Veranstaltung demokratischer Parteien in Schupf

Gedenken an die Opfer des KZ Hersbruck

Unter den Zuhörern waren Helmut Ritzer, Landrat Kroder und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Foto: J. Ruppert2015/11/Schupf2.jpg

SCHUPF – An sich wollte Karl Freller vor der großen Urne an die Opfer des KZ-Außenlagers Hersbruck erinnern. Doch bei der traditionellen Gedenkfeier nahe Schupf waren die Anschläge in Paris ebenso ein Thema. „Extremismus ist Gift für die Welt“, sagte der CSU-Politiker an die Adresse der Islamisten. „Wir trauern mit Frankreich“, fasste Dr. Helmut Ritzer, der Initiator der Veranstaltung, seine Gefühle in schlichte Worte.

Karl Freller war erneut innerhalb weniger Jahre Hauptredner am Schupfer Mahnmal. Grund ist seine Funktion als Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten. Diese baut in Hersbruck und in Happurg zwei Dokumentationspunkte, um an die dunkelsten Kapitel beider Orte zu erinnern: das KZ-Außenlager und das Rüstungsprojekt Doggerwerk, für das Tausende von KZ-Häftlingen sterben mussten. „Wir brauchen diese Erinnerungskultur: Denn wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt, dann wird dort über die Geschichte informiert, es werden Biografien erzählt und Zusammenhänge erklärt. Es ist ein Ausdruck, dass nicht vergessen werden darf, was da geschehen ist“, begründete der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion das Projekt.

Im Wald unterhalb von Schupf waren ab Ende 1944 Leichen aus dem Hersbrucker Außenlager unter freiem Himmel verbrannt worden. Mit Zitaten veranschaulichte Karl Freller die Schrecken von einst: „Die 160 Toten konnten wegen Nässe nur unter großen Schwierigkeiten verbrannt werden. Ein Anhänger voller Leichen löste sich bei der Auffahrt, rollte in das Tal, kippte um und die Toten wurden auf die Straße geschleudert.“

Bei Hubmersberg gab es eine ähnliche Stätte wie nahe Schupf, sagte Karl Freller. Ein ansässiger Gastwirt schilderte nach dem Krieg: „Die Rauchschwaden der Scheiterhaufen waren kilometerweit zu sehen. Und mit dem Rauch dieses furchtbaren Feuers verbreiteten sich die Gerüchte.“ Dies zeigt, dass die Zivilbevölkerung Bescheid wusste.

Die Spuren der Gräueltaten verschwanden. Der CSU-Politiker sieht die beiden Dokumentationsstätten nun als Ausdruck dafür, dass nicht vergessen werden darf, was geschehen ist. Er betonte, dass die jetzige Generation nicht für das verantwortlich ist. Jedoch ist sie verantwortlich für das, was kommt.

Am 25. Januar 2016 weiht der Bayerische Landtag im Rahmen des jährlichen Holocaustgedenktags (eigentlich zwei Tage später am 27. Januar) die Dokumentationsorte in Hersbruck und Happurg ein. Karl Freller sagte, dass der Festakt bewusst dort stattfindet, wo gelitten wurde. In den Festakt sind auch Schüler eingebunden. Bereits Helmut Ritzer, früher Vizepräsident im Landtag, hatte zu den Terrorakten in Paris Stellung bezogen und eine wehrhafte Demokratie gefordert. Den religiösen Fundamentalismus der Attentäter nannte er eine Seuche und verglich sie mit der rückwärts gerichteten, bildungsfeindlichen Ideologie der Nazis.

Karl Freller sah eine schwierige Diskussion im Hinblick auf die Flüchtlinge aus der islamischen Welt voraus. Die notwendige Hilfsbereitschaft dürfe aber nicht aus Angst vor Unterwanderung beeinträchtigt werden.

Wie immer waren Abgeordnete, darunter Gabriela Heinrich als Mitglied des Bundestages und Angelika Weikert, Landrat Armin Kroder, mehrere Bürgermeister, Vertreter von Institutionen und Verbänden zu der Gedenkstunde am Schupfer Mahnmal gekommen und zeigten damit ihre Verbundenheit gegen Nationalsozialismus, Fremdenhass und Extremismus. Besonders wurde der Dokuverein KZ-Hersbruck begrüßt, der großen Anteil daran hat, dass die Nazi-Verbrechen rund um das Doggerwerk nicht vergessen werden. Mitglieder des Kreistages legten einen Kranz an der großen Urne nieder.

„Jedes brennende Asylbewerberheim ist eine Verhöhnung der Opfer der NS-Tötungsmaschinerie“, sagte Pfarrerin Ursula Butz-Will und warb für Menschlichkeit auch unter dem Eindruck der Anschläge in Paris. Ihr katholischer Kollege Wunnibald Forster betete, dass die Verfolgten in aller Welt eine bessere Zukunft haben sollen. Schon traditionell sorgte der Posaunenchor Kainsbach-Schupf unter seinem Leiter Jürgen Vogel für die passende musikalische Umrahmung und erntete ein Sonderlob von Helmut Ritzer.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert