Im Landkreis 49 freie Stellen

Gastro-Jobs für geflüchtete Ukrainer?

Gastronomie bietet Ukrainern eine gute Möglichkeit zum Quereinstieg, so die Gewerkschaft. | Foto: NGG2021/07/NL-Bedienung-Servicekraft-Gaststaette-NGG.jpg

NÜRNBERGER LAND – Im Gastgewerbe im Nürnberger Land sind aktuell 49 Stellen unbesetzt. Geht es nach der Gewerkschaft NGG, könnten geflüchtete Ukrainer die Branche wiederbeleben. Dafür braucht es jedoch die nötigen Rahmenbedingungen.

Helfende Hände gesucht: Viele Hotels und Gaststätten im Nürnberger Land sind derzeit dringend auf neues Personal angewiesen – und könnten dabei auch Geflüchteten aus der Ukraine eine Job-Perspektive bieten. „Vorausgesetzt, die Bezahlung stimmt. Denn wer vor dem Krieg flieht und bei uns Schutz sucht, darf nicht ausgenutzt werden. Viele suchen bereits nach Arbeit“, sagt Regina Schleser von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Die NGG-Regionalchefin verweist auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur. Danach zählte das Gastgewerbe im Landkreis Nürnberger Land im April 49 offene Stellen – 21 mehr als noch vor einem Jahr.

„Ideal für Quereinsteiger“

Das ist auch eine Chance für die Gastronomen und Wirte, die faire Bedingungen bieten“, sagt Schleser. Gerade das Gastgewerbe sei weltoffen: Dort arbeiteten schon immer Menschen unterschiedlichster Herkunft – auch aus Osteuropa. „Die Branche ist ideal für den Quereinstieg: Von der Küche bis zum Service – hier haben auch Beschäftigte ohne Berufsausbildung gute Chancen. Und Fachkräfte werden ohnehin dringend gebraucht – vom Barkeeper bis zur Hotelfachfrau“, betont Schleser. Die Geschäftsführerin der NGG-Region Nürnberg-Fürth verweist darauf, dass sich die Bezahlung im heimischen Gastgewerbe zuletzt deutlich verbessert habe.

Nach dem aktuellen Tarifvertrag, den die NGG mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ausgehandelt hat, liegt der Einstiegsverdienst in der Branche in Bayern seit April bei 12 Euro pro Stunde. Fachkräfte kommen auf einen Stundenlohn von mindestens 14,27 Euro.

„Diese Einkommen machen die Arbeit an Theke und Tresen deutlich attraktiver. Nicht nur Beschäftigte aus dem Nürnberger Land, sondern gerade auch Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, die einen Job suchen, sollten darauf bestehen, nach Tarif bezahlt zu werden“, rät Schleser.

Jetzt sei die Politik in der Pflicht, die Weichen zu stellen, um das Fußfassen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. „Wichtig ist, dass die ukrainischen Bildungsabschlüsse unkompliziert anerkannt werden. Und es muss einen vereinfachten Zugang zu Sprachkursen geben. Denn die Sprache ist der Schlüssel, um zurechtzukommen“, so Schleser.Die Betreuung der Kinder muss gewährleistet sein

Angesichts des hohen Anteils an Frauen mit Kindern unter den Geflüchteten müsse sich der Staat zudem um genug Kita- und Schulplätze kümmern. „Denn ohne Betreuungsangebote kommt für die Eltern maximal ein Minijob mit wenigen Wochenstunden infrage. Damit wäre allerdings die Chance auf eine echte berufliche Integration vertan“, warnt Schleser. Das Potenzial der Geflüchteten sei enorm: Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren 92 Prozent der Ukrainerinnen in ihrer Heimat erwerbstätig oder befanden sich bereits in der Ausbildung.

Das Hotel- und Gaststättengewerbe habe das Zeug dazu, ein „Integrationsmotor“ zu werden, betont Schleser. Diese Chance sollte die Branche nutzen.

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