Widerstand gegen Bebauungspläne in Feucht

Wachstum auf Kosten der Lebensqualität?

Jörg Wendefeuer begrüßte zahlreiche interessierte Feuchter und Moosbacher zur ersten Informationsveranstaltung von Pro Grün in der Gaststätte More. | Foto: Blinten2017/12/Pro-Gruen.jpg

FEUCHT – Die neue Feuchter Bürgerinitiative Pro Grün hat sich den Widerstand gegen den neuen Feuchter Flächennutzungsplan auf die Fahnen geschrieben. Der ist zwar noch in der Vorbereitungsphase und wird frühestens in zwei Jahren rechtskräftig, Pro Grün sieht aber schon jetzt Anhaltspunkte für scharfe Kritik. „Da kann man nicht früh genug einhaken“, sagte BI-Gründungsmitglied Jörg Wendefeuer auf einer Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative in Feucht.

Es geht um zwei Bereiche in Feucht und drei weitere große Areale in Moosbach, die in der Zukunft als Bauland bereitstehen sollen. Bislang ist auf den Flächen Baumbestand, oder es finden sich hier Wiesen bzw. sie werden landwirtschaftlich genutzt.

Wald in Bauland

In Feucht hat der Bauausschuss mehrheitlich beschlossen, ein Gebiet in der Nähe des Walburgisheims, angrenzend an die Ulmenstraße, in den neuen Flächennutzungsplan als Bauland aufzunehmen. Hier könnten dann irgendwann in der Zukunft insgesamt 8000 Quadratmeter bebaut werden. Außerdem hat der Bauausschuss entschieden, am Josef-Schlosser-Weg 9000 Quadratmeter Wald in Bauland umzuwandeln. Marktgemeinderat Christian Nikol (Die Franken) ist Aktivist bei Pro Grün. Er erläuterte den Umfang der betroffenen Areale in Feucht und stellte kurz und bündig fest: „Wir stellen uns gegen diese großen Vorhaben hier in Feucht.“

„Man sollte aufhören“

Sabine Meindl sitzt für die Grünen im Marktgemeinderat und engagiert sich wie Nikol in der Bürgerinitiative. Die Moosbacherin erläuterte die Vorhaben am Birnthoner Weg, am Kappenzipfel in Moosbach und auf der Moosbacher Höhe. Die Fläche am Birnthoner Weg wird derzeit zum Teil landwirtschaftlich genutzt, zum Teil ist sie geschützt. Das Gebiet umfasst etwa 10.000 Quadratmeter.

Am Kappenzipfel ist ein fast viermal so großes Areal betroffen: Hier sollen 38.000 Quadratmeter von landwirtschaftlicher Fläche in Bauland umgewandelt werden. Weitere 30.000 Quadratmeter an der Moosbacher Höhe sollen nach Überlegungen des Bauausschusses ebenfalls Baufläche werden. „In Moosbach sind aber schon jetzt die Grenzen erreicht“, beklagte Meindl, „man sollte hier aufhören.“

Insgesamt könnten mit einer Änderung des Flächennutzungsplans sieben Hektar in Moosbach neu bebaut werden. Da sehen die Aktivisten von Pro Grün den ländlichen Charakter des Ortsteils der Marktgemeinde doch stark gefährdet. Außerdem: „Wir haben für Moosbach nur eine einzige Zufahrtsstraße“, stellte Jörg Wendefeuer fest. Wenn der Ort demnächst um fast 25 Prozent wachse, dann habe man ein Problem.

Plan kann geändert werden

Marktgemeinderätin Rita Bogner sieht das genauso. Sie forderte die Feuchter und Moosbacher auf zu akzeptieren, dass die Marktgemeinde an ihre Wachstumsgrenzen gestoßen ist. Ausdrücklich lobte Bogner die Bürgerinitiative dafür, dass sie sich bereits in einem frühen Stadium zum Flächennutzungsplan zu Wort meldet. Der Plan wird etwa alle 20 Jahre überarbeitet und gilt dann als Willensbekundung der Kommune, was wo auf ihrem Gebiet gebaut bzw. wo nicht gebaut werden darf. In Stein gemeißelt ist der Plan dann nicht, Kommunen können ihren Flächennutzungsplan immer wieder ändern, müssen sich dabei aber mit der Regierung von Mittelfranken abstimmen.

Nicht ausreichend informiert?

Kritik kam aus den Reihen der Zuhörer an der Informationspolitik der Marktgemeinde. Die sei ungenügend. Und die Rathausparteien hätten auch nicht gut informiert. Woraufhin Marktgemeinderat Hannes Schönfelder (SPD) darauf hinwies, dass seine Fraktion schon früh an den betreffenden Standorten in Moosbach war und auch breit darüber berichtet wurde. Das gilt auch für die CSU, die sich etwa am Josef-Schlosser-Weg umsah.

Alle anderen Rathausparteien haben sich ebenso mit dem Thema befasst und auch öffentlich darüber berichtet. In unserer Zeitung gab es dazu eine Reihe von Beiträgen. „Viele, die heute in Feucht leben, wohnen hier, weil Wiesen und Wälder Bauland wurden“, gab Schönfelder zu bedenken. Feucht ist in der schwierigen Situation, dass der Reichswald einem Wachstum der Marktgemeinde Grenzen setzt. Braucht man aber Wachstum innerhalb dieser Grenzen? Sicher nicht, stellt Bogner fest. Bedingt durch den demographischen Wandel würden doch viele Häuser und Wohnungen frei. Genug sei genug, stellte dazu eine Zuhörerin fest: „Wir wollen nicht dass die Marktgemeinde auf Kosten der Lebensqualität weiter wächst.“

Vorentwurf öffentlich ausgelegt

Hannes Schönfelder sprach dann das Waldgebiet am Hagebaumarkt an, auf dem nach Überlegungen des Bauausschusses auch Bebauung möglich werden soll, damit sich der Baumarkt erweitern kann. Warum denn hier kein Widerspruch komme, wollte er wissen. Der bleibt laut Jörg Wendefeuer deshalb aus, weil die Fläche nicht so empfindlich sei wie etwa das Gebiet am Josef-Schlosser-Weg. „Aber uns stört natürlich schon, dass hier Wald wegkommt.“

Wie geht es jetzt mit dem Flächennutzungsplan für Feucht weiter? Im Januar kommt das Thema noch einmal auf die Tagesordnung des Bauausschusses. Dann wird sich der Marktgemeinderat auf seiner Sitzung am Donnerstag, 25. Januar, damit befassen und einen Vorentwurf billigen. Der wird anschließend öffentlich ausgelegt, damit Bürger dazu Stellung nehmen können. Anschließend wird der Entwurf mit den eingegangenen Stellungnahmen erneut im Bauausschuss und dann im Marktgemeinderat beraten. Rechtskraft erlangt der neue Flächennutzungsplan frühestens 2020. Ob und in welchem Umfang die von Pro Grün kritisierten Bereiche dann darin enthalten sein werden, ist derzeit offen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten