Dämmersitzung von Feucht-fröhlich in der Reichswaldhalle

Gute Laune und ein beurlaubter Bürgermeister

Andrea Müller inmitten der Elferräte, sie hatte den Antrag gestellt, ins Gremium aufgenommen zu werden. Foto: Wilcke2014/11/ff.jpg

FEUCHT – Mit Bravour meisterte die Faschingsgesellschaft Feucht-fröhlich ihre erste große Herausforderung in dieser Session – die Dämmersitzung. Zur musikalischen Begleitung von Wolfgang Deinzer marschierten Präsident Werner Zobel, Vizepräsident Markus Frank und die Elferräte in die Reichswaldhalle ein. Da es kein Motto für diesen Abend gab, waren die Kostüme kunterbunt, wie der Präsident meinte.

Werner Zobel begrüßte neben den zahlreichen Besuchern vor allem den „entmachteten“ Hausherrn, Bürgermeister Konrad Rupprecht, der demonstrativ mit seiner Frau im Strandurlaubs-Outfit erschienen war, um seine regierungsfreie Zeit bis Aschermittwoch entsprechend zu nutzen.

Daneben zählten weiter zu den Gästen: die 2. Bürgermeisterin Katharina von Kleinsorgen, der 3. Bürgermeister Gerd Steuer, die Fraktionsvorsitzende der SPD, Inge Jabs, ihre Parteikollegin Petra Fischer, die Fraktionsvorsitzende der CSU, Karin Reiwe, Feucht-fröhlich-Ehrenpräsident Mecki Binder, Ehrensenator Walter Kicherer, die beiden Senatoren Hans Heberlein und Norbert Bogner sowie die rührigen Sponsoren Konrad Fuchs vom Backhaus Fuchs und Bernd Jakob vom gleichnamigen Hausmeisterservice. Für den Fastnachtsverband Franken war Richard Willandsheimer gekommen und auch von befreundeten Faschingsgesellschaften nahmen Abordnungen an der Sitzung teil, so von den Lustigen Wenden aus Wendelstein, der Dresdensia Nürnberg, der Schwanenritter Nürnberg und vom Allersberger Faschingskomitee.

Schwungvoller Start

Schwungvoll startete dann das Programm des Abends, das Werner Zobel wieder gewohnt souverän moderierte. Die Jugendgarde präsentierte ihren Marschtanz, anschließend bewies Tanzmariechen Mara Fee Schönweiß, wie einfühlsam sie ihren „Traum“ auf der Bühne in Schritte und Sprünge umsetzen konnte. Dafür gab es von den Besuchern die erste „Rakete“ als Belohnung.

Von den Eibanesen hatte sich Werner Zobel Andrea Müller ausgeliehen, die mit überzeugenden Argumenten einen Antrag stellte, in den Elferrat aufgenommen zu werden, der dringend weiblicher Verstärkung bedarf. Die älteren Herren genügen nicht mehr ihren Ansprüchen, weil immer mehr körperliche Defizite bei ihnen sichtbar werden und die besten Zeiten bei ihnen vorbei sind. Natürlich gab es großen Protest unter den Angesprochenen, aber das Publikum amüsierte sich bestens. Andrea Müller wird mit den Feucht-fröhlichen diesmal auch mit nach Leutschach fahren.

Junioren-Tanzmariechen Fabienne Siegl durfte sich ebenso über Schlachtruf und Rakete freuen wie die Buzzerla, die als Piraten in See stachen. Und bevor Heinz Haffki eine Lanze für die Franken und ihren Dialekt brach, durfte die Juniorengarde beweisen, wie eifrig sie für ihren Marschtanz geübt hatte. Mit der Behauptung, dass der fränkische Dialekt der schönste ist und der Franke selbst weltoffen und sympathisch, sprach Haffki den Besuchern aus dem Herzen. Man merkt es eben nur nicht gleich, weil es mehr nach innen geht und die Franken sich mal wenden lassen sollten, war seine Empfehlung.

Auch die Zeidlergarde beeindruckte dann mit ihrem Marschtanz und leitete damit über zu einer neuen Gruppe von Musikern, die zum ersten Mal in Feucht gastierten und von der „Närrischen Weinprobe“ her bekannt sind. „Hains“ präsentierte musikalische Heimatreportagen zu populären Melodien. Dabei nahmen sie die defekten Panzer der Bundeswehr ebenso aufs Korn wie Bahn- und Pilotenstreik, Macho Putin, sich verbiegende I-Phones und die Bestellsucht der Damen bei Zalando. Das Publikum war so begeistert, dass die drei Musiker nicht ohne eine Zugabe von der Bühne gehen durften.

Nach dem quirligen Tanzmariechen Sophie Renner schilderte Thomas Siebenhaar aus Weißkirchen in Hessen seine Erfahrungen beim Zoobesuch mit seiner Tochter. Angeregt von den wunderschönen Tiersendungen im Fernsehen kam er bei seinem Ausflug schnell auf den Boden der Wirklichkeit. Das Kind stellte ununterbrochen Fragen und wollte ständig etwas essen oder trinken. Den Streichelzoo konnte es wegen der schon fast gewalttätig Futter fordernden Ziegen und Schafe nicht betreten und am Ausgang mussten die Beiden dann noch durch eine Souvenirhalle mit fürchterlichen Plüschtieren. Der Stau am Parkplatz gab ihm dann den Rest.

Junioren auf heißer Spur

„Auf heiße Spur“ machten sich die Junioren mit ihrem Schautanz in einem Feuchter Museum und es gelang ihnen schnell, den verschwundenen Ring wiederzufinden. Der neu gekürte Träger des Fränkischen Kabarettpreises 2014, André Hartmann aus Starnberg, gab ebenfalls sein Debüt in Feucht. Er ist als Gerhard Schröder-Double vom Nockherberg her bekannt und trat so auch in der Reichswaldhalle auf. Aus Geldmangel tingelt er nun als Weihnachtsmann durch Mittelfranken und mietet sich vor Ort seinen Diener Rupprecht. Dass er daneben ein genialer Stimmenimitator ist, bewies er als Franz Beckenbauer, Boris Becker, Marcel Reich-Ranicki und Jogi Löw und mit ungewöhnlichen Interpretationen von Liedern, die ihm die Besucher zuriefen. Wie Christian Ude das Zitat „In der Kürze liegt die Würze“ versteht, beendete seinen Vortrag, für den er begeistert gefeiert wurde.

In die Glitzerwelt von Las Vegas entführte das Männerballett, das die typischen Attribute der Hochzeits- und Spielerstadt darstellte und vom eleganten Anfangsanzug nach und nach Teile ablegte, was vor allem die jungen Damen typisch amerikanisch reagieren ließ.

Der „Straßenmusikant“ Harry Borgner von den Mombacher Bohnebeitel hatte sich vorgenommen, am nächsten Eurovision Song Contest teilzunehmen mit dem unbekannten Lied vom alten Holzmichel. Seine hervorragend ausgebildete Stimme brachte er dann mit Versionen von Karel Gott, Costa Cordalis, Reinhard Mey, Michael Holm, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Howard Carpendale und Udo Jürgens voll zur Geltung. Dass er jede Stimmlage beherrscht, bewies er mit seiner Zugabe, sehr zur Freude der Gäste.

Einen neuen Schautanz hat die Zeidlergarde einstudiert. Mit „Mozart goes modern“ zeigte sie die verschiedenen Epochen und die jeweiligen Tanzstile auf und ließ die Besucher darüber staunen, wie sich eine solch große Gruppe dermaßen graziös und mitreißend auf der Bühne bewegen kann.

Natürlich durften an diesem Abend auch die Ehrungen von Aktiven nicht fehlen. Mecki Binder und Richard Willandsheimer überreichten die Jugendauszeichnungen des Fastnachtsverbandes Franken an Anna Mendl, Jennifer Speyerer, Lisa Ortner, Chantal Jarema, Aileen Karl, Janine Wagner und Lara Hüttner. Dabei betonte Mecki Binder, wie wichtig und wertvoll die Nachwuchsarbeit ist und wie hervorragend diese bei Feucht-fröhlich umgesetzt wird.

Zahlreiche Auszeichnungen

Die Auszeichnungen des Vereins überreichte 1. Vorstand Erwin Wenzel zusammen mit Astrid Waibel. Die Nadel in Silber für 7-jährige aktive Mitgliedschaft erhielten Brigitte Siegl, Alena Gütinger-Meier und Kerstin Ortner. Über den Zeidler in Silber für 10-jährige aktive Mitgliedschaft freuten sich Doris Zobel, Wolfgang Raab, Pascal Czerwek, Larissa Meyer, Armin Meier, Marcel Schickert, Renate Högner und Silvia Grelka. Auf 15 Jahre aktive Mitgliedschaft können Helga Graeßel, Andreas Grelka, René Lange, Nina Paschke und Melina Teichmann zurückblicken, sie wurden dafür mit dem Zeidler in Gold geehrt.

Präsident Werner Zobel bedankte sich abschließend bei den Besuchern und allen Mitwirkenden auf, vor und hinter der Bühne. Er betonte, wie sehr er die Unterstützung seiner Aktiven schätzt, ohne die er einen solchen Abend nicht stemmen könnte. Die Besucher bat er darum, mit einer Fördermitgliedschaft beim Fastnachtsverband Franken (20 Euro jährlich) die Jugendarbeit zu unterstützen und so das Weiterführen des Vereins zu sichern. Mit dem Hinweis auf die Prunksitzung am 31. Januar 2015 mit vielen bekannten und neuen Künstlern und die Senioren-Prunksitzung am 1. Februar 2015 leitete er zum Finale über, bei dem sich noch einmal alle Mitwirkenden auf der Bühne zusammenfanden und sich nach einem sehr unterhaltsamen Abend den verdienten Beifall des Publikums abholten.

N-Land Anita Wilcke
Anita Wilcke