Evangelische Kirche

Wenn Ostern zu den Gläubigen kommt

Pfarrer Christian Simon zeigt einen Teil der rund 1500 handgeschriebenen Osterkarten mit Fotos der Kirchen in Velden und Neuhaus sowie Bibeltext. | Foto: privat2020/04/IMGP2320-1.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Da haben sich die Mitglieder des Kirchenvorstands und einige Ehrenamtliche wahrlich die Finger wund geschrieben: Fast 1500 Osterkarten haben sie an die evangelischen Gläubigen in Velden und Umgebung per Hand verfasst – in Heimarbeit.

„Eigentlich wollten wir das in einer gemeinsamen Schreibwerkstatt machen, aber dann kam der Coronavirus dazwischen“, erzählt Pfarrer Christian Simon. Er hatte die Idee von einem Vortrag von Politikberater und Autor Erik Flügge. Dieser besagte, dass die Menschen das System von Kirche und Gesellschaft nur stützen, wenn sie eingebunden werden.

Dies übertrug Flügge in Sachen Glauben auf eine Postkartenaktion zu Ostern, mit der die Kirchengemeinden einfach nur Danke sagen könnten – „ohne Hinweis auf Spendenkonto oder Ähnliches“. Mit großer Faszination bemerkte Simon, dass dieser Gedanke eine „Blüte des Prozesses „Profil und Konzentration“ der Landeskirche“ sein könne und stellte die Idee seinem Kirchenvorstand vor – mit Erfolg.

Helfende Sätze

Statt bei einem gemeinsamen Treffen schrieben die Mitglieder des Kirchenvorstands und einige Ehrenamtliche nun die rund 1500 Postkarten an alle über 18 beziehungsweise jeden Haushalt der evangelischen Kirchengemeinde Velden „relativ individuell“ daheim. Im Vorfeld hatte die Gruppe Formulierungselemente für verschiedene Personengruppen erarbeitet, so Simon. Als alle Kärtchen, die Anfang der Karwoche in die Post gegangen waren, geschrieben waren, meinte der Vertrauensmann des Kirchenvorstandes: „Das war das Beste, was wir machen konnten.“

Dem schließt sich Simon an: „Ich glaube, das mitten in der Coronakrise die Postkarte als Dank für die treue Mitgliedschaft in der Kirchengemeinde zu etwas ganz Besonderem wird – zu Hoffnung in einsamer Zeit.“ Eine echte „Mut-mach-Aktion“, wie Simon findet, die vielen schon richtig Freude gemacht habe.

Für dieses Gefühl sorgt auch seine Kollegin Martina Berthold. „40 Familien haben bei ihr Ostersäckchen bestellt“, verrät Simon. Diese habe die Pfarrerin mit einem Impuls für einen Gottesdienst daheim, Geschichte, Kreuz, Kerze und Bastelmöglichkeit bestückt und liefere sie nun aus.

„Ich denke, es ist gerade in diesen Tagen wichtig, mit Andachten, Gebeten, Liedern und Symbolen die Feiertage selbst aktiv begehen zu können“, findet Reichenschwands Pfarrerin Lisa Weniger. Daher hat sie nicht nur wieder Video-Andachten auf die Homepage gestellt sowie zum Mitnehmen in die Kirche gelegt. Die sei übrigens täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet und lade zur Einkehr, zum Entzünden einer Kerze am Gebetsleuchter, zum Teilen eines Gebets an der Gebetswand und zum „Zuversicht-Schöpfen“ ein.

Auferstehung erspüren

Dort stehen seit Gründonnerstag auch Ostertüten bereit – „weil es so wichtig ist, die Feiertage in der Karwoche und Ostern mit allen Sinnen zu erspüren und aktiv begehen zu können“. Darin befinden sich kleine Andachten, Bilder und Symbole, mit denen die Menschen zu Hause Ostern feiern können.

Auch für zwei Reichenschwander Traditionen musste sich weniger etwas Neues überlegen: Der „Kinderkreuzweg“ am Karfreitag wurde so zu Fenster-Stationen am Gemeindehaus. Palmsonntag, Gründonnerstag und Karfreitag öffneten sich die Jalousien und gaben den Blick auf Bilder und Geschichten frei. Ostersonntag und -montag folgen zwei weitere Fenster. „Die Kinder können nicht nur die bunt gestalteten Fenster zur Ostergeschichte bestaunen, sondern auch kleine Überraschungen mitnehmen, die sie auf das Fest einstimmen.“

Einfach einstimmen

Und auch das Osterblasen an verschiedenen Plätzen im Dorf bekommt eine neue Form: „Nach dem Festgeläut um 9 Uhr am Ostersonntag geben die Bläser unseres Posaunenchors in ihren Gärten, von den Terrassen und Balkonen Osterlieder zum Besten.“ Wer selbst mitspielen oder -singen mag, findet unter www.reichenschwand-evangelisch.de Infos.

Ähnliches spielt sich in Förrenbach ab: Nach dem Vaterunser-Läuten um 10.10 Uhr spielen Posaunen quer durch das Dorf Oster- und Segenslieder, verrät Pfarrerin Lydia Kossatz. Vorher am Ostermorgen erstrahlt die Förrenbacher Kirche von 5.30 bis etwa 7 Uhr in einem bunten, wechselnden Lichtspiel. Das wiederholt sich am Abend von 21 bis 22 Uhr.

Mit dem Osterläuten um 6 Uhr öffnet das Gotteshaus seine Türen bis 19 Uhr. „Von 6 bis 10 Uhr brennt die neue Osterkerze“, erzählt Kossatz. Besucher könnten daran – unter Beachtung der derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln – eine Kerze anzünden und sich den Ostergarten ansehen.

Depot für Überraschungen

Eine brennende Osterkerze steht auch in der Hersbrucker Johanneskirche bereit: Am Ostersonntag können sich die Gläubigen von 11 bis 15 Uhr eine kleine Kerze zum Mitnehmen daran anzünden. Andachten zu den Feiertagen gibt es per Mail, Post und youtube. Digital in Sachen geistlichen Worten sind auch die Stadtkirchengemeinde sowie das Dekanat unterwegs, so Dekan Tobias Schäfer. Neben Festtagsgeläut gebe es in der Kirche Bildmeditationen zu den Kreuzigungsszenen des Stadtkirchenaltars.

Überhaupt werden die Gotteshäuser dieser Tage gerne als Depot für kleine Überraschungen für die Gemeindemitglieder genutzt: So stellt Henfenfelds Pfarrerin Kathrin Klinger unter anderem Ostertüten (für Trauernde) bereit. Gleiches wartet auch in Hartmannshof auf Abholung sowie ein Brief mit Bastelmaterial für Kinder. Der Kindergottesdienst in Happurg/Kainsbach geht dagegen online, und zwar am Ostersonntag. Eingeläutet wird der Tag nicht nur von den Glocken, sondern auch vom Morgenblasen.

Gebet am Sofa

Dieses wird am Ostersonntag um 5.30 Uhr auch in Vorra zu hören sein, bevor um 6 Uhr die Glocken klingen. Parallel dazu kann jeder ein Osterfeuer im Garten oder eine Osterkerze im Fenster entzünden. Passende Andachten laufen auf youtube. Ganz digital – bis auf „Ostern in Tüten“ in der Kirche ab Sonntag – ist weiterhin Offenhausen mit den Sofa-Gottesdiensten unter offenhausen-evangelisch.de/sofagottesdienst unterwegs.

Altensittenbachs Pfarrer Gerhard Metzger verzichtet auf besondere Aktionen zu Ostern. Lediglich einen Ostergruß per Mail an die Mitarbeiter plant er. „Ich finde, nicht jede Gemeinde braucht einen eigenen Video-Gottesdienst.“ Er ruft stattdessen seit Anfang April jedes Geburtstagskind seiner Gemeinde an. „Das sind am Tag auch so drei bis fünf Telefonate.“ Außerdem bleibt er seinen täglichen Gedanken treu, die er auf der Homepage veröffentlicht. Die seien schön kurz, habe er gehört – „wie ein Adventskalender“ bis zum Ende der Corona-Krise.

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