Erlebnistag an der Harnbachmühle

Wandern mit Blinden

An der Harnbachmühle war einiges los. Foto: U. Schuster2016/06/IMG_6261.jpg

HARNBACHMÜHLE  – Einen vielfältigen Erlebnistag in der freien Natur haben am Sonntag Gäste aus nah und fern an der Harnbachmühle bei Rupprecht-stegen direkt neben dem Rad- und Wanderweg an der Pegnitz verbracht. Hier bot der Fränkische Albverein (FAV) in Zusammenarbeit mit dem Verein Mühlenkraft und dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) Informatives gemischt mit Spannung, Spaß und Sport an.

Das Gelände der „Harnbachmühle“, wo der Verein Mühlenkraft seine Außenstelle für die Arbeit mit behinderten und nicht behinderten Menschen hat, war Dreh- und Angelpunkt aller zum Mitmachen und Ausprobieren gedachten Veranstaltungen, die meist mit dem Wandern zu tun hatten.

Um sich überhaupt eine Vorstellung machen zu können, was es bedeutet, mit einer Sehbehinderung auf Tour zu gehen, stellte der BBSB Simulationsbrillen zur Verfügung. Rehatrainerin Kirstin Hüser-Nuss erklärte, welche Augenerkrankungen es überhaupt gibt und setzte einem interessierten Gast eine Brille mit zwei schwarzen Gläsern und zwei nur stecknadelkopfgroßen Öffnungen auf – um so den Tunnelblick zu simulieren.

Punktuelles Sehen
Der bereitet je nach Stärke der Erkrankungen, beim Gehen erhebliche Schwierigkeiten, punktuelles Sehen aber geht gerade noch. So erklärt sich auch der Umstand, dass ein Blinder sich beim Laufen mit dem weißen Langstock vorsichtig seine Umgebung ertastet, dann aber genüsslich sein Buch aufschlägt und es liest. Dass Naturerlebnisse trotzdem möglich sind, zeigte die Teilnahme von tatsächlich Betroffenen.

Der Fränkische Albverein bot Schnupperwanderungen an. Jürgen Langer-Tropper führte eine Gruppe mit vielen Kindern über die Andreaskirche, einer Höhle im Ankatal, in der sich die Jungen und Mädchen mit einer eigens dafür gezeichneten Karte auf Schatzsuche begaben. Eine Wanderung zur Burg Hohenstein führten Inge Bauer und Gabi Söhnlein, die Führung durch das altehrwürdige Gemäuer übernahm „Burgherr“ Georg Maul. Im Anschluss lockte die Kaffeepause in das schön renovierte und modernisierte Vereinsheim unterhalb der Burgmauern. Der Präsident des FAV, der Landtagsabgeordnete Stefan Schuster, dankte in diesem Zusammenhang auch der Familie Oehme aus Hersbruck, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz für das Wanderheim einen wertvollen Dienst für alle Mitglieder leisten.

Mit einer Schnupperrundwanderung über das malerische Lungsdorf brachte Hans Treuheit den Teilnehmern die Reize des Pegnitztals näher. Eine Exkursion mit Markus Ganserer ließ die Mitwanderer den Wald und die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen.
Für die Markierungen der Wanderwege interessierte sich am Nachmittag auch ein Ehepaar aus Uttenreuth, das auch gleich selbst Hand anlegte und die Zeichen des Paul-Pfinzing-Wegs und des Pfalzgrafen-Wegs anbrachte. Sie seien keineswegs „auf eine dauerhafte Mitarbeit“ aus, sahen dies aber als einmalige Erfahrung an, weil Andreas Schettler ausführlich über die Markierungsarbeit informierte.

Ein Kommen und Gehen
Auf dem Mühlengelände selbst wechselten ständig die Besucher. An den Infoständen (einer davon auch am Bahnhof in Rupprechtstegen) konnte man sich informieren, wo und wann welche Aktionen stattfanden. Der Verein Mühlenkraft organisierte die Verpflegung und das Kinderprogramm – wie Malen am laufenden Meter oder das Backen von Stockbroten.

Marion Engling erklärte Sinn und Zweck des Vereins Mühlenkraft, der an der Harnbachmühle einen Ort der Inklusion schaffen will. Dazu ist unter anderen geplant, das bisherige Mühlengebäude gegenüber der Scheune völlig neu zu bauen, weil die alte Mühle nicht mehr zu retten ist. Als Stammgäste bei Mühlenkraft-Veranstaltungen unterhielten „die Schmetterlinge“. In der Band der Lebenshilfe Nürnberger Land sind von jeher Menschen mit Handicap integriert. In den selbst verfassten Liedtexten geht es um die Liebe und das Leben, sie beschreiben aber auch Alltagssituationen.

Manche Besucher des Mühlengeländes nahmen an keiner Veranstaltung teil, gesellten sich aber zu den pausierenden Wanderern und führten nette Gespräche. So auch Harald und Sonja Kraus, die seit ein paar Jahren teilweise für die Wegemarkierung im Pegnitztal sowie östlich der Burg Hohenstein im Einsatz sind, oder Otto und Elfriede Stanzel aus Osternohe.

Auch eine über 20 Personen starke Wandergruppe des FAV-Ortsvereins Reichelsdorf/Mühlhof hatte sich auf den Weg gemacht und war im Treufer Tal am Wasserfall nahe der Griesmühle anzutreffen.

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