Sitzmöbel für Luxushotel

Wellness auch fürs Hinterteil

Diese 45 Hocker möbelte die Polsterei Sebald für die Bar eines Wellnesshotels in Tirol auf. | Foto: privat2019/02/20181214_125744.jpeg

FÖRRENBACH – Rund 70 Meter Bank, 45 Hocker, 30 Stühle, neun Chesterfield-Sessel und sechs Wochen Zeit – das war eine Herausforderung für Raumausstattung und Polsterei Sebald. Zumal der Auftraggeber mit dem Peternhof in Kössen (Tirol) ein Luxushotel mit 300 Betten war.

„Das ist so ziemlich der erste Auftrag dieser Größenordnung“, sagt denn auch Florian Sebald sofort. Bei einem Aufenthalt in dem Wellnesshotel hatten Sebalds mitbekommen, dass Speisesaal und Eingangsbereich umgebaut werden sollen. Kurzerhand reichte der Förrenbacher Familienbetrieb sein Angebot ein – samt Musterstuhl und -bankteil für den Speisesaal.

Und prompt flatterte der Zuschlag ins Haus. Doch nicht nur fürs Restaurant. „Die waren von unserer Qualität so begeistert, dass wir als Folgeaufträge noch das Herrichten der Hotelbar und des Speisesaals der Angestellten bekamen“, erzählt Sebald. Das bedeutete: Ab Anfang November ein Limit für alle Arbeiten samt Lieferung von sechs Wochen. „In dieser Zeit hatte das Hotel geschlossen.“

Druck? „Teilweise ja“, gibt Sebald zu. Denn nachdem die Polsterexperten per Lieferwagen und einem sechseinhalb Meter langen Anhänger alle Sitzmöbel aus Tirol abgeholt hatten, galt es, deren Innenleben genauer zu inspizieren: „Wie lassen sich Stoff und Polsterung abmachen? Wie müssen wir das alles neu aufbauen?“ Vor solchen Fragen stand Sebald. „Da haben wir – also drei bis vier Leute – anfangs auch samstags gearbeitet, damit wir Luft haben.“

Nach drei Wochen waren die 30 Meter Bänke für die Angestellten-Kantine fertig. Die 45 Echtleder-Barhocker und ein paar Bänke waren komplett neu verleimt, aufpoliert, gepolstert und neu bezogen. „Bei den Hockern waren die Rücken noch in gutem Zustand, daher haben wir die nur gereinigt, geschützt und versiegelt.“ Ebenso den Handlauf aus Leder. Auch die neun Chesterfield-Sessel aus der Zigarrenlounge – wuchtige Sitzmöbel in englischem Stil mit Knopf-Verzierung – wanderten auf den Anhänger. „Die waren total durchgesessen.“ Sebalds erneuerten Federung und Sitzkern.

Richtig aufwendig war das Herrichten der Stühle für den Speisesaal. 30 Stücke sowie rund 40 Laufmeter Bank mussten neu bezogen und gepolstert werden. Denn die Stühle, die besondere Holzschnitzereien aufweisen, sollten eben nicht einfach ersetzt werden, sondern wie neu aussehen. Nachdem Sebalds die Sitzmöbel entpackt hatten, verleimten und verschraubten sie diese im Rohzustand neu. Einer hochwertigen Federung folgten Bezug, Polieren und Lack, zählt Sebald auf.

Bei den Bänken zogen die Handwerker „einen gemusterten Blumenstoff mit Knöpfen ein“. Und wer hat den ausgewählt? „Das geschah in Absprache mit dem Architekten.“ Sebald machte selbst Vorschläge, brachte extra Musterbücher nach Tirol. Als Raumausstatter habe er auch einen Blick für die Gesamtsituation. Daher wollen Sebalds in Förrenbach einen Anbau mit Ausstellung, Verkaufsraum und Deko-Artikel in diesem Jahr errichten.

Und was kommt jetzt? „Wir haben mit dem Auftrag einen neuen Standard an Qualität gesetzt“, meint Florian Sebald nach einigem Überlegen. Da sei es schon möglich, dass neue Kunden aus diesem Bereich kommen. Aber das wisse man nicht. Jetzt ist er erst einmal stolz auf das Erreichte.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch