Umfrage unter Schreinern

Ist nur das Holz nachhaltig?

Die heimischen Schreiner setzen auf Holz aus Deutschland und aus der Region. Davon wächst genug nach und die Transportwege sind kurz. | Foto: animaflora - stock.adobe.com2019/12/AdobeStock-96286811.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ  – Sie arbeiten jeden Tag mit einem nachwachsenden Rohstoff – und das größtenteils mit ihren Händen: die Schreiner. „Das ist schon sehr nachhaltig“, ist herwig Danzer überzeugt. Aber die heimischen Holzverarbeiter tun noch mehr.

Und das nicht unbedingt, weil die Kunden es fordern: „Ökologie und Regionalität sind weiche Faktoren. Bei der Kaufentscheidung zählen aber tolle Geräte, Beratung oder einfach nur die Optik des Möbelstücks“, weiß Danzer. Für ihn und seine Möbelmacher hat Nachhaltigkeit vor allem etwas mit Qualität zu tun.

Daher verarbeiten die Unterkrumbacher zu 95 Prozent Massivholz von Bauern der Umgebung, das sie über die Forstbetriebsgemeinschaft beziehen. Müssen Nussbaum, Zirbe oder Schwarznuss zugekauft werden, geschehe das über regionale Händler. „Klar schränkt das die Auswahl ein, dass wir kein Tropenholz oder so anbieten.“

Doch hier kennt Danzer das Material und gönnt diesem „sehr energiesparende Jahre im Außenlager“, bevor es schonend getrocknet wird in einer Kammer, die mit Restholz beheizt und Solarstrom belüftet wird. Dieses Zeitlassen passe zudem wunderbar zur Cittaslow, findet Danzer.

Öl der Natur

Nachhaltigkeit hört bei ihm hier nicht auf. „Ein wesentlicher Teil nach dem Holz ist die Oberfläche.“ Diese bearbeiten die Möbelmacher mit Naturholzölen; sind Glasscheiben als Front gewünscht, setzen die Schreiner diese ein anstatt sie zu kleben. „So kann man sie austauschen und die reinen Produkte bei einem Abbau voneinander trennen und entsorgen.“

Schubladen bauen die Möbelmacher selbst. Bei Zubehörteilen setzen sie beispielsweise auf Schlosser der Gegend und damit „regionale Wirtschaftskreisläufe“, und der Unterbau für die Mülleimer ist aus Metall: „Aber da können wir nicht auf Plastik verzichten.“

Bei der Verpackung der fertigen Möbel aber schon: „Wir verwenden beim Transport Decken und Gurte.“ Außer es geht für eine Küche per Container nach Miami. „Da haben wir gemerkt, was das für ein Folien-Wahnsinn ist und was wir normalerweise nicht brauchen.“ Immerhin konnte Danzer Pappe als Eckschoner einsetzen; für andere Lösungen sei der Aufwand für einen einmaligen Auftrag zu groß gewesen.

Generell ist Danzer der Überzeugung, dass noch mehr aus Holz möglich ist. „Hier in Deutschland wächst mehr nach als abgeholzt wird.“ Das Problem sei die Papierindustrie, die viel importiert, erklärt er. Zudem verbessere Holz Wohnqualität und Raumklima – und lasse sich individuell an den Kunden anpassen.

Kurzlebige Masse

Denn: „Dass wir mit den Menschen nach deren Geschmack, Bedürfnissen und Wohnraum Möbel entwerfen, ist auch ein Aspekt der Nachhaltigkeit.“ Wer kein Massenstück aus dem Möbelhaus hat, sondern einen individuellen Tisch, tausche diesen nicht so schnell, vielleicht nie, aus, erläutert Danzer. Seine Werkstatt nimmt zudem Möbel zurück oder baut sie um – ganz entgegen dem Gedanken der Wegwerfgesellschaft.

Diesem folgt auch die Schreinerei Albatros in Happurg: „Nachhaltigkeit bedeutet für uns Wertschöpfung aus nachwachsendem Material und ein langlebiges Möbelstück“, betont Chef Thomas Schmidt. Und diese Wertigkeit komme auch bei den Kunden verstärkt an. Sie seien bereit, dafür mehr auszugeben, und würden öfter wissen wollen, wo das Holz herkommt.

Ähnlich wie bei den Kollegen in Unterkrumbach landen bei Albatros nur Massivhölzer aus Deutschland oder maximal Europa unter der Säge. „Spanplatten haben nichts mit Nachhaltigkeit zu tun“, sagt Schmidt. Da die Schreiner keine Lacke und Kunststoffe verwende, falle nur „ein absolut geringes Maß an Sondermüll“ an.

Einfach unverpackt

Und für das könne Albatros oft nichts, denn es handle sich um Verpackungen von Lieferanten. „Das lässt sich leider noch nicht ändern, dazu müssten diese umdenken.“ Dadurch, dass aber Glas oder Beschläge vom heimischen Glaser oder Schmied kommen, so Schmidt, vermeide der Handwerksbetrieb Müll. „Die Teile können wir selbst und unverpackt abholen.“ Ohne Schutz lassen sich die Möbel dagegen nicht ausliefern; hier greift Albatros auf entsprechende Decken zurück, verrät Schmidt.

Nicht nur der Werkstoff ist bei den Happurgern nachhaltig, auch die Werkstatt: „Unsere Späne pressen wir und verheizen sie zusammen mit den Holzresten, und unser Strom kommt vom Solardach.“ Über E-Mobilität habe man schon nachgedacht, berichtet Schmidt, „aber das ist derzeit noch nicht umsetzbar“.

Buntes Wasser

Alles, was die Maschinen wegfräsen, wird auch in der Weigendorfer Schreinerei Seitz verheizt, sagt Chef Ralf Seitz. Er und seine Mitarbeiter fertigen hauptsächlich Holzfenster – von Bäumen aus dem bayerischen Wald. Die Oberflächen-Farben seien wasserbasiert und daher umweltfreundlich und somit für Kindergärten gut geeignet.

Seitz hält Holz nicht nur für nachhaltig, weil es nachwächst, sondern auch weil es als CO2-Speicher dient. Und die Herstellung benötigt laut des Forschungsinstituts „Katalyse GmbH“ nur ein Elftel der Energiemenge, die für Konkurrenzwerkstoffe ermittelt wurde: Sind es beim Holzfenster nur 63,8 kWh Primärenergie, müssten für ein Fenster aus künstlichem Material 731,4 kWh aufgewendet werden, rechnet Seitz vor.

Er rückt aber noch einen anderen Aspekt der Nachhaltigkeit in den Fokus – Produktion vor Ort. „Insgesamt wächst wieder das Bewusstsein, dass es Sinn macht, Arbeitsplätze vor Ort zu stärken – wie bei uns mit Aufmaß, Produktion, Montage aus einer Hand von eigenen Mitarbeitern“, stellt Seitz heraus.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren