Dokumentationsorte wurden vorab der Presse vorgestellt

9000 Namen sollen KZ-Geschichte vermitteln

örg Skriebeleit (rechts) beschreibt innerhalb der „Blackbox“ am Hersbrucker Finanzamt einer Fernsehreporterin, wie der Medientisch funktioniert. Es handelt sich um eine Abkehr vom klassischen Ausstellungsformat und soll auch der Jugend die geschichtlichen Inhalte vermitteln. Es beginnt „harmlos“ mit Namen und Panoramen, aus der Leere tauchen dann ein Zitat oder ein Foto auf und laden am Medientisch zum weiteren Nachforschen ein. Foto: J. Ruppert2016/01/6962241.jpg

HERSBRUCK / HAPPURG – „Die nächste Generation soll erfahren, was hier passiert ist“, sagte Karl Freller. Der CSU-Politiker und Leiter der Stiftung Bayerische Gedenkstätten hat gestern mit Experten den via Sichtachse kombinierten Dokumentationsort Hersbruck/Happurg besichtigt. Das Projekt erinnert an das KZ-Außenlager und an das Doggerwerk.

Bekanntlich existierte zwischen Juli 1944 und April 1945 eine große Außenstelle des KZ Flossenbürg in Hersbruck gleich am Strudelbad. Von dem Komplex ist nichts übrig geblieben. Solche Nebenlager wurden meist direkt neben Wohngegenden errichtet. „Es kann deshalb wohl kaum einer sagen, dass er von nichts gewusst hat“, so Freller.

Die Gedenkstätte hat nun am Rand des ehemaligen Lagergeländes neben dem Strudelbad eine „Blackbox“ errichtet – einen komplett schwarzen Bau, der bewusst wie ein Störfaktor in der Landschaft wirkt. Den Sinn erläuterte Karl Freller: Die Ära der Zeitzeugen gehe zu Ende. Über moderne Medien bringt der neue Dokuort nun der Generation Internet die schrecklichen Geschehnisse von einst nahe. „Dies ist gerade jetzt sehr wichtig, wenn rechtsextremes Denken wieder aufkeimt“, meinte der Landtagsabgeordnete.

Zitate, letzte Briefe, Fotos bilden in Hersbruck denn auch den Einstieg am Medientisch der ansonsten leeren und schmucklosen Blackbox. In Happurg, wo die KZ-Häftlinge das NS-Rüstungsprojekt Doggerwerk aus dem Berg graben mussten, wurde eine Plattform für Stelen und einen original Bohrhammer erstellt. „Der Dokumentionsort hat seine Berechtigung, auch wenn die Akzeptanz der Bürger besser wäre, wenn es bei einem Stolleneingang verwirklicht worden wäre“, sagte Bürgermeister Bernd Bogner.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert