Infoabend zur Zukunft des Happurger Doggerstollens

Spritzbeton für die Doggerstollen

Der vergitterte Eingang A zum Doggerwerk in der Houbirg oberhalb von Happurg ist freigelegt, nächstes Jahr wird der einst von KZ-Häftlingen geschaffene Stollen dahinter verfüllt. | Foto: J. Ruppert2016/10/Doggerstollen.jpeg

HAPPURG – Was passiert mit dem Doggerwerk? Bekanntlich soll ein Teil des Stollensystems in der Houbirg über Happurg verfüllt werden. Das Staatliche Bauamt möchte nicht zuletzt wegen der dunklen Geschichte der unterirdischen Anlage die Öffentlichkeit über die geplanten Schritte aufklären. Deshalb sind alle Interessierten zu einem Info-Abend nächsten Donnerstag, 27. Oktober, um 19.30 Uhr in die Aula der Happurger Schule eingeladen.

Im Zweiten Weltkrieg waren die deutschen Rüstungswerke das Ziel der alliierten Luftangriffe geworden. In der Houbirg sollte eine bombensichere Fertigung für BMW-Flugzeugmotoren entstehen. Tausende Zwangsarbeiter, notdürftig untergebracht im KZ-Außenlager Hersbruck, arbeiteten an dem Projekt. Selbst im Vergleich zu anderen solchen NS-Projekten gab es eine enorm hohe Todesrate.

Das Doggerwerk war angelegt als ein Gitternetz von bis zu sieben Meter breiten und fünf Meter hohen Längs- und Querstollen. Ab Mitte 1944 bis April 1945 wurden rund 4000 Quadratmeter Fertigungsfläche mit Betongewölben erstellt und weitere 10 000 Quadratmeter des Tunnelsystems bis zu 400 Meter weit in die Houbirg hineingetrieben.

Die Sprengungen und Bohrungen haben Spannungsumlagerungen und letztlich eine Auflockerung des Gesteinsverbandes verursacht. Folge: Die unterirdische Anlage kann einstürzen, was dann Wanderer auf der Houbirg gefährden kann.
Das Staatliche Bauamt Nürnberg möchte nun die Stollen A, B und C verfüllen oder bergmännisch sichern lassen. Bei diesen drei Abschnitten handelt es sich um unbetonierte Tunnel. Teilweise sind schon große Steine von den Decken abgeplatzt.
Die betonierten Bereiche wie der mit einer markanten großen Betonplombe verschlossene Hauptzugang F bleiben hingegen unberührt. In den letzten Jahren waren immer wieder Forderungen laut geworden, diesen Stollen für die Allgemeinheit zu öffnen. Das Anliegen ist allerdings nicht Thema des Info-Abends.

Einige Eckdaten der Maßnahme wurden bereits vorab bekannt gegeben. Zum Beispiel betragen die Kosten rund 1,8 Millionen Euro. Bald starten Vorbereitungen wie etwa das Herrichten der Waldwege. Eigentlicher Baubeginn soll im Frühjahr sein.
Am kommenden Donnerstag möchte Bauamtsleiter Klaus Gerstendorff zusammen mit den Fachleuten Ulrich Lang und Klaus Levin in der Schulaula das Projekt (wie schon vor kurzem in nicht öffentlicher Sitzung im Happurger Gemeinderat) detailliert darstellen. Sie erklären den Aufbau der Houbirg und beschreiben Auswirkungen auf das Grundwasser.

Es wird Antworten geben zur Lage der Baustelleneinrichtung am Ostufer des Ausflugszieles Stausee. Auch die Erschließung der Zufahrten zu den Eingängen A, B und C ist ein Problem. Denn sie sind derzeit nur über einen Trampelpfad zu erreichen.
Weiterhin wollen die Experten das Verfüllen mit Spritzbeton besprechen, wie der Baustoff nach Happurg oder Förrenbach und zum Doggerwerk kommt und warum keine reversiblen, das heißt wieder entfernbare Materialien genommen werden.

Die KZ-Häftlinge haben rund 500 000 Kubikmeter Sandstein aus der Houbirg herausgeholt. Das Bauamt schätzt die Verfüllmenge auf gerade mal 13 000 Kubikmeter Baustoff, möchte die riesige Differenz aber erläutern. Weitere Fragen betreffen Fledermäuse, den Denkmalschutz – das Doggerwerk hat laut Denkmalschützern eine hohe zeitgeschichtliche Bedeutung – und den wie A, B und C unbetonierten gesicherten Stollen H, in dessen Eingangsplombe vor kurzem eine Art Fenster geschnitten wurde.

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