerdem kommt es zu einem Mangel an Serotonin, was Depressionen und Angstzustände begünstigen kann. „Wenn es dem Darm schlecht geht, geht s dem ganzen Menschen schlecht“, erklärte der Psychotherapeut, der eine eigene Praxis in Nürnberg hat. Viele seiner Patienten schicke er deshalb erst einmal zur Blutuntersuchung zum Arzt. Denn wer lediglich einen Mangel an Vitamin B12 hat und dadurch an Müdigkeit und Depressionen leidet, der brauche keine Psychotherapie, sondern einen ausgeglichenen Vitaminhaushalt.

Und noch etwas soll für das eigene seelische Gleichgewicht förderlich sein: die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg. Was sich dahinter allerdings genau verbirgt, wollte Dr. Georg Hünig noch nicht verraten. Im Juli hält er dazu nämlich einen extra Vortrag im Raum der Stille in Hersbruck.

N-Land Katja Bub
Katja Bub