Die Nachbarschaftshilfe bringt Menschen zusammen

Miteinander – füreinander

Engagieren sich für Menschen in ihrer Nähe: Die Einsatzleiterinnen Monika Lang und Elisabeth Di Bella sowie die Helferinnen und Helfer Margit Kicherer, Manfred Niering, Ruth Maigut mit der kleinen Kinza und Hündin Ayla, Jasmin Schmid und Monika Hoch-Bott (v.li.n.re.). | Foto: Hornung2016/07/Feucht-Nachbarschaftshilfe1.jpg

FEUCHT – Einkaufen, Spaziergänge, Fahrdienste, Begleitung zu Ärzten und Ämtern, Hilfe bei Überforderung mit Telefon, Computer und Fernseher, kleine Tätigkeiten im Haushalt, etwa das Wechseln einer Glühbirne, einen verstopften Abfluss reinigen, im Garten einen Ast absägen, der über den Weg ragt, Kinderbetreuung, Hausbesuche bei pflegebedürftigen und älteren Menschen, zum Vorlesen, Spielen oder um jemandem mit einer Unterhaltung eine Freude zu bereiten: All das sind Tätigkeiten, mit denen ehrenamtlich Engagierte Menschen in ihrer Nähe helfen können. Die Nachbarschaftshilfe Feucht-Moosbach macht’s möglich.

Seit November 2012 gibt es die Einrichtung unter der Trägerschaft der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, dem Markt Feucht und der Diakonie Nürnberger Land. Seitdem hat die Nachbarschaftshilfe bereits einige Menschen zusammengebracht: 2015 waren Helferinnen und Helfer in 840 Einsätzen rund 1500 Stunden tätig. 30 Mitarbeiter sind zurzeit aktiv. Die beiden Einsatzleiterinnen Monika Lang und Elisabeth di Bello fungieren als Schnittstelle. Nach einer ersten Vermittlung organisieren sich Ehrenamtliche und Klienten selbst – und das läuft in den meisten Fällen ganz unkompliziert.

Ehrenamtlich und unbürokratisch

Ruth Maigut und Kinza (5) verabreden sich über WhatsApp. Die ehemalige Erzieherin und das kleine Mädchen wohnen in Feucht nicht weit voneinander entfernt. Immer mit von der Partie ist Maiguts Mischlingshündin Ayla. „Kinza liebt alle Tiere. Stimmt’s?“, zwinkert Ruth Maigut der Kleinen zu. „Sie fragt immer gleich: Ist die Ayla dabei?“ – „Fast alle Tiere. Nur Schweine nicht“, erwidert die Kleine. „Und Zecken nicht“, ergänzt Maigut. „Die finden wir beide blöd.“ Die beiden kennen sich noch gar nicht lange, verstehen sich jedoch bereits prächtig. „Wir unterhalten uns ganz viel“, bestätigt Ruth. „Manchmal sagt Kinza: Das ist meine Omi.“

Eine Erzieherin des Kindergartens St. Jakob, den Kinza besucht, meinte, es wäre gut, wenn die Kleine noch ein wenig mehr Kontakt zu anderen Menschen hätte, mit denen sie etwas unternehmen und Deutsch sprechen kann und wandte sich mit ihrem Anliegen an die Nachbarschaftshilfe. In Feucht hat Kinza keine Großeltern. Die leben in Tunesien. Ruth Maiguts Kinder sind schon aus dem Haus. Eine Win-win-Situation. „Es macht ganz viel Spaß und ist für beide Familien ein Geben und Nehmen“, findet die Helferin. Außer mit Kinza trifft sie sich noch mit einer 86-jährigen Frau. Das Ziel: Gemeinsam rausgehen. „Dabei ist mein Hund auch ganz arg wichtig. Und die Ayla geht gern mit, da sie natürlich auch immer was kriegt.“

Manfred Niering sieht seine Aufgabe darin, „anderen Menschen zu helfen, dort hin zu kommen, wo sie hin wollen“. Das kann in den Supermarkt sein, zum Arzt oder auch mal in die Natur zu einem Spaziergang. Er betreut zwei Ehepaare um die 80 Jahre. Der zeitliche Umfang seines Engagements beträgt pro Paar ein bis drei Stunden in der Woche – je nachdem, welche Hilfsleistung gefragt ist. „Gelegentlich gehen wir auch Kaffeetrinken und unterhalten uns.“ Die Gesprächsthemen sind nicht weit her geholt: Sie drehen sich um die schöne Fassade eines Hauses oder um vorbeiflanierende Passanten.

Soziale Kontakte

Vielmehr als eine bestimmte Tätigkeit steht bei solchen Zusammenkünften der soziale Kontakt im Mittelpunkt. Und das ist ganz in Nierings Sinne, der – 40 Jahre lang beruflich viel unterwegs – im Rentenalter feststellte, dass er zwar viele Menschen in allen Winkeln der Welt kannte, ein Freundes- und Bekanntenkreis in Feucht ihm jedoch fehlte.

Auf „sozialem Entzug“, wie Niering sagt, fühlte sich auch Jasmin Schmid (24), als sie vor drei Jahren nach Feucht zog. Seit eineinhalb Jahren ist sie nun Babysitterin für Sophia (3) und Max (7). Ihr Gewinn: „Es ist interessant, die beiden aufwachsen zu sehen.“ Mittlerweile wird Jasmin zu jedem Geburtstag eingeladen und trifft sich auch privat mit der Mutter der Geschwister.

Der Wunsch nach Kontakt und Austausch mit anderen Menschen verbindet alle Helferinnen und Helfer. Monika Hoch-Bott kümmert sich überwiegend um ältere Leute. Zwei 80-Jährige unterstützt sie aktuell mit Fahrten. Sie mag die kleinen Anekdoten und Geschichten, die sie ihr während solcher Ausflüge erzählen. „Ich bin nicht mehr berufstätig, die Kinder sind aus dem Haus. Nur mein Haushalt füllt mich nicht aus.“

Gleiches sagt Margit Kicherer. Sie und ihr Mann Walter, ein geselliger Faschingsnarr, haben keine Enkelkinder und engagieren sich außerhalb ihrer Familie für andere Menschen. Die beiden Gründungsmitglieder der Nachbarschaftshilfe fahren überwiegend für und mit Senioren zum Einkaufen. „Wir haben einen großen Van“, berichtet Margit. „Ältere Menschen können leicht ein- und aussteigen. Manche wollen mit, manche nicht.“ Auch die „Multikulti“-Treffen zum Kaffeetrinken mit einer türkischstämmigen Dame gefallen ihr.

Flexibel und ohne Druck

Ein großer Vorteil der Nachbarschaftshilfe – darin sind sich alle einig – ist, dass man nicht immer verfügbar sein muss und dass alles ohne jeglichen Druck stattfindet. Nachbarschaftshilfe ist niederschwellig – darin liegt für alle der Reiz. Man bringt sich entsprechend der eigenen Möglichkeiten und Vorlieben ein. Jemand möchte nur Gärtnern? Kein Problem. Jemand möchte in Urlaub fahren oder eine Hilfstätigkeit abgeben? Die Einsatzvermittlerinnen, die ihren Helferkreis kennen, suchen Vertretungen. Auch die Klienten dürfen selbstverständlich Wünsche äußern. Interessenten können sich ganz unverbindlich bei den beiden Netzwerkerinnen Lang und Di Bella registrieren.

Kurz gesagt: Wann, womit, wie oft und wie lange jemand hilft oder Hilfe erhalten möchte, entscheidet jede und jeder für sich selbst. „Ich habe am liebsten zwei Stunden Puffer und nach meinen Treffen nichts mehr vor“, sagt Ruth Maigut.

Für die Unterstützung und Begleitung erhebt die Nachbarschaftshilfe einen Kostenbeitrag von drei Euro pro Einsatz von den Menschen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen. Diese Beiträge decken den organisatorischen Aufwand ab. Die Helferinnen und Helfer selbst arbeiten unentgeltlich, werden jedoch vierteljährlich zu einem Treffen aller Nachbarschaftshilfen des Landkreises und einmal jährlich zu einem gemeinsamen Ausflug eingeladen. Außerdem stehen ihnen Behinderten- und Seniorenbeauftragte beratend zur Seite.

Die Nachbarschaftshilfe würde sich über Zulauf in ihrem Helferkreis freuen und möchte ebenso all jene, die sich Unterstützung und Begleitung im Alltag wünschen, einladen, sich zu melden. Wenngleich einer ihrer Träger die evangelische Kirchengemeinde ist, spielt die Religionszugehörigkeit der Aktiven und Hilfesuchenden keine Rolle. Das Büro in der Hauptstraße 58 in Feucht (Eingang im Kirchhof der evangelischen Kirche) ist montags von 14.30 bis 16.30 Uhr und mittwochs von 10 bis 12 Uhr besetzt und telefonisch unter 09128 7243249 sowie per E-Mail an [email protected] zu erreichen.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung