Das Problem mit dem Müll

Gehäufte illegale Entsorgungsaktionen?

Immer häufiger ist an Altglascontainern, wie hier in Reichenschwand, illegal abgestellter Müll zu finden. | Foto: Gemeinde Reichenschwand2021/04/Abfallentsorgung-Rschwand.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – „Das hatten wir jetzt auch noch nicht“, stellt Michelle Ermer ernüchtert und schockiert fest. An den Anblick von Plastiktüten mit und ohne Lebensmittel, Bierflaschen, leere Gurkengläser, Mundschutz. Blumentopf und Gartenabfällen am Wegesrand und im Entwässerungs-Graben rund um die Fuchsau hat sich die Altensittenbacherin sozusagen schon gewöhnt. Jetzt lag ein alter Sessel in der Flur. Kein Einzelfall.

Denn auch die Stadtverwaltung Hersbruck hat vor einigen Wochen entdeckt, dass „eine große Menge Grünabfälle und Bauschutt aus privaten Grundstücken auf den städtischen Flächen am Hutanger in Altensittenbach abgelegt wurde“. Und nicht nur das: „Wir haben den Eindruck, dass seit der Pandemie verstärkt illegal (Sperr-) Müll bei den Altglascontainern entsorgt wird“, erzählt Bürgermeister Robert Ilg.

Bitte um Mithilfe

Diese Einschätzung unterstreichen Beobachtungen der Gemeinde Reichenschwand: Bei den Altglascontainern in der Lambacher Straße und am Wertstoffhof wurden in letzter Zeit wiederholt Ablagerungen mit Rest- und Sondermüll festgestellt. Außerdem wurden Hundekotbeutel illegal in Mülleimer geworfen. „Wir bitten die Bevölkerung um Mithilfe, diese Umweltsünder dingfest zu machen“, schrieb die Verwaltung im Monatsblatt für April. Denn, wie llg betont, sind wilde Ablagerungen von Abfällen verboten und werden angezeigt.

Das Problem: Die Städte und Gemeinden sind hierbei auf Hinweise der Bürger angewiesen. „So konnten wir schon zwei Anzeigen erstatten“, sagt Ilg. Denn man könne ja kein Personal zur Überwachung an den Containern postieren. „Aber wir prüfen derzeit, ob es datenschutzrechtlich möglich ist, eine Kamera aufzustellen.“ Dass das Abfall-Problem nicht erst mit Corona kam, ist Ilg klar. Dennoch sei es in der Pandemie größer geworden. „Dabei wird Sperrmüll wie jeher abgeholt und die Wertstoffhöfe haben auf.“

Mehr Mülleimer?

Und der oft gut gemeinte Rat, doch mehr Mülleimer aufzustellen, verstärke das Ganze nur noch, „weil die Leute dann noch mehr Zeug abladen“. Diese Ansicht teilt auch Happurgs Bürgermeister Bernd Bogner: „Die Menschen sehen einen Mülleimer und denken, dass sie ihren Hausrat dort entsorgen können.“ Vielen fehle es am Unrechtsbewusstsein sowie am Benehmen.

Dass einige Leute einfach in den Wald fahren und ihr Gerümpel oder ihre Gartenabfälle dort abladen, das sei schon immer ein Problem. An einigen Stellen sei die Gemeinde inzwischen selbst aktiv geworden und hat Gruben zugeschüttet. Ändern würde sich nur etwas bei einem Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, ist er sich sicher und fragt sich, warum es an einem österreichischen See ohne Mülleimer sauber bleibt und hier nicht?

Gerümpel hinterm Haus

Vielleicht weil beim ein oder anderen das Problem schon auf dem eigenen Grundstück anfängt. Nicht nur Bogner ist aufgefallen, dass es Kleingartenbesitzer gibt, die Unrat für Sperrmüll und Wertstoffhof – aus welchen Gründen auch immer – nun hinter dem Gartenhaus lagern. „Ob das nun schön aussieht oder nicht, spielt keine Rolle“, erläutert Rolf List vom Landratsamt Nürnberger Land.

Entscheidend ist: Wenn es sich bei den Ablagerungen um Abfall im Rechtssinn handelt, ist das ein Verstoß gegen § 28 Abs. 1 Kreislaufwirtschaftsgesetz. „Da liegen die Bußgelder meist zwischen 80 und 320 Euro.“ Doch vielleicht möchte der Besitzer das Gelagerte noch als „wertvolles Baumaterial“ verwenden, dann würde gelten: „Schaut nicht schön aus, ist aber kein Abfall.“

Wenn es aber Landschaftsschutzgebiet ist, dann spiele auch die optische Anmutung eine Rolle, weiß die Untere Naturschutzbehörde. Stellt die Behörde fest, dass die Ablagerung weg muss, kann deren Entfernung sogar erzwungen werden, betont List.

Grünzeug im Wald

Wie hoch ein Bußgeld ausfällt, liege daran, was, wie viel und ob gefährlicher Müll abgeladen wurde, sagt Klaus Bald von der Hersbrucker Polizei. Er könne über kein großes Aufkommen an Vergehen berichten. „Die Leute sind schon umweltbewusst.“ Dennoch muss die Polizei immer wieder Anzeigen von Müllablagerung im Außenbereich nachgehen. Die Frage sei dann, ob man im Müll Hinweise auf den Verursacher entdeckt. Ist das nicht der Fall, lohnt auch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nicht, so Bald.

Das Abstellen von Müll an Eimer oder Containern sei ein größeres Problem. Manchmal seien die Leer-Intervalle vielleicht zu groß und die Abfallbehälter schon voll; manchmal die Löcher für Gegenstände zu klein. Bald gewinnt der Tatsache, dass die Menschen den Müll neben den Behälter stellen etwas Positives ab: „Sie sind willens, den Abfall der rechtmäßigen Entsorgung zuzuführen.“ Dennoch wundert sich auch Bald immer wieder über die illegalen Ansammlungen: „Wir haben doch hier ein funktionierendes Entsorgungssystem.“

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