Die Laufer Bergwacht übte Rettung mit Helikopter und Seilwinde

Präzisionstraining in luftiger Höhe

Klare Kommandos sind bei der Luftrettung immens wichtig. Das rote Seil rechts verhindert die Rotation des Bergesacks. Foto: Schuster2015/03/Luftrettung_Bergwacht_bei_Enzendorf__nah_us.jpg

LAUF/ENZENDORF — Die Bergwacht Frankenjura, die in Lauf ihren Sitz hat, trainierte bei Enzendorf im Pegnitztal mit Notärzten aus der Region den Winden-Einsatz am Rettungshubschrauber Christoph 27. Erstmals wurde dabei ein neues Antirotationsruder am Bergesack verwendet, das ab 2016 in ganz Bayern eingesetzt werden soll.

Das Antirotationsruder wurde federführend vom „Zentrum für Sicherheit und Ausbildung“ der Bergwacht Bayern in Bad Tölz entwickelt. „Während des Schwebefluges kann der vom Hubschrauber selbst erzeugte Luftstrom den Bergesack an der Winde drehen lassen, was für den Patienten sehr unangenehm wäre“, erklärt Harald Strauss, Oberarzt an der Anästhesiologischen Klinik der Uni Erlangen. Dirk Gockeler, Rettungsassistent und Ausbildungsleiter für den Windenbetrieb bei der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF). „Bisher verhindern wir dies durch ein Antirotationsseil, das der Notarzt vom Boden aus festhält.“ Das neue Ruder kann direkt vom Bergesack aus gesteuert werden, damit wird der Rettungseinsatz noch sicherer, da keine Verbindung zum Boden mehr besteht. Der Retter, der den Patienten an der Winde begleitet, kann damit den Luftstrom während des Schwebeflugs so lenken, dass es zu keinen Drehungen mehr kommt.

In Nürnberg ist der einzige Rettungshubschrauber mit ständiger Winde an Bord zwischen dem Voralpenland und der Küstenregion stationiert, sagt der DRF-Stationsleiter und Pilot Tilman Blaich, der seine Erfahrungen als Bundeswehrpilot in die Rettungsfliegerei mit einbrachte. Nach seiner Schätzung erfolgt die Windenrettung in der Region nur zehn bis 20 Mal pro Jahr, jedoch in einem sehr großen Einsatzradius. Im Gebiet der Fränkischen Schweiz und der Frankenalb sind es hauptsächlich Unfälle an den Kletterfelsen, die ab und an den Windeneinsatz erforderlich machen. Allein schon deshalb müssen regelmäßige Schulungen mit der dazugehörenden praktischen Übung in der Luft stattfinden.

Man kann nur staunen, wie präzise und ruhig der Pilot seine Maschine über dem Verunglückten scheinbar in der Luft parkt. Zwei Stunden und 15 Minuten kann der Hubschrauber ohne Treibstoffnot fliegen. Dabei ist es nicht relevant, ob das Fluggerät in der Luft steht, erklärt der Pilot, da beim Schweben ab etwa zehn Metern über Grund das Luftpolster keine Kerosin­ersparnis mehr bringt. Etwa vier Liter pro Minute verbrauchen die beiden Triebwerke unter Volllast. Die maximale Einsatzgeschwindigkeit beträgt 250 km/h, die Reichweite zirka 670 Kilometer.

Gerade im Einsatz mit der Winde ist ein gutes Zusammenspiel der Besatzung unerlässlich. Mit einheitlichen und klaren Kommandos verständigt sich die Rettungscrew. Da der Pilot die eigentliche Windeneinsatzstelle nicht beobachten kann, ist ein weiterer Mann quasi sein Auge. Rettungsassistent Dominic Fischer, der lange Jahre Einsatzerfahrung im bodengebundenen Rettungsdienst hat, übernimmt diese Rolle als Windenoperator.

Jeder Handgriff muss sitzen

Er muss dem Piloten klare Anweisungen geben. Schon beim Training muss jeder Handgriff sitzen, wenn an einem 4,75-Millimeter-Stahlseil Personen aus einer Höhe von 30 bis 40 Metern herabgelassen werden. Die maximale Länge des aus 133 dünnen Einzeldrähten bestehenden Seils beträgt 90 Meter und kann stufenlos geregelt 1,25 m/sek aus- und eingefahren werden, während der mit Gurt gesicherte Dominic Fischer zur Beobachtung auf den Kufen des Helikopters steht.

Das Windentraining mit dem Nürnberger Hubschrauber fand in unmittelbarer Nähe des Bergwachtstützpunktes auf der Enzendorfer Platte statt. Mitglieder aus dem Regionalgebiet Frankenjura von Dollnstein im Altmühltal bis Pottenstein waren zu dem von Ausbilder Stephan Kraus straff organisierten Training gekommen. Von der Bergwacht Lauf nahmen Michaela Kubiak und Alexander Zach teil. Frauen wirken ebenfalls längst aktiv mit. Katja Kasper zum Beispiel. Die Oberärztin in der Anästhesie im Nürnberger Südklinikum fliegt seit zwölf Jahren als Notärztin mit im Rettungshubschrauber.

„Auch für Notärzte ist eine Windenrettung immer etwas Besonderes. Weil zum Glück nur selten Realeinsätze mit der Winde anstehen, ist das Training umso wichtiger“, sagt sie. Die erfahrenen Notärzte für die Luftrettung mit Christoph 27, so der Funkrufname des Nürnberger Rettungshubschraubers, sind meist Anästhesisten und werden von den Kliniken in Nürnberg, Fürth und Neumarkt sowie vom Uniklinikum Erlangen gestellt.

Bis 1999 wurde mit einer vierköpfigen Besatzung geflogen, von denen einer ausschließlich als Windenoperator eingesetzt wurde. Erst seit 15 Jahren besteht die Besatzung nur noch aus Pilot, Notarzt und Rettungsassistent. Damit müssen alle Rettungsassistenten zum Windenoperator ausgebildet sein.

N-Land Udo Schuster
Udo Schuster