Umweltausschuss nimmt Fläche aus Landschaftsschutzgebiet

Naturschutz kontra Ortsentwicklung

Auf dieser Fläche am Ortsrand von Aicha soll das Einfamilienhaus gebaut werden (rot schraffiert) - die dicke grüne Linie markiert die Grenze zum LSG.2014/10/5_2_1_2_20141016_AICHA.jpg

NÜRNBERGER LAND — Verkommt der Umweltausschuss des Kreistages zu einem „Gremium zur Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet“? Binnen dreier Monate mussten sich die Mitglieder zum dritten Mal mit dieser heiklen Frage beschäftigen – dieses Mal ging es um knapp 5000 Quadratmeter am Südwestrand von Aicha. Einigen Kreisräten geht das zu weit.

Im oberhalb Thalheims gelegenen Aicha reicht das 1985 ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet „Südlicher Jura mit Moritzberg und Umgebung“ bis unmittelbar an die Häuser heran, das 50-Seelen-Örtchen ist vom „LSG umzingelt“, wie es Bürgermeister Bernd Bogner formuliert. Das macht eine weitere Entwicklung nahezu unmöglich. Im konkreten Fall also auch den Bau eines Hauses für einen gebürtigen Aichaer, der nun wieder in seinen Heimatort zurückkehren möchte, um seiner Schwester auf deren Bauernhof und in einer kleinen Bäckerei zur Hand zu gehen.

Zwar gehört der Schwester direkt neben ihrem Hof noch eine größere Wiesenfläche, doch die braucht sie für ihre Landwirtschaft und die Tiere. Deshalb möchte sich der Bruder ein paar Meter weiter am Ortsrand ein Einfamilienhäuschen bauen – und damit mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Das Veto der Unteren Naturschutzbehörde ist da vorprogrammiert – auch wenn Christine Braun in der Sitzung des Umweltausschusses versicherte, dass das Amt „schon an einer Lösung interessiert war“. So hätte die Gemeinde Happurg dem Bauherrn leerstehende Flächen im Ort oder auf einem bereits 2002 aus dem LSG genommenen Areal am nordwestlichen Ortsrand anbieten können. Auch eine Rücknahme von dort schon ausgewiesenen, noch nicht bebauten Flächen quasi im „Tausch“ für das vom Bauherrn favorisierte Stück Land wäre möglich gewesen.

Letzteres aber „würde den Ortsfrieden ein Stück weit sprengen“, sagte Bogner, der die Mitglieder des Umweltausschusses eindringlich darum bat, die Fläche aus dem LSG herauszunehmen, um den landwirtschaftlichen Betrieb der Schwester aufrechtzuerhalten und Aicha die Chance zu einer weiteren Entwicklung zu geben.

Für BBV-Vizepräsident und CSU-Kreisrat Günther Felßner keine Frage: „Es kann nicht sein, dass wir Betriebe gefährden, die für den Erhalt der von uns geschützten Landschaft sorgen.“ Hartensteins Bürgermeister Werner Wolter (Freie Wähler), der im Juli mit einem ähnlichen Anliegen noch gescheitert war, signalisierte ebenso Zustimmung („Unproblematisch“) wie Pommelsbrunns SPD-Rathauschef Jörg Fritsch („Wir Land-Bürgermeister müssen um jeden Bauplatz kämpfen – während die Stadt Lauf solche Probleme überhaupt nicht kennt“) oder sein Reichenschwander Amts- und Parteikollege Bruno Schmidt: „Da stellt ja kein Wohlhabender ein Haus mit schöner Aussicht hin.“

Geradezu „deprimierend“ fand Elfi Beck (SPD) diese für sie unheilige Allianz der Bürgermeister. Und auch Eckart Paetzold von den Grünen lehnte den Antrag rundherum ab: „Wir sollten den Landschaftsschutz ernst nehmen.“ Hans-Joachim Dobbert nahm die Rathaus chefs zwar in Schutz („Das sind sicher keine Naturzerstörer“), hielt ihnen aber vor, beim Einsatz für ihre Gemeinde oft nicht über den Tellerrand hinauszuschauen. „Wenn wie hier eine Zersiedelung der Landschaft droht, müssen wir aufpassen“, sprach er sich ebenfalls gegen das Vorhaben in Aicha aus.

Norbert Thiel (CSU) hielt dagegen, dass die ins Auge gefasste Fläche im Verhältnis zum ganzen – schutzwürdigen – Landkreis nur „ein Tropfen“ sei, im mit nur wenig Platz gesegneten Aicha aber kaum eine andere Chance bestehe, sich zu entwickeln. Und auch Felßner brach ein Lanze für die von Dobbert monierte Praxis, immer wieder über die Herausnahme von Flächen abstimmen zu müssen (in der Juli-Sitzung lagen entsprechende Anträge aus Rückersdorf und Hartenstein vor): „Wenn die Landschaftsschutzgebiete wie bei uns bis zum letzten Gartenzaun gehen und wir uns immer wieder Einzelfälle genau anschauen müssen, ist das immer noch besser für unsere Natur, als wenn die Schutzgebiete wie in anderen Landkreisen bewusst weit weg von den Gemeinden beginnen, um deren Entwicklung nicht zu gefährden.“

Letztlich stimmte der Umweltausschuss gegen vier Stimmen der Herausnahme zu, das (vorerst) letzte Wort hat nun der Kreistag in seiner Sitzung am kommenden Montag. Selbst bei einem „Ja“ rücken die Bagger übrigens nicht sofort an, weil erst noch das übliche Prozedere der Bauleitplanung durchlaufen werden muss, wie Landrat Armin Kroder anmerkte.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta