Verein Grünspecht

Vortrag zur Wiederentdeckung der Walnuss

eder Teilnehmer hatte seinen eigenen Nussknacker mitgebracht, denn eine Sortenverkostung verschiedenster Walnüsse war eine der Attraktionen des Abends. | Foto: U. Scharrer2020/10/Walnussvortrag-1.jpg

KÜHNHOFEN – Wer hat schon mal eine „Esterhazy II“ gekostet? Oder eine „Ockerwitzer Lange“ probiert? Oder den purpurfarbenen Kern der „Roten Donaunuss“ bewundert? Der Verein „Grünspecht“ aus Happurg und die Referentin Vivian Böllersen aus der Nähe von Berlin wollen die Lust auf heimische Walnüsse wieder wecken. Das gelingt ihnen mit einem ebenso fachkundigen wie engagierten Vortrag, einem Fragenteil und der Verkostung heimisch angebauter Nüsse.

Zunächst klärt Referentin Vivian Böllersen, die den Abschluss „Öko-Agrarmanagement“ gemacht hat und Geschäftsführerin der „Walnussmeisterei“ ist, einen geläufigen Irrtum auf: Weil die Walnuss historisch über Italien und Frankreich nach Deutschland eingeführt wurde, entwickelte sich ihr Name aus der ursprünglichen Bezeichnung „welsche Nuss“ und wird deshalb kurz gesprochen: eher wie „Wall-Nuss“ als wie „Wahl-Nuss“.

Standhaftes Holz

Die Schalenfrucht erlebte danach das wechselvolle Auf und Ab der europäischen Geschichte mit: Als kalorienreiches und lagerfähiges Energiebündel wurde sie als Nahrungsmittel für deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg gründlich unter die Lupe genommen. Das Holz, das sich auch bei Feuchtigkeit nicht verzieht, wurde gern für Gewehrläufe eingesetzt, in Kühnhofen konnte man ein „Vogelhorn“ mit Walnussholzelementen des Alphornbauers und Musikers Robert Vogel bewundern.

Schon lange weiß man vor allem auf dem Land um die Nutzung des Insekten abstoßenden Laubes als Einstreu, um das Aroma der grünen „Johanni-Nüsse“ und um die Nutzbarkeit von Nussmehl bei Ausfall der Getreideernte. Die Nutzung als „Brainfood“ (Hirnfutter) katapultiert die Beliebtheit der Walnuss ins 21. Jahrhundert.

Stand früher auf vielen Hofstellen als Schattenspender und Nusslieferant ein Walnussbaum, so finden sich heute im Handel fast ausschließlich importierte Walnüsse, etwa aus Kalifornien, Chile, Moldawien, Ukraine, Italien – und aus Frankreich, das den Anbau von Walnuss-Anlagen im Gegensatz zu Deutschland fördert. „Walnüsse kommen aus Nachbars Garten oder aus Kalifornien“, fasste Vivian Böllersen lapidar zusammen.

Pflanzer in spe

Sie ist dabei, das zu verändern. In ihrer „Walnussmeisterei“ im brandenburgischen Velten experimentiert sie auf viereinhalb Hektar Fläche mit 30 Sorten, besucht Märkte, verkauft Jungpflanzen und beantwortet die Fragen von Walnusspflanzern in spe, wie den vielen Besuchern in Kühnhofen. Die wollen alles wissen über Schädlinge und Bodenbeschaffenheit, Veredelung und Schnittmaßnahmen. Vivian Böllersen beweist, dass sie nach ihrer Masterarbeit nicht aufgehört hat, sich mit dem Thema Walnuss zu beschäftigen.

Und Judit Barthel freut sich, dass so viel Interesse am „Grünspecht“-Projekt „Mehr Nüsse ins Nürnberger Land“ besteht – es hätten noch mehr Menschen gerne den Vortrag gehört als die im Saal zugelassenen 60. Sollte es mit der Kooperation mit der Manufaktur „Gelbe Bürg“ aus dem Altmühltal klappen, die Walnüsse zu köstlichen Produkten verarbeitet und diese in Kühnhofen bereits anbot, dann gibt es vielleicht bald wieder mehr fränkische Walnüsse. Allerdings braucht der Walnussanbau einen langen Atem: Zehn Jahre Wartezeit auf die erste Ernte sind ganz normal.

Wie gut, dass Vivian Böllersen neben einem Schaukasten mit allen möglichen Walnusssorten auch welche zur Verkostung dabei hatte: Am Tisch knackten die Teilnehmer mit eigens mitgebrachten Nussknackern die fürs mittelfränkische Klima geeigneten Sorten Mars und Milotai und besondere Sorten wie die Rote Donaunuss mit einem markanten roten Kern oder die Börderriesen – mit besonders großen Nüssen.

Der Verein Grünspecht bittet Nussbaumbesitzer, die gerne daran mitwirken wollen, Nüsse im Fränkischen heimisch zu machen oder aufzuwerten, einen Fragebogen auszufüllen, der sich auf der Webseite www.gruenspecht-ev.de unter der Rubrik „Aktuelles“ findet.

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