Drei Regionalkonferenzen sorgten für Grundlagen, die nun ausgearbeitet werden

Lokale Entwicklungsstrategie als Türöffner zu „Leader“

Zum Abschluss wurden die Ergebnisse aus den vier Arbeitskreisen in der Reichswaldhalle präsentiert. Foto: Lorenz Märtl2014/07/leader_gesamt_feucht.jpg

FEUCHT – Auf die steuernde Lokale Aktionsgruppe (LAG) des ländlichen Entwicklungsprogramms „Leader“ wartet keine leichte Aufgabe: Sie muss aus den Ergebnissen von drei Regionalkonferenzen im Landkreis, von denen – nach Hersbruck und Lauf – die letzte für den südlichen Landkreis nun in der Reichswaldhalle in Feucht stattfand, eine Lokale Entwicklungsstrategie (LES) formulieren, mit der sich der Landkreis Nürnberger Land mit seinen 27 Kommunen um die Aufnahme in das europäische Leader-Förderprogramm 2014–2020 bewirbt. „Leader“ ist ein Förderprogramm der EU, mit dem innovative Projekte im ländlichen Raum gefördert werden. Die zu entwickelnde LES soll die Region nachhaltig stärken, zukunftsfähig gestalten und von den Menschen vor Ort mitgetragen werden.

Bei den Regionalkonferenzen ging es nun darum, neue Ideen, Projekte und Ziele aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Natur, Energie, regionale Wirtschaftskreisläufe und Soziales gemeinsam zu entwickeln und zu sammeln.

„Wichtig ist, was in der LES steht“, brachte es Landrat Armin Kroder auf den Punkt. Er zeigte sich erfreut über das große Interesse von Kommunalpolitikern, Vertretern der Wirtschaft, Vereinen und Institutionen sowie Privatleuten und ist überzeugt, dass man viele neue Erkenntnisse gewinnen werde. „Die Quellen, die wir haben, wollen wir ausschöpfen“, sagte der Landkreis-Chef und erinnerte daran, dass man im Landkreis ja gute Voraussetzungen und mit der Gesundheitsregion Hersbruck, die in der letzten Periode über „Leader“ schon kräftig gefördert wurde, schon einschlägige Erfahrungen habe.

Immerhin flossen in den vergangenen sieben Jahren zwei Millionen zusätzliche Fördergelder in diese Region, die zu einer spürbaren Attraktivitätssteigerung führten.

Keine Liebesheirat

Das Programm wäre wohl so wie bisher weitergelaufen, hätte die EU nicht die Spielregeln geändert. Künftig müssen sowohl Größe als auch Einwohnerzahl der Gebiete größer sein. Diese Forderung ist erfüllt: Alle Gemeinden des Landkreises sind dabei. „Keine Liebesheirat“, wie es Armin Kroder formulierte, „sondern eine von Vernunft getragene Beziehung.“

Bevor man sich allerdings Gedanken darüber machen kann, wie und nach welchem Schlüssel Geld verteilt wird, muss es dem gegründeten Verein „LAG Nürnberger Land“, dessen Vorsitzender Landrat Kroder ist, erst einmal gelingen, in das Förderprogramm aufgenommen zu werden. Und deswegen braucht man „klar formulierte Entwicklungsziele, die schlüssig aufeinander bezogen sind“.

Unter der Leitung von Gero Wieschollek, der den Prozess bis zur Übernahme durch die Regionalmanagerin des Landkreises, Christina Reinhardt, begleitet, setzten sich dann vier Arbeitskreise mit den Themen „Demographie, Gesundheit und Soziales“, „Dorf, Natur, Land- und Forstwirtschaft, Energie“, „Tourismus und Kultur“ sowie „Wirtschaft und Arbeit“ auseinander.

Zusammenfassend zeigten sich die Moderatoren Gero Wieschollek, Martina Bauer, Christina Reinhardt und Dr. Hans Rosenbeck sehr zufrieden. Ausgehend von der Stärken-Schwächen-Analyse in den verschiedenen Bereichen stand am Ende eine umfangreiche Liste, versehen mit Notwendigkeiten und Wünschen, wobei sich die meisten wohl einig waren, dass vieles Wunschdenken bleibt.

„Es wäre ein Erfolg, wenn sich der Landkreis im Jahr 2020 als Einheit versteht“, lautete ein Wunsch, „dass ein Gewerbebetrieb innerhalb von sechs Monaten seine Ansiedlung realisieren kann“ ein anderer. Ob die „Optimierung und Beschleunigung von Verwaltungsabläufen“ ein Thema für „Leader“ ist, wird sich zeigen.

Konkrete Vorschläge

Ähnlich wie in Lauf kam auch aus den Reihen in Feucht die Forderung nach einem regionalen Masterplan für Nahverkehr, Verkehrswege (Querverbindungen von Nord nach Süd), ein Radwegenetz, regenerative Energieerzeugung in der Region für die Region (Ausbau erneuerbarer Energien), ökologische und nachhaltige Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, mehr Direktvermarktung, ein Konzept, das junge Leute an die Region bindet und eine bessere Koordination der Gesundheitsangebote, Stärkung der Pflegeeinrichtungen, neue Wohnformen und ein attraktiver Erholungsraum.

Konkrete Vorschläge für mögliche Projekte gab es auch, wie z.B. ein Dorfladen mit Begegnungszentrum für Moosbach, eine durchgehende und bessere Beschilderung der Radwege, die gemeinsame Vermarktung der kulturellen Ereignisse im Landkreis, Info-Terminals in allen Gemeinden für die touristischen Sehenswürdigkeiten und Angebote, Kulturareal Feucht und, favorisiert von den Bürgermeistern Heinz Meyer aus Burgthann und Erich Odörfer, Altdorf, als Vision ein elektrisches Ausflugsboot auf dem alten Kanal zwischen dem Bahnhof in Burgthann und durchgehend bis Rasch.

Eine Anregung auch dahingehend ob über „Leader“ für eine Verbesserung der Hotelsituation im südlichen Landkreis gesorgt werden kann, ob man eventuell dem Wallensteinfestspielverein bei der Beschaffung einer neuen Tribüne unter die Arme greifen kann und ob das mit Feucht eng verbundene Zeidlerwesen durch ein Infozentrum noch mehr in den Fokus gerückt werden kann. „Vielen Dank für die viele Arbeit und die guten Vorschläge“, formuliert es zusammenfassend Gero Wieschollek, der eine umfangreiche Dokumentation ankündigte . Bevor das endgültige Konzept zur Einreichung im November vorgelegt wird, soll es noch einmal einen runden Tisch zur Abstimmung geben.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl