Doggerstollen in Happurg

Neues Konzept für Happurger KZ-Gedenkstätte

Ursprünglich sollte die KZ-Gedenkstätte in Happurg auf dem Plateau vor dem Eingang zu Stollen „H“ entstehen (Bild) - als Stahlkonstruktion, die das Stollensystem „en miniature“ abbildet. Die neue Version fällt etwas kleiner aus - und wird in der Nähe des Kriegerdenkmals errichtet. Foto: J. Ruppert2013/07/5_2_1_2_20130703_DOGGER.jpg

HAPPURG — Ursprünglich sollte eine größere Stahlkonstruktion direkt vor dem Eingang „H“ des Doggerstollens in Happurg aufgestellt werden. Im Oktober 2011 wurde diese Version dem Happurger Gemeinderat vorgestellt. Die Räte wollten sich zwar keinesfalls der Idee verschließen, aber Einwände und Bedenken gab es vielfach. Jetzt haben sie eine neue Variante abgesegnet.

Schon vor zwei Jahren gab es den Hinweis auf nicht geeignete Bodenbeschaffenheit, schwer zugängliches Gelände, die Erforderlichkeit von massiven Rodungen, auch auf Privatbesitz, und Ähnliches mehr. Ein Hauptbestandteil der Planung ist es, dass eine Sichtachse von der KZ-Gedenkstätte Hersbruck zur Gedenkstätte Happurg hergestellt wird. Dafür hätten etliche Bäume gefällt werden müssen.

Doch Ulrich Fritz und Dr. Jörg Skriebeleit von der Bayerischen Gedenkstättenstiftung, sehen diese beiden Orte des damaligen Geschehens als untrennbar miteinander verbunden. In Hersbruck waren die KZ-Häftlinge seinerzeit untergebracht, den Weg zur Houbirg nach Happurg mussten sie täglich zurücklegen, um in den Doggerstollen für ein Rüstungsprojekt zu arbeiten.

Zunächst wurde geprüft, ob nicht das Stollensystem, wenigstens teilweise, den Besuchern zugänglich gemacht werden kann. Doch aus Sicherheits- und Artenschutz-Gründen (Lebensraum für Fledermäuse) ist das unterirdische Stollensystem dafür nicht geeignet.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung erläuterten nun Ulrich Fritz und Dr. Jörg Skriebeleit die neuen Pläne. Eine kleinere Version des ursprünglichen Modells soll demnach auf einem gemeindeeigenen Grundstück am Südring errichtet werden – am Fuß des Wanderwegs, der zum Stollenzugang „H“ hinaufführt. Der Vorteil ist, dass diese Plattform nahezu barrierefrei ist. Die Fachleute begründen die Standortwahl mit der Sichtbeziehung zum ehemaligen Lagergelände in Hersbruck. An dieser Stelle hat die Gemeinde ein Abfanggitter errichtet, um Laub und Geröll von der Straße fernzuhalten. Diese Vorrichtung würde nicht von den Planungen außer Funktion gesetzt.

Am vorderen Ende der Plattform wird durch einen Stahlbau (1,20 Meter breit und 2,40 Meter hoch) der Sichtbezug zwischen Happurg und Hersbruck hergestellt, so die Planung. Am Ende des Baus lenkt eine Aussparung den Blick der Besucher nach Hersbruck. Innerhalb des Stahlbaus wird der Bezug durch Audioelemente verstärkt. Ehemalige Häftlinge werden hier, mittels durchlaufender Tonschleife, von ihren Erfahrungen berichten.

Folgt der Besucher dem Blick aus dem Stahlbau, wird er auf eine Vitrine aufmerksam. Dort sollen Exponate des Vereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck gezeigt werden – ein Bohrhammer und andere Werkzeuge, aber auch ein Essgeschirr, das ein Häftling auf der Baustelle benutzte. Das dritte Element auf der Plattform bildet ein Modell des Stollensystems. Es wurde in einem Ausbauplan vom März 1945 dokumentiert. Dieses dritte Element der Stollennachbildung basiert auf dem Gedanken, den Stollen, wenn man schon nicht in ihn hineingehen kann, nach außen zu holen und ihn so sichtbar zu machen.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten verhandelt zurzeit mit der Gemeinde Happurg über eine Erbbau-Regelung für das Gelände. Hersbruck habe schon Zustimmung signalisiert, ließen die Fachleute verlauten. Die Zugänglichkeit des historischen Ortes soll dadurch nachhaltig gesichert werden.

Von den Gemeinderäten kamen etliche Fragen. Zum einen machten sie sich Gedanken über die Parkplatz-Situation, über die Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten, aber auch über so profane Dinge wie den Toilettenbedarf. Fritz und Skriebeleit versicherten, dass sich die Unterhalts- und Reinigungsarbeiten auf ganz niedrigem Niveau bewegen würden. Von ihnen kam der Vorschlag, dass die Toiletten auf dem nahe gelegenen Friedhof genutzt werden könnten. Mit dieser Lösung wollten sich allerdings die Gemeinderäte nicht so recht anfreunden.

Der Gemeinderat billigte das geänderte Konzept einstimmig. Allerdings besteht die Notwendigkeit, die Parkplatz- und Toilettensituation noch in die Planung aufzunehmen. Dabei soll auch die Erbbauregelung einfließen.

N-Land Marita Münster
Marita Münster