Bürgermeisterduelle: Enttäuschung, Freude und Überraschungen

„In die Köpfe kann man nicht blicken“

HERSBRUCKER SCHWEIZ / WEIGENDORF – Acht Duelle hatte der Wahlsonntag in den Gemeinden der Hersbrucker Schweiz und der Oberpfalz zu bieten. Richtig spannend, da mit knappem Ausgang, waren nur das Rennen um den Rathaussessel in Weigendorf und in Happurg. Dort geschah auch die größte Überraschung: Bernd Bogner (FWG) löst Helmut Brückner (CSU) ab – und der Herausforderer kann das selbst noch nicht ganz glauben.

„Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Bogner im HZ-Gespräch, „mein Ziel war es, in die Stichwahl zu kommen“. Die wird es nun aber nicht geben, denn er schlug Brück ner (40,1 %) und den dritten Bewerber, Alfred Pürzer (SPD, 9,2%) mit 51,6 Prozent. Diese totale Überraschung sei auch in Happurg zu merken, beschreibt Bogner die Stimmung im Dorf. „Schließlich ist es schwieriger, gegen einen Amtierenden anzutreten, als sich um eine Vakanz zu bewerben.“ Als Gründe für seinen Erfolg macht Bogner „viele kleine Mosaiksteinchen“ aus, darunter aber vor allem, dass „seine tolle Truppe“ und er es geschafft haben, eine Gruppendynamik zu entwickeln und diese „positive Stimmung in die Bevölkerung zu tragen“.

Da Bogner kein Gemeinderat ist, bedeutet das Ergebnis für ihn eine besondere Wertschätzung. Zu Jubelstürmen reißt ihn das dennoch nicht hin: „Ich freue mich innerlich und außerdem ist da schon Respekt vor der neuen Aufgabe.“ Bislang war und noch bis Mai ist Bogner Geschäftsleiter der Gemeinde Pommelsbrunn. Dass er seinen Job nun aufgeben muss, hat er bislang ausgeblendet – „Selbstschutz vielleicht“. Daher weiß er auch nicht, welche Gedanken sich Bürgermeister Jörg Fritsch schon gemacht hat. „Dass ich in Happurg kandidiere, hat mir hier jedenfalls nie jemand vorgeworfen.“ Fritsch war Sonntag sogar in Happurg.

Bogner möchte jetzt erst einmal alles „sacken lassen“ und denkt, dass das auch Helmut Brückner nötig haben wird. „Für ihn ist das eine ganz schwierige Situation“, denkt Bogner gleich von selbst an den Unterlegenen, der für die HZ heute nicht erreichbar war. Er, Bogner, sei eben kein Typ, der über Leichen geht.

Auch wenn Fabian Bräutigam (WGW) ebenfalls zu den „Verlierern“ im Duell ums Weigendorfer Rathaus zählt, so sind für ihn die reinen Zahlen doch ein kleiner Erfolg: Seit über zwei Jahrzehnten hatte die CSU mal wieder einen Gegenkandidaten – und der erreichte gleich beim ersten Versuch 43,5 Prozent gegenüber den 56,4 Prozent von Reiner Pickel (CSU). „Das ist schon noch gut, auch wenn ich ein wenig mehr erwartet hatte“, gibt der neue Bürgermeister zu, „Aber in die Köpfe der Wähler kann man nicht hineinschauen“.

Mit den Erfahrungen als langjähriger zweiter Bürgermeister geht Pickel gelassen ins Amt. Donnerstags und freitags bekommt er von Sebald Zement frei dafür – „sonst hätte ich das nicht machen können“. Mit seinem Gegner wird Pickel trotz dessen Niederlage zusammenarbeiten müssen: Fabian Bräutigam zieht in den Gemeinderat ein: „Ich freue mich darauf und denke, dass es eine spannende Zeit wird nach der Ära Schmid.“ Denn fast die Hälfte des Gemeinderats ist ebenfalls neu. Bevor es aber ans Anpacken und die ers ten Sitzungen geht, freut sich Bräutigam erst einmal über das „durchaus sehr akzeptable Ergebnis“.

Neben Weigendorf war in Kirchensittenbach ebenfalls ein neuer Bürgermeister zu wählen. Hier setzte sich Klaus Albrecht (FWG) klar mit 66,7 Prozent vor Sven Munker (CSU, 33,2%) durch. Der ab Mai neue Rathauschef hat sich über die Zahlen sehr gefreut, vor allem, weil er vorher in seiner zurückhaltenden Art „keine Prognose abgeben“ wollte. Dass der Wahlkampf fair ablief, betont Albrecht mit Nachdruck: „Die Niederlage hätte ja auch mich treffen können.“

Munker und er haben nach der Entscheidung sofort miteinander gesprochen, der Unterlegene gratulierte. Für Albrecht ist das und die gemeinsame Wahlparty aller Gruppierungen am Sonntag eine wichtige Voraussetzung für seine Amtszeit: „Wir müssen alle miteinander eine saubere und anständige Arbeit leis ten, über die Parteigrenzen hinweg. Das sind wir den Bürgern schuldig.“ Klar ist Albrecht aber auch, dass das Amt eine echte Herausforderung für ihn wird.

Munker hatte sich mehr erhofft, aber „der Wählerwille ist klar erkennbar“, klingt Munker leicht enttäuscht. Vielleicht wollten die Bürger endlich jemanden, der direkt in Kirchensittenbach wohnt, mutmaßt er, denn das ist mit Albrecht erstmals seit langem der Fall. Beruflich geht es für den Bauhofleiter in der Gemeinde weiter wie bisher. Da er nicht im Gemeinderat ist, liegt die Politik vorerst auf Eis. „Und was in sechs Jahren ist, wird man sehen.“

Ähnliches ist von Markus Gnan (SPD) zu hören, der sich in Neuhaus mit 25,6 Prozent den 74,3 Prozent von Amtsinhaber Josef Springer (CSU) beugen musste: „Die Eindrücke sind zu präsent und das Ergebnis doch zu eindeutig.“ In seiner Enttäuschung klingt aber auch Mut und Stolz mit, es als „Quereinsteiger von null auf einen fahrenden Zug“ gewagt zu haben. Warum es für den Kämmerer in Heroldsberg nicht gereicht hat, obwohl die letzten beiden amtierenden Bürgermeister jeweils von den Herausforderern verdrängt wurden? „Ich wäre der vierte Neue in der vierten Periode gewesen“, meint Gnan, „viele dachten sich da vielleicht: Nicht schon wieder ein Neuer“. Und oft habe der 37-Jährige zu hören bekommen: „Super, dass Du Dich bewirbst, aber Du bist ja noch jung“. Die Sache mit der Kontinuität greift auch Wahlsieger Springer auf: „Ich sehe das als Bestätigung für unsere Arbeit und als großen Vertrauensbeweis.“ Daher war er freudig überrascht über die deutlichen Prozentzahlen, was die Anspannung zunächst abfallen ließ. Aber er weiß auch, dass es „viel zu arbeiten gibt“.

Gelassen geht Volker Herzog (SPD, 61,1%) in seine vierte Amtszeit: „Bis 17 Uhr hab ich keinen Gedanken an die Wahl verschwendet. Ich bin kein Mensch, der in Panik verfällt.“ Denn obwohl sein Erfolg über Bernd Müller (CSU, 38,8%) deutlich war, sagt er: „Damit rechnen darf man nie.“ Mit dieser Ruhe wird Herzog die Arbeit konsequent weiterführen: „Wir werden keine außergewöhnlichen Klimmzüge machen.“ Erst einmal alles verdauen muss Herausforderer Müller. „Das ist ein relativ enttäuschendes Ergebnis“, findet er, zumal er sich keine groben wahltaktischen Fehler vorwirft. Als Gemeinderat bleibt er der Politik treu.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch