Weideaustrieb auf dem Hutangerhof

Die Kühe sind wieder los

Beim Austrieb gehen Rainer Wölfel und die Leitkuh voran. | Foto: T. Geiger2020/06/redweb3000-TDG20200514-Austrieb-097-scaled.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Den Winter verbrachten die Rinder des Naturschutzzentrums Wengleinpark im Stall in Steinensittenbach. In den vergangenen Wochen zogen die Herden nacheinander auf die Sommerweiden – verteilt über das ganze Hersbrucker Umland.

Die Tiere grasen nun im Molsberger Tal, auf den Hutangern von Hinterhaslach und Schupf, an der Mühlkoppe von Pommelsbrunn, im Steinbruch von Hartmannshof und auf den Hutangern rund um Steinensittenbach. Diese Herde machte den Abschluss.

Das Hutanger-Beweidungsprojekt des Vereins Naturschutzzentrum Wengleinpark ist ein Modellbetrieb für die Landschaftspflegebeweidung in kleinstrukturierten Mittelgebirgslagen. Der Verein arbeitet mit sieben Einzelherden. Die Rinder beweiden vor allem 
Hutanger, Naturschutzgebiete und naturschutzfachlich wertvolle Standorte. Der Vorteil: „Die Tiere pflegen die schwierigen Standorte besser als jede Maschine“, sagt Rainer Wölfel, Agraringenieur und Leiter des Hutangerprojekts.

Mehr Insektenvielfalt auf der Weide

Auch auf die Artenvielfalt hat die Rinderbeweidung positive Auswirkungen: Durch die Anwesenheit der Paarhufer erhöht sich die Insektenvielfalt auf der Weide. Die Insekten wiederum sind Nahrungsgrundlage anderer Tiere, die rund um die Wiesen leben. Und: „Die Rinder pflegen die teils schwer zugänglichen Flächen wirtschaftlich günstiger ab als Maschinen“, so Wölfel.

Doch für ihre schonende Arbeit würden sie nicht gerecht entlohnt, so der Agraringenieur weiter. „Während die zweibeinigen Landschaftspfleger nach Stundenaufwand abrechnen, wird die Abweidung nach standardisierten Flächenprämien bezahlt – was den tatsächlichen Betreuungsaufwand vieler Flächen nicht abdeckt.“ Das Naturschutzzentrum ermittelt anhand dieser Nutzungsbeispiele Daten, die dazu beitragen, die naturschutzfachlich sinnvolle Beweidung künftig besser zu entlohnen.

Vielfältige Aufgaben

Wölfel und der Natur- und Landschaftspfleger Andreas Roth kümmern sich um die Tiere. Dafür sind sie in Teilzeit angestellt. Als Gebietsbetreuer sind sie auch für die Hutanger zuständig. Die Gebietsbetreuerstellen werden vom bayerischen Naturschutzfonds gefördert. Ihre Arbeit ist vielseitig: Wölfel und Roth kontrollieren täglich die Weidetiere, errichten bei Bedarf neue Zäune und pflegen bereits vorhandene. Auf den kleinen Flächen, die schnell abgegrast sind, treiben sie die Herden immer wieder um.

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Mit dem bayernweit einmaligen Beweidungsbetrieb hat das Naturschutzzentrum noch einiges vor: „Wir wollen die wissenschaftliche Arbeit zur Förderung von Insekten auf Weideflächen ausweiten und die Kooperation mit Universitäten und Fachhochschulen ausbauen“, so Wölfel. Im Auftrag der mittelfränkischen Regierung wird die Beweidung im Molsberger Tal bereits wissenschaftlich begleitet. Über ihre Öffentlichkeitsarbeit informieren sie Interessierte rund ums Thema Beweidung und Naturschutz. „Unser Betrieb ist auch ein Beispiel für Praktiker, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, eine eigene Mutterkuhherde anzuschaffen“, so Wölfel.

Private Kuhpaten

Ob für diese Pläne in den nächsten Jahren noch Fördermittel zur Verfügung stehen, wird sich noch zeigen. Private Unterstützung bekommt das Naturschutzzentrum mit dem Hutanger-Patenschaftsmodell. Daran kann sich jeder beteiligen. Die Paten nehmen an gemeinsamen Aktionen teil und können das Weidefleisch erwerben.

Für die Tierbetreuung und den landwirtschaftlichen Betrieb sucht das Naturschutzzentrum Wengleinpark eine Teilzeitkraft zur Unterstützung. Bewerbungen unter der Telefonnummer 09151/70200 und der E-Mail-Adresse [email protected] Weitere Infos zum Hutangerprojekt auf der Website.

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