Badegewässer locken in die Natur

Sand statt Chlor

An einer flachen Stelle wagen sich auch die Kleinsten in das saubere Grundwasser des Jägersees. | Foto: Grünewald2017/08/Feucht-Jaegersee-online.jpg

NÜRNBERGER LAND – Baden ist in den Gewässern im Nürnberger Land grundsätzlich erlaubt, auch wenn nicht überall die Wasserqualität überprüft wird, sagt Ulrich Schmidt vom Wasserwirtschaftsamt in Nürnberg. Ausnahmen sind Naturschutzgebiete wie die Schwarzachklamm, Bundeswasserstraßen, Privatgrund und überall, wo Verbotsschilder aufgestellt sind. Nacktbaden ist nicht verboten, solange es die anderen Badegäste nicht belästigt. Grillen dagegen ist in Waldnähe strengstens untersagt.

Westlich der A9 zwischen Feucht und Röthenbach befindet sich der Jägersee. Das Wasser des Sees besteht komplett aus Grundwasser, und die Wasserqualität ist einwandfrei, was das Gesundheitsamt in Roth alle vier Wochen überprüft. Gefahr geht allerdings von herumliegendem Müll aus. Weil der Jägersee auf gemeindefreiem Gelände liegt, räumt keine Gemeinde die Glasflaschen und Plastikbeutel weg. Spaziergängerin Lisa Huber findet: „Die Verschmutzung liegt daran, dass die Leute ihren Müll nicht wieder mitnehmen, nicht daran dass ihn keine Gemeinde wegräumt.“

Die meisten Badegäste kommen aus der Umgebung, zum Beispiel aus Feucht, Röthenbach oder Nürnberg, und sind oft am Jägersee. „Besonders ist am Jägersee, dass er so versteckt und nicht für alle zugänglich ist“, findet Familie Stürz. Einer der Gründe dafür ist, dass diejenigen, die mit dem Auto anreisen, noch einige Minuten Fußweg auf sich nehmen müssen. Vom See, der ja verglichen mit dem Rothsee ein Geheimtipp für Kenner ist, wissen die meisten von Bekannten.

Ein Punkt, der für Uneinigkeit sorgt, sind die Hunde. Hundebesitzer freuen sich, weil sie ihren Liebling frei herumlaufen lassen dürfen, während andere Badegäste Probleme mit den schmutzigen und teils schlecht erzogenen Tieren haben. „Heute habe ich Glück. Ich bringe meinen Hund hierher und andere Leute spielen mit ihm. Das habe ich aber auch schon anders erlebt“ erzählt Malcolm Haube.

Gefahren, weil sie in der Natur baden, sehen die Menschen nicht. „Wasser birgt immer Gefahren, das ist im Schwimmbad ganz genauso“, meint Haube. Als Bademeister im Südstadtbad kennt er sich mit dem Thema Wasser und Gefahren aus.

Entstanden ist der Jägersee laut Landratsamt Roth, als die A9 mit Sand aufgeschüttet wurde und zwei Gruben ausgebaggert wurden. Während um sie herum wieder Bäume angepflanzt wurden, ließ die Gemeinde die Gruben voll Wasser laufen. Seitdem kommen die Menschen zum Baden, und der Name Jägersee hat sich eingebürgert.

Sonderfall Fließgewässer

Am alten Kanal sind ebenfalls oft Badende zu sehen. Bei Pfeifferhütte haben Jugendliche ein Stück Kanal für sich erschlossen. Sogar ein langes Seil hängt an einem Baum, um sich an ihm ins Wasser zu stürzen. Auch die Schwarzach lädt dazu ein, an heißen Tagen die Schuhe auszuziehen und die Füße im fließenden Wasser abzukühlen. Weil der alte Kanal und die Schwarzach weder ein EU-Badegewässer wie der Rothsee oder der Igelsbachsee noch ein sonstiges Badegewässer wie der Jägerese sind, überprüft das Gesundheitsamt die Wasserqualität nicht.

In Fließgewässer leiten auch Kläranlagen ihr Wasser ein. Das Landratsamt in Roth erklärt, das Wasser regeneriere sich zwar wieder, aber auf Grund dieser Belastung sei das Baden in Fließgewässern nicht offiziell gestattet. Dennoch erklärt Ulrich Schmidt vom Wasserwirtschaftsamt: „Prinzipiell ist es erlaubt, in allen Gewässern zu baden, solange kein Verbot ausgesprochen ist.“ Im Bereich der Schwarzachklamm dagegen ist Naturschutzgebiet. Dort ist Schwimmen verboten.

Das rät die Wasserwacht

Till Bohnekamp, der Pressebeauftragte der Wasserwacht Nürnberger Land, gibt Tipps für sicheres und richtiges Baden. „Unbekannte Gewässer sollten Badende immer meiden“, warnt er. Da Schwimmer im Wasser schlecht zu sehen sind, müssen sie besonders auf Schiffe und Boote achten. In direkten Bundeswasserstraßen wie dem Main-Donau-Kanal ist das Baden verboten. Gefährlich ist es auch, mit vollem Magen oder aus der Sonne heraus ins Wasser zu gehen. Mindestens eine halbe Stunde sollte dazwischen liegen.

„Nach dem Essen ist die Durchblutung im Körper höher. Durch die Belastung beim Schwimmen kann das gefährlich für den Kreislauf werden“, erklärt Bohnekamp. Beim Sonnenbaden ist zu beachten, nicht zu lange in der prallen Sonne zu liegen und einen Sonnenschutz zu verwenden. Außerdem sollte niemand vergessen, dass er sich in der Natur befindet. In Ufernähe eines Sees wachsen oft Schlingpflanzen, in denen sich Badende leicht verfangen können. Brut- und Nistzonen sowie Naturschutzgebiete sollten umgangen werden. Oft ist auch der Grund nicht zu sehen und Badegäste unterschätzen die Wassertiefe oder treten auf scharfe Steine. Auch flaches Wasser birgt Gefahren: Beim Sprung ins Wasser ist der Boden oft zu nah und es kann zu Verletzungen kommen.

Trotzdem sind die Badenden der Region bisher unfallfrei geblieben. „Seit ich mich erinnern kann, sind im Landkreis Nürnberger Land keine Badeunfälle passiert“, sagt Herbert Lasch von der Altdorfer Polizei.

Grillen nein, Nacktbaden ja

Grillen ist im Wald freilich verboten. Ausnahmen sind ausgewiesene Grillstellen. „Das sind Grillstellen, an denen schon alles vorbereitet ist, um das Feuer von der Umgebung abzugrenzen“, erklärt Lasch. So eine Grillstelle gibt es zum Beispiel am Jägersee. Das Nacktbaden hingegen ist nicht pauschal verboten. „Solange von außerhalb nichts zu sehen ist, fällt es nicht unter Erregung öffentlichen Ärgernis“, sagt Lasch. Das wirft die Frage auf, wie die Leute dann ins und aus dem Wasser kommen. Seit langem gibt es aber eine stille Absprache. Am Birken- und am Jägersee gibt es zum Beispiel jeweils ein Ufer, an dem die Nacktbader zu finden sind. Wer sich daran stört, kann das Ufer also einfach umgehen.

Sarah Grünewald

N-Land Der Bote
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