Klimaschutzmanagerin im Interview

„Gemeinden tun schon viel“

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Über kaum eine Stelle wurde im Vorfeld so intensiv diskutiert und gerungen: Anfang August hat Dr. Katharina Pöhler ihren Job als Klimaschutzmanagerin angetreten, zuständig ist sie für Röthenbach, Schwaig, Rückersdorf und Leinburg. Die Pegnitz-Zeitung hat mit der 34-Jährigen über ihre Aufgaben gesprochen.

Frau Pöhler, Sie hatten ja jetzt ein paar Wochen Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen: Was tun „Ihre“ vier Kommunen denn bereits in Sachen Umwelt- und Klimaschutz?

Ich bin überrascht, wie viel schon läuft. Es gibt jede Menge E-Ladestationen, CO2-Einsparungsprogramme, Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden, die Aktion Stadtradeln, Blühlandschaften, Aktionen zum Thema „Biodiversität“ oder Fairtrade, Röthenbach hat eine Baumschutzverordnung, um nur einiges zu nennen.

Was können Sie denn da als Klimaschutzmanagerin überhaupt noch tun?

Für mich sind das alles gute Anknüpfungspunkte, die es zu strukturieren und auszubauen gilt. Man kann die Erfahrungen, die eine Gemeinde bereits mit einem bestimmten Thema gemacht hat, bündeln und auf die Nachbargemeinde übertragen. So können alle Nutznießer im positiven Sinne sein. Außerdem bin ich natürlich da, um die Verwaltung zu entlasten. Fast täglich landen Schreiben zu Umwelt- und Klimathemen auf meinem Schreibtisch, etwa vom Städtetag oder vom Umweltministerium. Da geht es zum Beispiel um Förderprogramme. Sich damit auseinanderzusetzen, dafür hatten die Mitarbeiter in den Rathäusern bisher meistens gar nicht die zeitliche Kapazität.

Man sagt zwar, Umweltschutz fängt im Kleinen an, aber laufen die Bemühungen kleiner Kommunen nicht ins Leere, angesichts von Ländern wie China, das mehr CO2 ausstößt als alle anderen Industrienationen zusammen?

Das Thema Klimaschutz wurde früher belächelt, aber es betrifft wirklich jeden. Aus meiner Zeit bei Max Bögl weiß ich: Fast jede Firma, die heute einen Auftrag möchte, braucht inzwischen ein Nachhaltigkeitszertifikat. Man kann froh sein, wenn sich die Gemeinden vor Ort des Themas annehmen und eine Vorbildfunktion übernehmen.

Gilt das auch für Röthenbach, das den Klimanotstand ausgerufen hat? Viele Menschen halten das für völlig übertrieben …

Ich finde, das ist ein Statement, ein Signal an die Bevölkerung, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen müssen, auch wenn der Begriff selbst nicht perfekt ist.

In Röthenbach und Schwaig gibt es große Industriebetriebe, die natürlich auch Emissionsverursacher sind. In Diepersdorf ist mit den Bolta-Werken gerade ein großer Automobilzulieferer insolvent gegangen. Sind die Kommunen hier nicht in der Zwickmühle: Gewerbesteuer und Arbeitsplätze auf der einen, Umwelt- und Klimaschutz auf der anderen Seite?

Natürlich sind Industrie- und Gewerbebetriebe Geldquellen für die Städte und Gemeinden. Man muss aber auch sehen, dass in den Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement sehr viel läuft. Neue, umweltfreundlichere Technologien werden ausprobiert, das wird nach außen oft gar nicht so kommuniziert. Die Firmen haben hier eine Machtposition im positiven Sinne und können mit ihren Erfahrungen voneinander profitieren.

Was steht denn in den vier Kommunen konkret in puncto Umwelt- und Klimaschutzprojekten an?

Viel dreht sich natürlich um die energetische Sanierung von Liegenschaften. Dann sind Bike-and-Ride-Anlagen an Bahnhöfen geplant, also moderne, für alle Fahrradtypen geeignete Abstellmöglichkeiten. Das Radverkehrskonzept des Landkreises, dem alle vier letztlich zugestimmt haben, muss umgesetzt werden. Und dann gilt es, Energieeinsparprogramme auszubauen. Denn es werden eben nicht nur Photovoltaikanlagen gefördert, sondern auch Dachbegrünungen, Zisternen oder E-Lastenfahrräder. Meist wird beim Thema Umwelt- und Klimaschutz nur auf den grauen Bereich geschielt.

Das müssen Sie jetzt genauer erklären …

„Grau“ umfasst alles Bauliche, Radwege zum Beispiel, Dämmungen oder Photovoltaikanlagen. „Blau“ steht für Flüsse, Seen und Bäche, aber auch für Trinkwasser. „Grün“ bezieht sich natürlich auf Bäume, darunter fällt auch Biodiversität oder Insektenschutz.

Bei Ihnen läuft „Jobsharing“ anders herum, Sie haben vier Chefs aus vier Kommunen. Wie bekommen Sie das organisatorisch unter einen Hut?

Die Ausgangssituation ist hervorragend, die vier Bürgermeister verstehen sich untereinander gut. Ich sitze an zwei Tagen pro Woche im Röthenbacher Rathaus, die anderen Tage jeweils in den anderen Gemeinden. Ich habe tatsächlich vier Schreibtische (lacht). Ich finde es auch in Zeiten, in denen über die Notwendigkeit von Büros diskutiert wird, wichtig, den direkten Kontakt zu den Gemeinden zu haben. Natürlich ist mal ein Projekt zeitaufwendiger, dann muss die andere Gemeinde vielleicht zurückstehen, aber das wird sich ausgleichen. Flexibilität ist gefordert, aber das klappt bisher ganz gut.

Stefanie Buchner-Freiberger

Dr. Katharina Pöhler ist 34 Jahre alt und lebt mit ihrem Partner in Schwaig. Aufgewachsen ist sie in Thüringen. Sie hat Angewandte Geowissenschaften in Halle an der Saale studiert und im Bereich Mineralogie an der Naturwissenschaftlichen Fakultät II promoviert. Bevor sie Klimaschutzmanagerin wurde, arbeitete sie sechs Jahre für das Neumarkter Bauunternehmen Max Bögl im Bereich der Forschung, konkret beschäftigte sie sich mit der Entwicklung von Betonen. Das Thema Nachhaltigkeit hatte dabei einen großen Stellenwert, sagt sie.

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