Grünsberg vorbildlich erhalten

Burg Grünsberg nach der Generalsanierung. Das Bild entstand beim Besuch des Altdorfer Stadtrates. Fotos: Märtl2010/11/gruensberg_New_1289228402.jpg

GRÜNSBERG/KIEL – Im Kieler Schloss wurde gestern der Deutsche Preis für Denkmalschutz des  Nationalkomitees für Denkmalschutz verliehen. Unter den Preisträgern auch die Stromersche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung für den "vorbildlichen Erhalt" von Schloss Grünsberg. Den Preis nahm Rotraut Freifrau Stromer von Reichenbach-Baumbauer aus der Hand von Dr. Herlind Gundelach, der Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz entgegen.

Der Preis ist die höchste Auszeichnung in diesem Bereich und gilt herausragenden Leistungen zur Bewahrung des baulichen Erbes sowie beispielhafter Vermittlung der Anliegen und Ziele von Denkmalschutz und Denkmalpflege. Die Verleihung erfolgte auf Vorschlag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Die Stromer‘sche Stiftung wurde damit für das zivilgesellschaftliche und mäzenatische Engagement, sowie für den vorbildlichen Erhalt, die öffentliche Zugänglichkeit und die Kulturprogramme auf Schloss Grünsberg mit der Silbernen Halbkugel auszuzeichnet.

Zur Auszeichnung mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz 2010 lagen der Jury insgesamt 83 Vorschläge vor, davon 29 Fernsehbeiträge, 17 Hörfunkbeiträge, acht Vorschläge aus dem Bereich der Printmedien und 29 Vorschläge Persönlichkeiten und Gruppen. 2010 wurden insgesamt zehn Preisträger ermittelt:

Mit der Silbernen Halbkugel wurden neben der Stromer‘schen Stiftung drei weitere Institutionen und Personen ausgezeichnet.

In der Würdigung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz heißt es: „Es ist leider nicht selbstverständlich, dass ein umfangreiches denkmalgeschütztes bauliches Anwesen als Ganzes im Falle der Erbteilung für die Öffentlichkeit bewahrt bleibt. Rotraut von Stromer-Baumbauer ist es dank ihrer intensiven diplomatischen Bemühungen als Stiftungsadministratorin jedoch gelungen, Schloss Grünsberg in Altdorf vorbildlich zu erhalten. Nach über 250jährigem Besitz in der bedeutenden Patrizierfamilie Stromer von Reichenbach ist das Schloss in erstklassigem Erhaltungszustand nun für die Öffentlichkeit zugänglich geworden. Dort wird seit 2009 eine Bibliothek betrieben, es werden Lesungen gehalten und Führungen organisiert. Im Jahr 2010 finden allein 18 Großveranstaltungen wie z. B. Barockkonzerte statt.

Die außerordentlich bedeutende, im Kern spätmittelalterliche Burganlage des Schlosses Grünsberg befand sich 1999 nach 15jähriger finanzieller Überforderung der Eigentümer beim Bauunterhalt durch Hausschwamm, Teileinsturz und Vandalismus in einem kritischen Zustand. Außerdem bestand die Gefahr, dass der Familienbesitz zerschlagen und veräußert wird. Eine Situation, die viele Denkmäler nicht überdauern.

Nicht so dieses Anwesen. Rotraut von Stromer-Baumbauer bewegte die anderen Erben dazu, ihre jeweiligen Erbteile in die Stromer’sche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung einzubringen. Das waren der Ausgangspunkt und die finanzielle Basis für die Restaurierung in zwei Bauabschnitten von 2000 – 2009. Der Stiftungszweck sieht den uneingeschränkten Erhalt der Gesamtanlage einschließlich ihres wertvollen Inventars vor. Eine entscheidende Stärkung der Eigenmittel der Stiftung brachte die Veräußerung von neu ausgewiesenem Bauland.

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz würdigt das zivilgesellschaftliche und mäzenatische Engagement der Familie Stromer und besonders der Administratorin der Stromer’schen Stiftung, Rotraut von Stromer-Baumbauer. Der vorbildliche Erhalt, die öffentliche Zugänglichkeit und die Kulturprogramme auf Schloss Grünsberg verdienen die Verleihung der Silbernen Halbkugel. Rotraut Freifrau Stromer von Reichenbach-Baumbauer ist seit 1999 Administratorin der Stromer‘schen Kulturgut-, Denkmal- und NaturStiftung.

Die Stiftung hat zur Aufgabe, Burg Grünsberg mit all ihrem seit Jahrhunderten für diese Lokalität gesammelten Inventar, ihren Nebengebäuden, ihrem barocken „Himmelgarten“, ihrer barocken Sophienquelle, aber auch ihren naturnah gehaltenen Wäldern und Schluchten zu pflegen, zu erhalten und in einem dem Denkmal zuträglichen Ausmaß für Wissenschaft und Forschung, aber auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ihre Arbeit ist rein ehrenamtlich.

Das kriegszerstörte Renaissance-Palas wurde in den Jahren 1997 bis 2009 grundlegend instand gesetzt, z.T. mit großen finanziellen und persönlichen Opfern der Administratorin. Seit 2006 steht ihr ein 60köpfiger Förderverein zur Seite.

Über Leihgaben ihrer Kulturgüter an bedeutende Ausstellungen zahlt die Stiftung ihre Dankesschuld für 60% Zuschüsse an der Sanierungsgesamtsumme von über 3 Mio Euro zurück, zuletzt für die Bayerische Landesausstellung „Bayern-Italien“ und die Ausstellung „Mythos Burg“ des Germanischen Nationalmuseums. Im Gegenzug erbittet sie die Restaurierung ihrer Leihgaben.

Dreimal bereits hat das Bayerische Fernsehen Kurzfilme auf Grünsberg gedreht, um einem größeren Publikum einen Blick in die Burg und das Leben mit einem Denkmal zu ermöglichen. Um dem um die Burg gelegenen, naturnahen Wald eine Zukunft zu geben, schloss sich die Stiftung auf Drängen der Administratorin freiwillig dem Natura-2000-Projekt“ der EU an, so dass der von den Vorfahren begonnene „sentimentale Landschaftsgarten“ als solcher erhalten und von vielen Menschen weiter genossen werden kann.

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