Infoveranstaltung in Feucht nur spärlich besucht

Null Bock auf Fairtrade?

Wird Feucht eine Fairtrade Town? Eine Veranstaltung richtete sich an Gemeinderäte und Mitglieder des Ortsmarketingbeirats, stand aber auch Bürgern offen. Viele Stühle blieben in der Reichswaldhalle jedoch unbesetzt. | Foto: Kappes2016/01/db-feuchtrwhfairtrade.jpg

FEUCHT – Zertifikat ja oder nein? Die Feuchter Kommunalpolitiker denken darüber nach, ob die Marktgemeinde eine „Fairtrade Town“ werden soll. Die Zahl der Zuhörer hielt sich bei einer Infoveranstaltung jedoch in Grenzen.

Eigentlich stand in seinem Redemanuskript, dass er die Anwesenden mit den Worten „Danke, dass Sie so zahlreich erschienen sind“ begrüßen wolle. Bürgermeister Konrad Rupprecht lässt seinen Blick über die vielen leeren Stühle im Saal der Reichswaldhalle schweifen. „Doch nun muss ich sagen: Ich freue mich nicht, dass so wenige da sind.“ Schließlich sind die Themen Nachhaltigkeit, Waren aus ökologischem Anbau und fairer Produktion wichtig. Allein, viele der 50 geladenen Gäste und die breite Öffentlichkeit scheint es nicht allzu sehr zu interessieren. So saß denn eine kleine Gruppe in den Reihen und lauschte dem enthusiastischen Vortrag von Frank Braun.

Der Eine-Welt-Regionalpromotor für Nordbayern will das Thema mit Leben füllen. In der Region haben bereits zahlreiche Städte und Gemeinden die Zertifizierung: Schwarzenbruck ist seit vergangenem Jahr dabei, Altdorf ist auf der Zielgeraden. 2009 startete das Projekt. Bis heute gibt es bundesweit 392 Fairtrade Towns.

Nicht nur fürs Image

Doch was bringt so ein Zertifikat eigentlich? Für Gemeinden und Städte ist es natürlich ein Imagegewinn, mit dem Emblem werben zu können. Doch dahinter steckt eine viel größere Idee: Die Bevölkerung mit ins Boot zu holen, um fairen Konsum zu fördern. Denn global betrachtet, so Braun, entstünden viele Probleme durch gewinnoptimierte Produktion. Die Umwelt leidet, Arbeiter schuften für Hungerlöhne. Menschen, die sich als Wirtschaftsflüchtlinge in ein vermeintlich besseres Leben aufmachen, sind die Folge. Die Devise für Braun lautet deshalb: Fair zu Natur und Mensch.

Die Hürden für eine Zertifizierung sind bewusst niedrig gehalten. Für die Gemeinde Feucht bedeutet das konkret, fünf Kriterien einzuhalten. Die Verwaltung sollte auf bio und fair setzen. Das heißt, dass beispielsweise bei Sitzungen zukünftig Biokaffee geschlürft wird. Zudem soll eine Steuerungsgruppe mit Vertreten aus Vereinen, Kirchengemeinde und Schulen die Idee weiter voranbringen.

Zusätzlich müssen vier Geschäfte sowie zwei Gastronomiebetriebe wie Restaurants, Bäcker oder Cafés faire Produkte anbieten. Das bedeutet nicht, dass die gesamte Produktpalette mit dem Siegel Fairtrade versehen sein muss, ein Teil reicht. Als letztes Kriterium gilt es, den Gedanken durch Marketing und Berichte in lokalen Medien öffentlich zu machen. In Nürnberg ließen sich die Fairtrade-Anhänger bereits Flashmobs, Umsonst-Kinos und Auftritte auf Messen einfallen, um die Bevölkerung von der Idee zu überzeugen. Die Losbude der AWO, bei der es nur Fairtrade-Produkte zu gewinnen gibt, kommt bei den Volksfest-Besuchern besonders gut an: Die AWO konnte die Einnahmen seit der Umstellung steigern, berichtet Braun.

Die Welt von unten verändern

Der ehemalige Siemens-CEO träumt von einer Graswurzelbewegung: Die kleinen Kommunen machen vor, wie eine Gemeinde fair, regional und nachhaltig wirtschaften kann und üben damit Druck auf die Politik auf Bundesebene aus. Das Themenfeld ist ein weites: Nicht nur Lebensmittel zählen dazu, auch Kosmetik, Kleidung oder Fußbälle und sogar Putzschwämme.

Wie eine Fairtrade Town aussieht, zeigte Ralf Mützel, Amtsleiter für Nachhaltigkeitsförderung in Neumarkt. Die Oberpfalz-Metropole war die erste Stadt in Bayern, die das Zertifikat erhielt. Seitdem hat die Verwaltung viel auf die Beine gestellt: Diverse Förderprogramme schaffen Anreize für Vereine und Einrichtungen, der Eine-Welt-Laden ist in Räume direkt in der Innenstadt umgezogen und bietet zahlreiche Veranstaltungen rund um Fairtrade an, die Neumarkter veranstalten Nachhaltigkeitskonferenzen und locken mit einem Eine-Welt-Festival. Zudem gibt es in vielen Läden nachhaltige Produkte – von Schokolade bis hin zu Schmuck aus fairen Arbeitsbedingungen.

Die Gemeinderäte in Feucht müssen nun darüber entscheiden, ob ihr Markt im Grünen eine Fairtrade Town werden soll. Ein Schritt in eine nachhaltigere Zukunft wäre es und vielleicht könnten durch Aktionen und Projekte die bislang leeren Reihen mit interessierten Bürgern gefüllt werden.

N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Mirjam Kappes