Die Ernte hat begonnen

„Gebirgshopfen“ für Bier auf der ganzen Welt

Nichts soll liegen bleiben: Nach der maschinellen Ernte werden in den Hopfengärten auch die Reste der Ranken mit der Hand eingesammelt. | Foto: Schuster2020/09/Hopfenernte-herpersdorf-Foto-udo-schuster0002.jpg

HERPERSDORF – Auch im Landkreis ist die Ernte des „grünen Golds“, wie der Hopfen auch genannt wird, in vollem Gange. Im sogenannten Siegelbezirk Hersbruck, zu dem auch Gärten im Schnaittachtal oder in der Gemeinde Eckental zählen, werden in den nächsten vier Wochen die Maschinen der heute noch 13 Hopfenpflanzer nicht mehr stillstehen. Darunter finden sich kleinere Flächen, aber auch Bertriebe mit fast 50 Hektar.

„Früher war für uns die Hopfenernte über zwei bis drei Wochen die wichtigste Arbeit im ganzen Jahr“, erzählt Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf aus Ottensoos, der selbst in und mit der Landwirtschaft aufgewachsen ist. Unter den rund 20 unterschiedlichen Anbausorten im hiesigen Siegelbezirk befindet sich auch die weit verbreitete Hopfensorte „Hersbrucker Spät“.

Mit der Sorte „Opal“ hat Markus Eckert aus Herpersdorf vergangene Woche die Ernte auf seinen Hopfenfeldern begonnen. Eigentlich wollte er mit seinen Helfern noch früher beginnen, aber der Dauerregen vom letzten Wochenende, mit rund 60 Litern pro Quadratmeter, machte der Planung einen Strich durch die Rechnung. Der Boden war noch viel zu nass, um mit dem schweren Bulldog zwischen den Reben zu fahren, sagt Eckert, während er geschickt sein Erntefahrzeug mit dem Ladewagen in die nächste Reihe steuert. Trotzdem waren die Regentage ein Segen für die Natur und die Landwirtschaft, meint er.

August bringt oder nimmt

Der August bringt oder nimmt den Hopfen, diese Aussage bestätigt sich immer wieder. Die Hopfenpflanzen wurden nun durch die ausreichende Feuchtigkeit in den Böden in ihrer Vitalität gestärkt, sagt der Fachmann.
Die Ertragsmenge auf seinen Feldern wird im Vergleich zum letzten Jahr vermutlich dennoch um rund 20 Prozent geringer ausfallen. Das ändert sich auch nicht durch das aufwendige Bewässerungssystem, welches auf einigen Feldern installiert wurde. „Der Klimawandel ist auch bei uns in Franken deutlich spürbar und die Trockenheit im Sommer ist schon seit einigen Jahren zu verzeichnen. Ohne zusätzliche Bewässerung geht gar nichts mehr“, so Eckert, der deshalb ein künstliches Bewässerungsbiotop mit einem Wasserreservoir von über 20 000 Kubikmetern angelegt hat. Wir mussten viel investieren, um auch in Zukunft auf dem Hopfenmarkt Bestand zu haben.

So sieht eine Hopfenpflückmaschine von innen aus. Sie revolutionierte vor Jahrzehnten die Ernte und ersetzte die Massen von Helfern, die früher notwendig waren. /Foto: Schuster2020/09/Hopfenernte-herpersdorf-Foto-udo-schuster0007.jpg

Erntezentrum statt Feldscheune

Auch deshalb hat der Herpersdorfer Biobauer vor einigen Jahren begonnen, ein Hopfenerntezentrum außerhalb des Dorfes zu errichten. Die Halle selbst ist 60 Meter lang und 30 Meter breit. Aufsummiert beträgt die Fläche der bewirtschafteten Hopfenäcker nun stolze 49 Hektar. 13 verschiedene Hopfensorten wachsen auf seinen Feldern.

Mit zwei großen Traktoren fahren Markus Eckert und seine Mitarbeiter auf einem über drei Meter breiten Streifen durch die Hopfenreben. Eine Ranke nach der anderen schneidet das Abreißgerät am Trecker etwa einen Meter über Boden ab und sammelt diese hinten auf der Ladefläche. Anschließend wird die wertvolle Fuhre in das Erntezentrum gebracht, wo dann die Ranken per Hand einzeln in einen Transportzug gehängt werden und automatisch in die Pflückmaschine gezogen werden.

Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf und Hopfenbauer Markus Eckert fachsimpeln über die Qualität und Menge des Hopfens in diesem Jahr. /Foto: Schuster2020/09/Hopfenernte-herpersdorf-Foto-udo-schuster0008.jpg

Regelmäßige Reinigung

Mehrere Arbeitsschritte folgen, bis der auf eine Restfeuchtigkeit von rund zehn Prozent getrocknete Hopfen in Transportsäcke abgefüllt werden kann.
Fünf Erntehelfer aus Rumänien und Polen sorgen für den reibungslosen Betrieb der Maschinen, in denen Blätter und Dolden getrennt werden. Im Inneren der Maschine streifen unterschiedlich lange Pflückfinger die Hopfendolden ab. Mindestens zweimal am Tag müssen die Maschinen gereinigt werden, denn Ranken und Anleitdraht wickeln sich um die sich drehenden Teile.

Markus Eckert ist vor 20 Jahren, direkt nach dem Studium in Weihenstephan, mit Engagement und Mut zu Veränderungen in den damaligen elterlichen Betrieb eingestiegen. Den Grundstein zu Veränderungen legten die Eltern, Gunda und Norbert Eckert, bereits 1987 mit der Umstellung auf einen landwirtschaftlichen Biobetrieb. Auch heute noch unterstützen die Eltern des Herpersdorfers aktiv bei der Ernte und Vermarktung.

Die Hopfendolden nach der Ernte im Lager. Nach ihrer Trocknung auf eine Restfeuchte von zehn Prozent werden sie in überdimensionale Hopfensäcke abgefüllt. /Foto: Schuster2020/09/Hopfenernte-herpersdorf-Foto-udo-schuster0004.jpg

Kein totaler Ernteausfall

Die Hopfenfelder des Herpersdorfers liegen bei Großbellhofen und weiter über Untersdorf und Laipersdorf bis nach Benzendorf und Eckenhaid veteilt, dezentral im Umkreis von rund fünf Kilometern. Dies sei aus mehreren Gründen sinnvoll, denn auch wenn einmal ein Unwetter mit Hagel über das Land zieht, ist die Wahrscheinlichkeit auf einen totalen Ernteausfall geringer.

In Fachkreisen ist der Bio-Landwirt Markus Eckert anerkannt und wurde deshalb auch als Beirat in den Hopfenpflanzerverband Hallertau gewählt. Seit über zehn Jahren ist der Herpersdorfer Vorsitzender des Vereins „Hopfenland Hersbruck“.

Auch Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf besuchte zu Beginn der Hopfenernte einige Landwirte in seinem Dienstbereich und freut sich, weil bei allen Betrieben die Familie zusammenhilft damit die Ernte gelingt. Wolf selbst ist mit Herzblut und Leidenschaft im Hopfenanbau verwurzelt. Der Behördenleiter übernimmt ehrenamtlich Mitverantwortung für den Hopfenanbau in ganz Deutschland. Er vertritt als Mitglied im deutschen Hopfenbeirat die Hersbrucker und Spalter Hopfenbauern.

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