Diakonie veranschlagt mehr Geld

Teures Seniorenheim

Die Diakonie sucht nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Partner, die sich finanziell an der Ausstattung des Seniorenzentrums beteiligen. Neben einigen Unternehmen zählt nun auch die Gemeinde zu diesem Kreis. Mit der Preispolitik der Rummelsberger aber sind zahlreiche Mitglieder des Marktgemeinderats nicht einverstanden. | Foto: Christian Geist2020/01/Feucht-Gottfried-Seiler-Seniorenzentrum-1-scaled.jpg

FEUCHT – Ein Seniorenheim, das sich jeder Feuchter leisten kann: Das hat sich der Marktgemeinderat vom Seniorenzentrum Gottfried Seiler
versprochen. Nun sind einige Lokalpolitiker enttäuscht von den Gebühren. Und die Rummelsberger Diakonie wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Ende 2019 bittet die Rummelsberger Diakonie die Gemeinde um einen Zuschuss für die Innenausstattung ihres neuen Gottfried-Seiler-Seniorenzentrums. Nach Vorberatung in Bau- und Hauptausschuss soll der Marktgemeinderat am Donnerstagabend die Höhe der finanziellen Hilfe festlegen. Doch dessen Mitglieder sind enttäuscht. Enttäuscht von der Diakonie und ihrer Preispolitik. Karin Reiwe (CSU) beispielsweise spricht von „Preisen, die jenseits von Gut und Böse sind“. Und Petra Fischer (SPD) von Senioren, die dadurch „umso schneller zum Sozialfall werden“.

Für Menschen mit geringem Einkommen

Rückblick: Im Oktober 2017 präsentieren Gemeinde und Diakonie das Projekt Gottfried Seiler in der Reichswaldhalle der Öffentlichkeit. Für die Diakonie spricht Joachim Lächele, der damalige Leiter der Immobilienabteilung. Er erklärt, die Einrichtung sei geplant für „bedürftige und kranke Menschen, die ein geringes Einkommen haben“. Schon damals will das nicht jeder der Anwesenden glauben.  Und Bürgermeister Konrad Rupprecht erteilt kritischen Nachfragen eine Absage: „Jeder Feuchter, der will, muss da reinkommen. Punkt.“ Zwei Jahre später setzt die Rummelsberger Diakonie ein Ausrufezeichen. „Der Schwerpunkt bei dem Angebot liegt (…) nicht bei Komfort und Luxus, sondern auf Funktion und Bezahlbarkeit“, heißt es in einem Angebotsschreiben vom 1. November 2019 zwar immer noch.

2500 Euro pro Monat

Doch nennen die Verantwortlichen darin erstmals Preise. Man rechnet im Pflegeheim nun mit einem Eigenanteil von circa 2500 Euro im Monat. Das sind die Kosten, die jeder Bewohner beziehungsweise Angehörige selbst tragen muss, der Anteil der Pflegekasse sei da bereits abgezogen.
„Also meine Angehörigen können es sich nicht leisten, dort unterzukommen“, sagt Till Bohnekamp (CSU) im Gemeinderat. Sein Vater, erzählt er im Gespräch mit dem Boten, lebt derzeit in einem Heim in Wendelstein. Eigentlich wollte er ihn nach Feucht zurückholen und ließ ihn auf die Warteliste für das Gottfried setzen. Für seine Mutter, die noch zu Hause lebt, „ist nun ein Traum geplatzt“, sagt Bohnekamp angesichts der Preisvorstellung der Diakonie. „Vor der Vergabe haben die Verantwortlichen von Preisen zwischen 1650 und 1900 Euro gesprochen. Da sind sie nun mehr als am Ziel vorbei geschossen.“ Parteikollegin Karin Reiwe geht sogar davon aus, dass sich 95 Prozent aller Feuchter das Gottfried nicht leisten könnten. Und Herbert Bauer (CSU) führt die Gebühren vergleichbarer Häuser in der Region an. Die Wendelsteiner Diakonie verlange einen Eigenanteil von gut 1900 Euro, Diakoneo in Altdorf rund 2200 Euro. 

„Verschärfte Regelungen“

Dem widerspricht Andrea Höfig-Wismath, stellvertretende Pressesprecherin der Diakonie. Im Gespräch mit der Redaktion nennt sie als vergleichbares Objekt im Landkreis das Karl-Heller-Stift in Röthenbach: mit einem Eigenanteil von 2460 Euro. Die Diskrepanz in Feucht erklärt Höfig-Wismath zum einen mit gesetzlichen Regelungen, die sich verschärft hätten. Zum anderen handele es sich beim Gottfried um einen Neubau. Der damals genannte Eigenanteil habe sich jedoch auf eine Bestandsimmobilie, das Stephanushaus in Rummelsberg, bezogen. „Das war eine Referenz zum damaligen Zeitpunkt, keine Prognose in die Zukunft.“ Sie bleibt bei der Aussage, dass jeder Feuchter im Gottfried einen Platz bekommen soll. 

„Nur 50 000 Euro?“

Der Gemeinderat diskutiert indes, ob er der Diakonie – wie vom Hauptausschuss empfohlen – 50 000 Euro für die Ausstattung des Gottfrieds spendieren soll. Oder doch 100 000 Euro, wie es Hannes Schönfelder (SPD) zu Beginn der Sitzung beantragt. „Wir haben das Grundstück zu einem stattlichen Preis verkauft und sehen uns jetzt nicht in der Lage, 100 000 Euro für Verbesserungen auszugeben?“, sagt Schönfelder und erhält unter anderem Zuspruch von Sabine Meindl (Grüne). Schlussendlich lehnt der Gemeinderat Schönfelders Antrag mit 15:6 Stimmen ab und beschließt einen finanziellen Zuschuss von 50 000 Euro.

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