Entscheidung in Röthenbach

Grünes Licht für zwei Kindergärten

Über diese schmale, steile Straße müsste die Zufahrt zur geplanten neuen Kindertagesstätte im Röthenbacher Pegnitzgrund führen. | Foto: Buchner-Freiberger2021/02/zufahrt-pegnitzgrund-roth-strasse-kita.jpg

Röthenbach. Gegen die vier Stimmen der CSU und trotz der problematischen Zufahrtssituation hat der Röthenbacher „Ferienausschuss“ beschlossen, die neue Kita im Pegnitzgrund auf den Weg zu bringen. Unumstritten ist dagegen die Entscheidung für einen Waldkindergarten auf dem bisherigen Bolzplatz an der S-Bahn-Haltestelle Seespitze.

Wie die PZ bereits berichtete, plant die Investorengruppe „Projekt Pegnitzgrund GbR“ im Grund eine Kita für bis zu 110 Kinder, die von den Johannitern betrieben werden soll. Die Investoren kaufen das Grundstück und beteiligen sich mit zehn Prozent an den Baukosten. Setzt man für den Neubau eine Summe von 2,4 Millionen Euro an, würde für die Stadt Röthenbach, je nachdem, wie viele Zuschüsse fließen, ein Anteil zwischen 216 000 Euro und 756 000 Euro verbleiben. Weil die Johanniter die Kita betreiben, kämen auf die Stadt keine Personal- oder Unterhaltskosten zu.

Die idyllische, naturnahe Lage, die möglichen Synergieeffekte mit dem benachbarten Sportverein und die Möglichkeit für den FC, durch den Verkauf des Grundstücks Geld in die nicht gerade üppige Vereinskasse zu bekommen – alles Gründe, die die Befürworter bei der Sitzung am Montagabend ins Feld führten, darunter Bürgermeister Klaus Hacker sowie die SPD und die Grünen.

Der Knackpunkt allerdings, und das konnte keiner abstreiten, ist die Zufahrt. Schmal und steil ist der „Clubberg“, wie die Straße in den Pegnitzgrund genannt wird. Gehsteig? Fehlanzeige. Schon jetzt ist die Verkehrssituation in der Parkstraße, quasi die „Verlängerung“ der Grundstraße, problematisch. Denn hier liegt die Evangelische Kindertagesstätte. Der Trägerverein hatte im Vorfeld der Sitzung in einem Brief auf die gefährliche Lage, besonders während der Hol- und Bringzeiten, hingewiesen. Der Verkehr staue sich oft bis in die Staatsstraße zurück, umgekehrt sei ein Einfahren in die stark frequentierte Staatsstraße oft kaum möglich. Die Situation würde sich durch eine zusätzliche, große Kita im Grund weiter verschärfen.

Der falsche Standort?

„Wir erzeugen innerstädtischen Verkehr durch eine Kita im Grund“, sagte CSU-Sprecher Wolfgang Gottschalk. Die ganze Zeit rede man davon, CO2 einsparen zu wollen, und dann solle eine Kita an einen Standort gesetzt werden, wo sie eigentlich nicht gebraucht werde. Denn mit der evangelischen Kita und der geplanten, dreigruppigen Einrichtung im ehemaligen Karl-Heller-Stift am Speckschlag sei der westliche Stadtrand bereits ausreichend mit Plätzen versorgt, so die Meinung der CSU-Fraktion.

Diese plädierte stattdessen dafür, Alternativen zu prüfen, vor allem im Stadtteil Seespitze, wo der Bedarf am größten sei und es bislang mit der AWO nur eine Betreuungseinrichtung gibt. Gottschalk brachte erneut ein städtisches Grundstück am Schumacherring ins Gespräch, das man nicht nur mit einem Kindergarten, sondern mit einem generationenübergreifenden Wohnprojekt bebauen könnte. Oder man müsse neu denken, zum Beispiel, indem man den großen Anwohnerparkplatz in der Friedrich-Wittmann-Straße mit einer Kita überbaue. „Wir haben keinen Zeitdruck“, sagte Gottschalk, der bat, die Entscheidung zu vertagen.

Das wollte der Großteil des Gremiums aber nicht mittragen. Am Schumacherring sei die Verkehrslage auch prekär, „wir müssen langsam in die Gänge kommen, sonst brauchen wir wieder Container“, so Dieter Hammer (Grüne). Das 1,2 Millionen-Grundstück am Schumacherring einfach so herzugeben, sei bei der momentanen Finanzlage nicht vertretbar, meinte Thomas Jennemann. Falls sich die Zufahrt in den Grund als ungeeignet herausstelle, könne man „jederzeit die Reißleine ziehen“.

Um die Verkehrslage dort zu beurteilen, ist ein Verkehrsplaner beauftragt. Wie Bauamtsleiter Josef Hailand mitteilte, kann dieser zurzeit aber noch nicht „loslegen“, denn eine Zählung sei aktuell wegen des Lockdowns einfach nicht repräsentativ. Vor allem, was den Verkehr auf der Staatsstraße angeht. Sollte die Straße in den Grund ausgebaut werden müssen, was aufgrund des Geländes dort ohnehin kaum möglich sein dürfte, müsste dafür die Stadt aufkommen, nicht der Investor. Am Ende verständigte sich der Ferienausschuss gegen die vier Stimmen aus der CSU darauf, das Projekt „Kita im Grund“ weiter zu verfolgen.

Ja zu Waldkindergarten

Einigkeit besteht dagegen beim geplanten Waldkindergarten am S-Bahnhof Seespitze. Hier sollen bald 20 bis 22 Kinder vom BRK betreut werden, das bereits eine Einrichtung mit demselben Konzept in Schnaittach-Heders­dorf betreibt. Das Grundstück, auf dem zurzeit noch ein Bolzplatz ist, gehört der Stadt bereits. Die Kosten für den Bau einer Blockhütte beziehungsweise eines Nebengebäudes liegen Schätzungen zufolge bei etwa 120 000 Euro, von denen die Stadt mindestens 35 Prozent zahlen müsste, bei besserer Förderlage auch weniger. Man einigte sich darauf, dass ein Teil des Bolzplatzes erhalten werden soll. Außerdem würde die Stadt notfalls im ersten Jahr den so genannten Defizitausgleich übernehmen, wenn der Waldkindergarten noch nicht voll ausgelastet ist.

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