Beobachter für den Deutschen Wetterdienst

Simmelsdorf sucht Wetterfrosch

Sieht unscheinbar aus, ist aber für die Arbeit des Deutschen Wetterdiensts (DWD) wichtig: Mit einer solchen Messstation werden die Niederschlagsmengen erfasst. Einmal täglich müssen sie von den Ehrenamtlichen geleert werden. Die Werte gehen dann online an den DWD. Im Winter muss die Schneehöhe gemessen werden. | Foto: DWD2021/01/Musterfoto-Niederschlagsmesser.jpg

SIMMELSDORF – „Braut der Januar Nebel gar, wird der Frühling nass fürwahr“, lautet eine der vielen alten Bauernweisheiten. Doch weil man sich darauf nur wenig verlassen kann, betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in ganz Deutschland ein Netz von rund 1750 nebenamtlichen Wetter- und Niederschlagsstationen. Im Raum Simmelsdorf klafft seit einigen Jahren ein Loch in dieser Netzkarte, deshalb sucht die Bundesbehörde dort nun wetterbegeisterte Bürger, die einmal täglich den Niederschlag messen.

„Für eine Messreihe, die ein Klimatologe für eine Analyse nutzen kann, braucht er Daten“, erklärt Birgit Werrbach von der regionalen Messnetzgruppe des DWD in München den Hintergrund ihres Aufrufs. „Und um die Daten vergleichen zu können, braucht man langjährige Testreihen“, sagt sie. Ziel sei es, über viele Jahre hinweg konstant Werte zu sammeln.

Für Frühaufsteher

Einmal täglich, um 6.50 Uhr oder 7.50 Uhr müsse man dafür das über Nacht in der Messstation gesammelte Wasser in einen Messbecher schütten und die Menge anschließend online an den DWD übermitteln. Außerdem gilt es tagsüber das Wetter im Auge zu behalten, falls sich etwas Besonderes ereignen sollte, und im Winter ist die Schneehöhe zu messen.

Auch um einen Ersatz sollte man sich vorher kümmern, der im Urlaubs- oder Krankheitsfall eintritt. Die kleine, silberne Messstation installiert der DWD dann im Garten oder auf dem Gelände des Beobachters. Dabei sind bestimmte Mindestabstände zu Häusern, Mauern oder Bäumen einzuhalten.

Wetterbeobachter seit 1973

Auf diese Weise hat man in der Gemeinde Simmelsdorf beziehungsweise in Großengsee und in St. Helena eigentlich bereits seit 1937 Niederschlagswerte gemessen. Denn in diesem Jahr nahm mit dem ersten ehrenamtlichen Wetterbeobachter in der Gemeinde die Messstation offiziell ihren Betrieb auf, sagt Werrbach. Ab dem Jahr 2000 sind die Messungen allerdings nur noch bruchstückhaft, da sich nicht durchgängig Beobachter gefunden haben.

Über den Beginn der Niederschlagsmessungen im Jahr 1937 weiß auch Perry Gumann, Bürgermeister der Gemeinde Simmelsdorf, Bescheid. Nach einem Blick in seine Aufzeichnungen weiß er es sogar genau: Am 1. Oktober 1937 habe mit dem evangelischen Pfarrer Georg Börner in Großengsee der erste Beobachter offiziell seine Arbeit begonnen. Zehn Jahre später wurde der Posten von Gemeindeschreiberin Lieselotte Starke übernommen, die zwar zwischenzeitlich nach St. Helena zog, aber die Messungen viele Jahre durchführte – und zwar rund ein halbes Jahrhundert, wie Gumann sich weiter erinnert.

Eine „längere konstante Messreihe zwischen 1950 und 1997“ hat auch Birgit Werrbach in ihren Aufzeichnungen vermerkt. Danach gebe es immer wieder Lücken. „Seit 2016 ist dort gar keiner mehr“, sagt sie.

Gemessen wird auch digital

Nicht nur solche freiwilligen Wetterfrösche führen für den DWD Messungen per Hand aus, sondern die Behörde verfügt auch über digitale Messstationen, die zum Beispiel Temperatur oder Atmosphäre kontrollieren. Außer einem hauptamtlichen Standort am Nürnberger Flughafen werden aber alle Stationen in der Region nebenamtlich betrieben. Auch werden Daten anderer Messstationen an den DWD übertragen, wie zum Beispiel in Lauf, wo das Bayerische Landesamt für Umwelt digital misst.

Solche Wetterbeobachter, wie der DWD nun in Simmelsdorf sucht, gibt es derzeit in Hersbruck, Obertrubach und Kalchreuth.
Weil Simmelsdorf quasi in der Mitte dieser Orte liegt und das Netz erst richtig abdeckt, ist es Werrbach auch so wichtig, dort wieder einen geeigneten ehrenamtlichen Wetterbeobachter zu finden.

Dessen Messungen sollen Aufschluss geben über Veränderungen der Niederschlagsmengen, welche Jahre feucht und welche trocken waren, und Abweichungen zeigen. „Je nachdem, wie hügelig das Gelände ist, hat man zwei Kilometer weiter manchmal schon ein ganz anderes Klima. Gibt es in Simmelsdorf zum Beispiel einen Starkniederschlag, muss es nicht sein, dass es ein paar Orte weiter auch so ist“, sagt Werrbach. Um genau solche Schwankungen vergleichen zu können, brauche es einen zuverlässigen Messer.

Beitrag für die Wettervorhersage

Die vor Ort gemessenen Daten und die Beobachtungen der Wetterbeobachter werden vom Wetterdienst dann zum Beispiel für die Wettervorhersage oder für Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Sie helfen aber auch, die Klimaveränderung in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können, schreibt der DWD in seinem Aufruf.

Zwar zahlt die Behörde eine Aufwandsentschädigung, die Höhe hat man in den Aufruf aber bewusst nicht aufgenommen. „Wir wollen, dass sich die Menschen wirklich selbst für das Wetter interessieren und es nicht nur aus finanziellen Gründen machen“, sagt Werrbach.
Sie sammelt nun Bewerber und hofft, dass sich einige Wetterinteressierte bei ihr melden.

Persönliches Kennenlernen

Um sicherzugehen, dass sie auch einen interessierten und zuverlässigen Bewerber vor sich hat, kommt Birgit Werrbach dann sogar zu einem persönlichen Kennenlerngespräch nach Simmesldorf.

Generell, so Werrbach, seien sowohl Landwirte als auch Rentner, „die morgens eh nicht mehr so lange schlafen können“, aber auch Pendler, die ans frühe Aufstehen gewöhnt sind, oder Hausfrauen geeignete Beobachter. „Wir hoffen, dass wir so wenigstens die Messlücken für die Zukunft füllen können“, sagt Werrbach. 

Informationen

Der DWD bittet Interessenten, sich direkt mit der Regionalen Messnetzgruppe in Verbindung zu setzen. Ansprechpartner sind dort Birgit Werrbach (Telefon 069/8062 9243) und Frank Sievers (069/8062 9254). Beide sind auch per E-Mail unter [email protected] zu erreichen. Mehr Informationen gibt es online unter www.dwd.de.

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