Wandertipp im Dezember

Unterwegs auf dem Happurger Geschichtsweg

Eine der Informationstafeln auf dem Geschichtsweg. | Foto: A. Geng2018/12/P1020497.jpg

HAPPURG – Auf dieser abwechslungsreichen Winterwanderung durch Happurg, mit kurzen Abstechern nach Förrenbach und Kainsbach, sehen und erfahren wir einiges über die besondere Geschichte dieser Gemeinde und ihrer näheren Umgebung. Denn die Route führt auf dem Happurger Geschichtsweg entlang.

Start: S-Bhf. Happurg – Parken: gegenüber kath. Kirche oder Baggersee-Parkplatz nahe Bahnhof – Bahnlinie: S 1 Nürnberg-Hartmannshof – Weg: ca. 8 km, mit Abstecher 10-12 km – Einkehren: Happurg, Förrenbach, Kainsbach, am Stausee oder Baggersee.

Bereits in der Altsteinzeit war der Hohle Fels eine Jägerstation und zur Zeit der Kelten war die Houbirg oberhalb von Happurg ein großes Siedlungsgebiet. Davon zeugt heute noch die den ganzen Bergrücken umfassende Ringwallanlage, in der die gesamte Nürnberger Altstadt Platz hätte. 1059 weihte Bischof Gundekar II. in Happurg anstelle der Marien- und St. Georgskirche einen Altar und es wurde die Mutterpfarrei für Etzelwang, Ernhüll, Kirchenreinbach, Pommelsbrunn, später auch für Förrenbach und Kainsbach.

Vom S-Bahnhof aus gehen wir mit mehreren Zeichen in Richtung Ortsmitte. Gleich zu Beginn stehen rechts der Straße zwei Tafeln über den „Geologisch-geomorphologischen Lehrpfad“ und das Schichtstufenland vom Rheingraben über das Regnitzbecken und die Fränkische Alb bis zum Oberpfälzer Wald. Nach etwa 300 Metern steigen wir mit den Zeichen „geo“ und Gelbkreuz links die Houbirgstraße hoch bis an die Schulstraße. Dort geht es kurz rechts und mit dem Pommelsbrunner Weg aufwärts am Schulgelände vorbei.

Das Happurger Zentralschulhaus wurde 1966 errichtet und zum Schuljahr 1967/68 als eines der modernsten Schulhäuser Frankens eröffnet. Es war das erste Schulhaus mit Hallenbad im Altlandkreis Hersbruck.

Oben folgen wir dem grünen Wegweiser „Dokumentationsort KZ“ und wandern die Straße „Südring“ aufwärts und abwärts durch das Wohngebiet zum „Dokuort für die Opfer des KZ-Lagers Hersbruck/Happurg“ am Auslauf der „Hunnenschlucht“.

Das nationalsozialistische Regime wollte zum Schutz vor Luftangriffen Rüstungsbetriebe unter Tage verlagern. Eines dieser Großprojekte sollte damals in Happurg entstehen. KZ-Häftlinge aus Flossenbürg, die im Barackenlager in Hersbruck lebten, mussten hier Räume für eine unterirdische Fabrik in den Berg graben. Das unvollendete Stollensystem ist heute stark einsturzgefährdet und die Eingänge sind zubetoniert.

Jetzt gehen wir durch die Grünanlage am Kriegerdenkmal den Höhenweg links aufwärts und am Haus Nummer neun geradeaus in den Anger am Gänsberg. Wenige Meter vor der Friedhofsmauer machen wir eine Kehrtwende und folgen dem Wanderweg abwärts an den Birken entlang am „Enger Weg“ vorbei in die Pflegergasse, wo rechts das alte Gerichtsgebäude steht.

Der Geschichts-weg mit seinen zwölf Tafeln um den Stausee. | Foto: A. Geng2018/12/P1020589.jpg

„Happurg war das fürnemsde Dorf“ der Herrschaft der Burg „das Reiche Eck“. Hier standen Galgen und Stock als Zeichen, dass die Schenken von Reicheneck die „Hohe Gerichtsbarkeit, ungeachtet aller Hersbrucker Proteste“ hatten beziehungsweise ausübten.

Die Schöffenstraße abwärts kommen wir zum Marktplatz, wo wir uns auf der Wanderwegetafel informieren können. Dann geht es links zur Kirche, die allerdings meistens geschlossen ist.

Vor der aus dem 13. Jahrhundert stammenden, im 18. Jahrhundert umgebauten Kirche steht in Miniatur der Kirchenpatron Heiliger Georg im Kampf mit dem Drachen. Im Innern zeigt das Altarbild das Heilige Abendmahl mit Christus auf der Stirnseite, am Chorbogen sind Wappen der ehemaligen Nürnberger Pfleger und an den Emporenbrüstungen Gemälde von Friedrich Reich.

Der Tordurchgang neben der Kirche ist zurzeit gesperrt, deshalb müssen wir gegenüber des Seiteneingangs am Gemeindehaus vorbei und rechts in den Wehrweg gehen und der Förrenbacher Straße zum Steg am Wehr folgen, wo die Tafel Nummer zehn des „Geschichtswegs“ steht.

Jetzt gehen wir mit dem Rotkreuzzeichen an der katholischen Kirche vorbei und im Schatten der Staumauer den Fuß-Radweg steil aufwärts zur Tafel über Herzfrequenz. Mit schöner Aussicht auf die bergige waldreiche Umgebung geht es jetzt etwa vier Kilometer um den 55 Hektar großen Stausee den fast ebenen Uferweg entlang.

Die Schenken von Reicheneck hatten auf dem Bergsporn südlich des heutigen Stausees zwischen Kainsbach und Förrenbach ihren Stammsitz, die Burg „Reiches Eck“, und Happurg war der Hauptort dieses Besitzes, der an der wichtigen Altstraße Regensburg-Lauterhofen-Forchheim-Bamberg lag.

Wir kommen an einigen der insgesamt zwölf Tafeln vorbei, die unter anderem auch über den „Hohlen Fels“ erzählen, zu dem wir bald links hochschauen können und die riesige Höhle fast erkennen, die ihm zum Namen verhalf. An der Zehe des stiefelförmigen Sees können wir den Uferweg und das Rotkreuzzeichen verlassen und einen etwa zwei Kilometer langen Abstecher ins 1000-jährige Förrenbach machen. Auf asphaltiertem Weg geht es geradeaus, an der Abzweigung zur Kneippanlage und (durch den Schwandgraben nach Reckenberg oder zum Hohlen Fels) vorbei zum Parkplatz an der Obstbaumwiese mit Infotafel und Riesenstuhl. Dort folgen wir dem Radweg bis zur Ampel, kreuzen die Straße und gehen rechts über die Brücke und mit dem „Sandweg“ geradeaus ins Dorf. Nach der Kurve kommen wir am Kindergarten im ehemaligen Schulhaus vorbei und zur Kirche.

1828 stürzte der Turm der damals 400 Jahre alten Kirche ein und das baufällige Gotteshaus wurde abgebrochen. An gleicher Stelle steht seit 1839 die heutige klassizistische Kirche. Mit dem halbrunden Chor und dem flachen Satteldach auf Langhaus und Turm wirkt sie etwas südländisch.

Zurück geht es auf dem Sandweg und nach der Rechtskurve, dem schönen Fachwerkhaus und dem Haus mit Sinnspruch biegen wir links ab und wandern „Im Tal“ hinaus in die Feldflur. Die Straße wird zum Weg und der nähert sich dem Förrenbach, der rechts in großen Mäandern durch das hier breiter werdende Tal plätschert. Später biegt unser Weg zum Deckersberghang ab, dort folgen wir ihm noch kurz links bis zum Ende des langen Holzstoßes und gehen dann rechts in die Wiese. Aufpassen! Weglos geht es jetzt leicht aufwärts zur Straße. Dann kommt die Rotkreuzmarkierung vom nahen KZ-Denkmal und wir kreuzen in der Kurve vorsichtig die viel befahrene Straße und gehen drüben parallel mit dem Bach abwärts.

Am Seeufer verlassen wir Rotkreuz und folgen wieder dem gemütlichen Uferweg links. Bald geht es über den Steg an der Mündung des Kainsbaches in den Stausee. Hier kommt der Fuß- und Radweg vom nahen Kainsbach – mit Einkehrmöglichkeit – durch die Straßebrücke und wir gehen bei der nächsten Wegteilung rechts am Ufer weiter. Die hier am Weg stehenden Infotafeln erzählen die Geschichte von Kainsbach und der Burg Reicheneck.

Die Burg „Reiches Eck“ war Mittelpunkt der Herrschaft am Pegnitzknie und ab 1505 Sitz eines Nürnberger Pflegers.

Wir folgen weiter dem Uferweg – jetzt mit besonders schönem Blick hinüber zur Houbirg – und kommen zum Gasthaus „Seeterrassen“. Weiter wandern wir auf die Staumauer zu, kurz aufwärts zur Höhe der Staumauer und dann auf asphaltiertem Rad-Fußweg parallel zur Straße noch einmal leicht aufwärts.

Verstecktes Schloss
Der Steilabstieg zum Werkseingang und der kleinen Grünanlage am Happach ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Deshalb müssen wir geradeaus auf dem Radweg neben der Straße weitergehen, kreuzen beim Wegweiser die Straße, kürzen über den Treppensteig etwas ab und gehen ganz unten links herum. Links, etwas zurückgesetzt, versteckt sich hinter „Hauptstraße 9“ das Tucherschloss. Dann geht es über die Brücke und am gesperrten alten Friedhofstor links in die „Kirchgasse“. Nach der Kurve gehen wir links mit dem Fichtenweg über den Steg zur Kainsbacher Straße. Dort geht es rechts etwas abwärts und links mit der Unteren Bachgasse bis zum Ellenbacher Weg, Dann rechts über die Brücke und gleich am Bach links durch die kleine Grünanlage und mit der Hersbrucker Straße weiter.

Bei der Einmündung der Gartenstraße gehen wir rechts und gleich links mit der Wiesenstraße am Feuerwehrhaus vorbei hinaus in die Felder. Draußen, an der kleinen Pumpstation vorbei, kommen wir nahe an den Happach und bleiben an der Brücke zum Sportplatz diesseits. Wenig später folgen wir – auf eigene Gefahr – dem Trampelpfad rechts zur Hohenstädter Straße nahe des Bahnhofs und des Baggersee-Parkplatzes.

N-Land Albert Geng
Albert Geng