Bund Naturschutz kritisiert Pläne der Autobahndirektion

Viel Holz soll fallen für Brücke am Kreuz Nürnberg-Ost

Die BN-Mitglieder wollen den geplanten Ausbau verhindern. | Foto: Hornung2016/11/Autobahnbruecke-BN.jpg

FEUCHT/ALTENFURT – Die Autobahndirektion Nordbayern plant eine 17 Meter hohe Autobahnbrücke am Kreuz Nürnberg-Ost. Der Bund Naturschutz kritisiert den geplanten Eingriff in Bannwald und europäisches Vogelschutzgebiet. Ortstermin mit dem BN.

Was ist der Unterschied zwischen einem neu gepflanzten und einem über Jahrzehnte gewachsenen Wald in europäischem Vogelschutzgebiet? In dem alten Wald siedelt sich der Habicht an, hier brütet der Uhu und Grau- und Schwarzspecht haben ihre Baumhöhlen. Nicht umsonst ist der Lorenzer Reichswald seit den 1970er Jahren Bannwald und in Teilen auch Vogelschutzgebiet.

Durch diesen geschützten Wald will die Autobahndirektion Nordbayern die Autobahn A6 weiter ausbauen. Geplant ist ein „Overfly“ am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost in unmittelbarer Nähe zu Feucht und Altenfurt. Die 17 Meter hohen Brücken sollen das gesamte Kreuz überspannen. 50 Meter breite Wälle müssten aufgeschüttet werden. Verbunden damit sieht die Autobahndirektion auch einen Umbau der Anschlussstelle Fischbach vor. Derzeit läuft bei der Regierung Mittelfranken das Planfeststellungsverfahren.

Rodung von 20 Hektar

Die Umsetzung der Pläne der Autobahndirektion ist mit der Rodung von 20 Hektar Wald verbunden. 20 Hektar sind vergleichbar mit der Größe von 28 Fußballfeldern. Es wäre – nachdem die geplante Nordspange zum Flughafen auf Eis liegt und das Gewerbegebiet bei Feucht durch einen Bürgerentscheid vereitelt wurde – der bisher größte Eingriff in den Bannwald.

Der Bannwald steht unter besonderem Schutz. Eine forstwirtschaftliche Nutzung findet hier nicht statt. Rodungen müssen mit der Aufforstung an anderer Stelle ausgeglichen werden. Die Eingriffe durch den geplanten Umbau am Autobahnkreuz Ost sind nach Einschätzung des Bund Naturschutz jedoch nicht ausgleichbar. Der Verband gab im öffentlichen Anhörungsverfahren zu den Baumaßnahmen eine ablehnende Stellungnahme ab.

„Es geht nicht nur um den Bannwald, es geht auch darum, dass der Lorenzer Reichswald europäisches Vogelschutzgebiet ist“, sagte Heide Frobel, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land, bei einem Ortstermin, zu dem der BN eingeladen hatte. Vor Ort, neben der A6, wo die Brücke gebaut werden soll, informierten BN-Vertreterinnen und -Vertreter über die geplanten Maßnahmen und äußerten ihre Kritik.

Verstoß gegen Europarecht

Der Wald ist europäisches Vogelschutzgebiet im Netzwerk „Natura 2000“. Zerstört würde der Lebensraum vieler Vogel- und Fledermausarten. Schwarzspecht, Grauspecht, Sperlingskauz, Habicht, Hohltaube, Uhu und Baumpieper seien hier in hohem Maße beeinträchtigt, erläuterte BN-Regionalreferent Tom Konopka. „Das sind nach europäischem Recht geschützte Arten. Die Baumaßnahmen würden somit Europarecht verletzen.“ Direkt neben der Baustelle sei das einzig bekannte Brutgebiet des Uhus in Nordbayern. In einem Erläuterungsbericht zu den Planungsunterlagen räumt selbst ein Gutachter, der für die Autobahndirektion prüfte, „erhebliche Beeinträchtigungen“ ein.

Alternativen?

Warum dann der Umbau? Der Verkehr zwischen A6 und A9 soll flüssiger fließen, Staus und Unfälle sollen vermieden werden. Kritik des BN: Alternativen zum Umbau des Kreuzes seien bisher nicht ausreichend in Betracht gezogen worden. Varianten seien lediglich baulich in Betracht gezogen worden, etwa durch einen alternativen Verlauf der Brücke, nicht aber sachlich, etwa durch ein Tempolimit.

Mit einer verkehrspolitischen Weichenstellung wie dieser setze Bayern massiv weiter auf den Straßenbau. „Sollte man nicht vielmehr den öffentlichen Nahverkehr ausbauen?“, gab der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner zu bedenken. „Der Umbau des Autobahnkreuzes ist das völlig falsche Signal.“
Eine Alternative zum weiteren Ausbau der Autobahnen etwa sei die Bahn. Einerseits müsse der öffentliche Nahverkehr attraktiver werden, andererseits müssten Bahnstrecken und Umschlagsplätze für den Fernverkehr ausgebaut werden. Konopka wies darauf hin, dass etwa die Strecke zwischen Marktredwitz und Cheb in Tschechien noch immer eingleisig sei.

Erhebliche Beeinträchtigungen geschützter Arten seien eigentlich nicht zulässig, erläuterte der Regionalreferent. Es gäbe zwei Ausnahmen: Im Fall der Verteidigung und zum Schutz der Gesundheit. Das Hauptargument bei dieser Baumaßnahme seien allerdings wirtschaftliche Gründe.

Kein wirklicher Ausgleich

„Es ist einfach unglaublich, dass Gesetze derart übergangen werden“, fügte Heide Frobel hinzu. Etwa sieben bis zehn Hektar Bannwald werden pro Jahr gerodet und dafür Ersatzflächen aufgeforstet. Bis neu gepflanzter Wald jedoch ein angemessener Lebensraum für die bedrohten Vogelarten und andere Tierarten darstelle, dauere es mindestens 150 Jahre.

Aber nicht nur der Lebensraum der Tiere sei bedroht. „Mit jeder Ausbaumaßnahme wird auch das Naherholungsgebiet der Menschen kleiner“, sagte Wolfgang Dötsch, Geschäftsführer der Kreisgruppe Nürnberg. Er bedauere es, wenn Erholungssuchende erst zehn Kilometer in den Wald hinein gehen müssten, weg von der Autobahn, um Ruhe zu finden.

Stefan Rieger, Mitglied der Ortsgruppe Wendelstein sowie im Arbeitskreis Reichswald, gab zu bedenken, dass die geplanten Ausgleichsflächen zudem kein wirklicher Ausgleich wären.

Als Ersatz für die Rodungen sehen die Pläne vor, 15 Hektar im Gebiet der MUNA zu bepflanzen. Zum einen das Bunkergebiet (FASA), zum anderen ein Bereich, der ehemals als Tanklager diente (POL-Lager). Als Sperrgebiet böte die MUNA zumindest keinen Ersatz als Naherholungsgebiet.
Die Pläne der Autobahndirektion sehen die Naturschützer mit großer Sorge. Ob die Einwände des BN Geltung finden, muss im Planfeststellungsverfahren nun rechtlich geprüft werden.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung