Wie steht’s um Frauen bei der Wehr?

Tatütata – die Frauen sind da

Die Stützpunktwehr Happurg hat aktuell nur eine Frau im Team. Unterstützung beim Interview gab es von den umliegenden Feuerwehren aus Förrenbach, Kainsbach, Schupf und Thalheim. | Foto: A. Kopp2019/12/DSC-1604-scaled.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Wer die Kameradschaftsabende der hiesigen Feuerwehren besucht, stellt fest, dass es zwar vereinzelt aktive Feuerwehrfrauen gibt, die haben aber häufig noch Seltenheitswert. Die HZ machte sich deshalb auf die Suche nach Feuerwehrfrauen im Hersbrucker Umland und ihren Erfahrungen in der vermeintlichen „Männerdomäne“.

Eine „Männerdomäne“ ist die Freiwillige Feuerwehr Henfenfeld nicht: Von 35 Aktiven sind acht Frauen, in der Jugend sind die Mädchen sogar in der Überzahl: Von neun Jugendfeuerwehrlern sind fünf Mädels. „Vielleicht haben wir in Henfenfeld bald eine Männerkrise“, scherzen Mona Karasch und Anna Zinner.

Die Henfenfelder Damen üben bei ihren männlichen Kameraden mit. Für sie ist das selbstverständlich: „Wir sind wie eine große Feuerwehrfamilie und wir unterstützen uns gegenseitig“, erzählt Simone Diersch. Der Umgangston? „Normal und kollegial“, stellen die Feuerwehrfrauen fest. „Natürlich kommt a mal a dummer Spruch, aber dann red’n wir halt dumm z’ruck“, lachen sie.

Auch ihre Kameradinnen in Happurg sehen das eher gelassen: „Manchmal wird es in stressigen Situationen einfach etwas lauter oder schroffer, aber das liegt einfach am Stress, böse meint das niemand.“ Nicht jeder Tag ist gleich, nicht immer ist die Stimmung gut, da sind sich alle einig – wie halt in einer großen Familie. Zum Klischee, Frauen seien bissig, kontern sie: „Auch Männer sind Zicken“ und schmunzeln.

Mit acht Aktiven und fünf Jugendfeuerwehrfrauen ist die Feuerwehr Henfenfeld vergleichsweise schon ganz gut aufgestellt. Foto: A. Kopp2019/12/DSC-1628-scaled.jpg

Warum sind sie überhaupt in die Feuerwehr eingetreten? Viele hatten schon von klein auf Kontakt mit der Feuerwehr: „Mein Papa war zwölf Jahre lang Kommandant, die Arbeit in der Wehr wurde mir also in die Wiege gelegt. Als ich dann alt genug war, war es für mich selbstverständlich, auch der Feuerwehr beizutreten“, erzählt Jessica Link von der Feuerwehr Schupf.

Begeisterung für Technik

Christa Müller kam erst im Erwachsenenalter dazu. Bei einem Feuerwehrfest entbrannte ihr Interesse für die Technik. Schnell war sie Feuer und Flamme für die Arbeit. Dabei geblieben ist sie auch wegen der Kameradschaft.

Der Zusammenhalt ist ein tragender Teil der Feuerwehr: Was die Frauen als „Familie“ bezeichnen, ist hier essenziell. Unterstützung während und nach dem Einsatz, über das Erlebte sprechen und Gesehenes verarbeiten, gehört genauso dazu, wie Schulungen, Übungen und Technik.
„Im Einsatz ist es völlig egal, wer da im Schutzanzug steckt“, erklärt Uwe Holzinger, Kommandant der Hersbrucker Feuerwehr. „Wichtig ist nur, dass wir Menschleben retten und am Ende des Tages alle heil wieder nach Hause kommen“. Vernachlässigt oder unfair behandelt fühlen sich die Frauen nicht, weder in Happurg, Hersbruck oder Henfenfeld.

„Jeder gibt sein Bestes und bekommt eine Aufgabe, die er erfüllen will und auch kann“, so Kathleen Kischkel. Sie ist schon bei der Feuerwehr Henfenfeld seit sie 14 Jahre alt ist. „Da ist es völlig egal, ob Frau oder Mann – die einen können keine Verletzten sehen, dem anderen ist vielleicht etwas zu schwer. Dafür ist die Mannschaft da: Man unterstützt sich, wo es nötig ist und macht sich keine Vorwürfe. Im Einsatz ist jede Aufgabe wichtig, egal ob Atemschutzträger oder Verkehrsabsicherung.“

Starre Klischees

Wenn doch nun aber alle gleich behandelt werden, warum gibt es dann so wenige Frauen bei der Wehr? Frauenbeauftragte Martina Nehr weiß, dass die Feuerwehr nach wie vor als „Männerdomäne“ eingestuft wird: „Obwohl die Tauglichkeit in der Feuerwehr überhaupt nichts mit dem Geschlecht zu tun hat, gibt es halt immer noch mehr Männer als Frauen in den Wehren, und umso ländlicher die geprägt ist, desto weniger Frauen werden es. Viele trauen sich dann auch nicht, als Einzige einer reinen ‚Männerwehr‘ beizutreten.“

Für sie sind vor allem die Klischees über die Feuerwehrarbeit der Grund, warum viele Frauen vor dem aktiven Einsatz zurückschrecken: „Die Leute meinen, wir treffen uns wöchentlich, üben eine halbe Stunde und gehen den Rest des Abends zum gemütlichen Teil – also Bier trinken – über. Dabei gehören Wissen, Ausbildung, Technik genauso dazu. Und in den ländlichen Feuerwehren nehmen die Übungen nicht so viel Zeit ein.“

Sie stehen ihre Frau: Lena Gerhard (2. von links) und Nicole Tuchbreiter (Mitte) von der Feuerwehr Hersbruck sind ausgebildete Atemschutzträgerinnen. Foto: A. Kopp2019/12/DSC-0443-scaled.jpeg

Der straffe Terminkalender sei vor allem für Mütter ein Hauptargument, nicht zur Wehr zu gehen. „Leider haben wir teilweise noch ein sehr starres Rollenbild“, so Nehr. „In vielen Familien, in denen einst beide Partner bei der Feuerwehr waren, bleiben die Mütter häufig wie selbstverständlich zu Hause, auch wenn die Kinder schon älter sind.“ Wichtig wäre hier, eine bessere Kommunikation zu schaffen, um jeder Frau auch die Möglichkeit zu geben, ihrem Hobby nachzugehen und die Kinder behütet zu wissen.

Dass Familie und Feuerwehr unter einen Hut zu bringen sind, beweist Nicole Tuchbreiter jeden Tag aufs Neue: Die Alleinerziehende hat zwei bereits schulpflichtige Kinder. Und die wissen: Wenn der Piepser Alarm schlägt, muss Mama schnell aus dem Haus. „Meine Kinder wollen wissen, wohin ich gehe und was jetzt los ist. Dann wissen sie: Ich bin auf einem Einsatz und fühlen sich nicht verlassen. Mittlerweile rufen sie mich schon, wenn ich den Piepser mal nicht höre“, grinst sie.

Um mehr Frauen für die Feuerwehr zu ermutigen, braucht es Aufklärungsarbeit: „Es ist wichtig zu zeigen, was wir machen. Dass niemand zu irgendetwas gezwungen wird“, so Lisa Hugel. „Und dass Feuerwehr nicht nur aus Löschen und Saufen besteht – es steckt so viel mehr dahinter: Faszination, Hingabe und jede Menge Wissen“, ergänzt Lena Gerhard. Es müsse endlich mit veralteten Klischees aufgeräumt werden.

Fragwürdige Kampagnen

Die Kampagnen des Landesfeuerwehrverbandes Bayern begrüßen aber weder die Damen, noch die männlichen Kameraden: Die Slogans seien unglücklich formuliert. „Mit Sprüchen wie ‚Frauen an den Brandherd‘ werben wir die Frauen doch mehr ab“, so Holzinger. Effektiver wären Besuche im Kindergarten und in der Schule, um den Kindern von an Anfang Lust auf die Feuerwehrarbeit zu machen.

Am Ende der Recherche steht fest, dass alle mit vollem Herzblut bei der Wehr dabei sind. Unabhängig von Kraft oder Geschlecht haben sie alle ihren Platz in ihrer Mannschaft und fühlen sich respektiert. Ihr Appell an alle Frauen: „Wenn ihr Interesse habt, kommt vorbei und schaut euch alles an. Traut euch!
ANNA-LENA KOPP

N-Land Hersbrucker Zeitung
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