Hotellerie

Corona verändert die Gästestruktur

Parkett statt Teppich für mehr Hygiene und etwas Luxus: Damit wollen Stephanie Erras und die Kainsbacher Mühle verstärkt auf Urlaubs- statt Tagungsgäste setzen. | Foto: A. Pitsch2021/06/IMG-20210622-104134.jpg

KAINSBACH – Der zweite Lockdown im Herbst vergangenen Jahres sei sehr schnell gekommen, und wieder für die „extrem Leidtragenden“, findet Stephanie Erras. In der Phase war ihr und ihrem Mann Ron klar: „Wir müssen die Kainsbacher Mühle neu aufstellen.“ Denn aufgeben, das kam für die beiden bei ihrem „Lebensprojekt“ nicht in Frage.

Vor knapp sechs Jahren stellten sich die Nürnberger der Herausforderung des historischen Mühlengebäudes. „Wir haben in der Anlage von Beginn an großes Potenzial gesehen – wegen der Lage, der Landschaft und der Räumlichkeiten“, sagt Erras. Da sie aus dem Bereich Tagung/Business kamen und sich mit diesem Bereich auskannten, konzentrierten sie sich darauf, verrät die Chefin.

Was auch zunächst in der Corona-Krise kein Fehler war: „Wir haben Geschäftsreisende beherbergt und Essen to go angeboten – alles, was möglich war.“ 13 Mitarbeiter musste Erras in Kurzarbeit schicken; trotzdem seien alle geblieben. Auch staatliche Hilfen habe sie beantragt und problemlos erhalten. „Wir sind damit über die Runden gekommen, aber bei einem vollen Haus hätten wir einen anderen Umsatz generiert.“

Viel Arbeit für Nichts

Doch statt wieder mehr Gäste gab es ab Herbst so gut wie keine mehr. Klar habe die Politik handeln müssen, um die Neuinfektionen zu reduzieren, blickt Erras zurück. „Aber alles, was wir uns an Hygienekonzepten erarbeitet hatten, war umsonst.“ So konnte sie beispielsweise den Einbahnstraßenverkehr durchs Restaurant, das seit Anfang Juli geöffnet ist, wieder einstampfen.

Ab diesem Augenblick begann sich das Paar „intensive Gedanken zu machen“. Beiden war klar, dass sie mit dem Haus weiterkommen wollen. Dazu müssten sie den Urlaubsgast, speziell Wellness-Suchende und Familien, nach Corona mehr in den Blick nehmen. Zimmer auf älterem Stand im Haupthaus empfanden die beiden dafür als nicht förderlich. „Und ohne Gäste konnten wir Lärm und Dreck machen.“ Also machte Erras den „Schäufele-Drive-in“ zu und peilte die Kernsanierung von 15 Räumen an – trotz Magenschmerzen. Denn: „Ein mittlerer sechsstelliger Bereich ist schon ein Wagnis in dieser Zeit.“ Zumal die Banken auf Sicherheiten bedacht seien. Viele Erklärungen und Zahlen hätten bei der Kreditvergabe aber für Verständnis gesorgt.

Urlaub wird es weiter geben

Und so konnte Erras nicht nur die Renovierung anpacken, sondern auch gleich Hygienestandards umsetzen: Die Teppiche wichen Echtholzparkett, die Fliesen mit Fugen in den Duschen großen Wandplatten. „Wir wollten Materialien, die leicht abwaschbar und desinfizierbar sind“, begründet Erras die Entscheidung. Zudem schraubten sie noch an Komfort sowie per Photovoltaikanlage an der Nachhaltigkeit, berichtet Erras.

Die Schreibtische durften ihren Platz in den Zimmern behalten. „Wir wollen eine Kombi schaffen.“ Denn Erras ist überzeugt, dass Tagungen wiederkommen werden. Teambuilding-Maßnahmen etwa seien auf persönlichen Kontakt angewiesen. „Doch jetzt wird erst einmal der Urlaubsgast an erster Stelle stehen.“

Der ist allerdings noch zögerlich mit Buchungen, weiß Erras. „Einige sind zurückhaltend.“ Auch bei den Hochzeiten musste Erras lernen, flexibel zu sein. „Größere Feiern wurden kleiner wegen der Vorgaben.“ Andere fragten spontan an, wieder andere würden sogar das dritte Jahr verschieben, weil sie auf eine riesige Sause nicht verzichten möchten. Doch das alles zeige eines: Feiern und Urlaub wird es auch in Zukunft geben und dafür sehen sich Stephanie und Ron Erras mit ihrer über 700 Jahre alten Mühle gerüstet.

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